Sonntag, 18. Dezember 2016

Evakuierung Aleppos soll weitergehen – Busse einsatzbereit

Tausende noch immer im Osten Aleppos eingeschlossene Menschen können auf Rettung hoffen. Die Wiederaufnahme der Evakuierung der verbliebenen Rebellengebiete steht offenbar kurz bevor.

Ein Mann sitzt vor den Resten seines zerbombten Hauses in Aleppo.
Ein Mann sitzt vor den Resten seines zerbombten Hauses in Aleppo. - Foto: © APA/AFP

Die Wiederaufnahme der Evakuierung Ost-Aleppos steht offenbar kurz bevor. Die Busse zum Abtransport Tausender Rebellen und Zivilisten seien in den belagerten Teil der Stadt eingefahren, berichteten regimenahe Medien und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Regierungskreise hatten zuvor von einer neuen Vereinbarung zwischen der syrischen Führung und den Rebellen berichtet.

Es wird davon ausgegangen, dass sich noch mehrere Zehntausend Menschen in dem monatelang belagerten Osten der Großstadt aufhalten. Die Rebellengebiete im Osten waren nach heftigen Luftangriffen in den vergangenen Wochen von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands und des Irans fast vollständig erobert worden.

1500 Verletzte, Frauen und Kinder sollen in Sicherheit gebracht werden

In die schiitschen Dörfer Fua und Kafraja in der südwestlich von Aleppo gelegenen Provinz Idlib fuhren nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag ebenfalls Busse ein. Sie sollen rund 1500 Verletzte, Frauen und Kinder in Sicherheit bringen, wie syrische Regierungskreise mitteilten. Milizen aus dem schiitischen Iran, die an der Seite der syrischen Armee kämpfen, hatten nach Angaben aus Regierungskreisen gefordert, dass im Gegenzug für die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos auch die Blockade dieser beiden Orte aufgehoben werden müsse.

Der UN-Sicherheitsrat wollte noch am Sonntag bei einer Sondersitzung über eine mögliche Entsendung von Beobachtern in die syrische Stadt Aleppo diskutieren. Ob eine von Frankreich eingebrachte Resolution das Gremium passieren würde, war zunächst fraglich. Russland, das im Rat ein Vetorecht hat, hatte sich skeptisch gezeigt.

„Militäreinsatz könnte eine schreckliche Situation noch schrecklicher machen“ 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rechtfertigte indes die militärische Zurückhaltung des Bündnisses. „Ein Militäreinsatz könnte eine schreckliche Situation noch schrecklicher machen und zu einer weiteren Eskalation beitragen“, sagte Stoltenberg der „Bild am Sonntag“. „Wir würden riskieren, dass es ein größerer regionaler Konflikt wird. Oder dass noch mehr Unschuldige sterben.“

Die deutsche Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte in derselben Zeitung das Vorgehen der russischen und syrischen Streitkräfte. „Weder das syrische Volk noch die Weltgemeinschaft werden die Gnadenlosigkeit von Aleppo je vergessen, die durch nichts zu rechtfertigen ist.“

Am Samstag demonstrierten mehrere Tausend Menschen in verschiedenen deutschen Städten und auch in London gegen den Krieg. In Stuttgart waren rund 2200 Menschen dabei, in Berlin beteiligten sich an zwei Demonstrationen nach Polizeiangaben insgesamt rund 2100 Menschen, in Mannheim rund 1500, in Hamburg 800.

dpa

stol