Freitag, 16. September 2016

Ex-Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ist tot

Traurige Nachricht am Freitag: Der ehemalige Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ist im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben.

Carlo Azeglio Ciampi ist am Freitag im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben.
Carlo Azeglio Ciampi ist am Freitag im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben. - Foto: © LaPresse

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa erklärt, sei Ciampi in einer römischen Klinik gestorben. Bereits seit einigen Wochen hatte sich sein Gesundheitszustand ständig verschlechtert.

Der am 9. Dezember 1920 in der toskanischen Hafenstadt Livorno geborene Ciampi wurde katholisch erzogen. Er promovierte in italienischer Literatur und Jus an der Universität Pisa. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug er zur Bildung der laizistischen Partei „Partito D'Azione“ bei. Ciampi gehörte zu den Spitzenvertretern einer toskanischen Führungselite, zu der unter anderem der verstorbene Regierungschef Giovanni Spadolini und Ex-Premier Lamberto Dini zählen. Ciampi musste sich mehrmals gegen Vorwürfe wegen Verbindungen zur Freimaurerei verteidigen.

Ciampi als politischer "Retter in der Not"

Der 1963 als Funktionär in die Banca d'Italia eingetretene Ciampi war fast 50 Jahre lang in der Zentralbank tätig. Zwischen 1979 und 1993 besetzte er den Posten des Notenbankchefs. 1993, kurz nach Ausbruch des Schmiergeldskandals „Tangentopoli“, der eine ganze politische Elite wegfegte, wurde er aufgerufen, ein parteiunabhängiges Übergangskabinett mit der Aufgabe zu bilden, das Land bis zu Neuwahlen 1994 zu führen.

Während immer mehr Politiker in den Sog des Skandals gerieten, wurde Ciampi als „Retter in der Not“ in den Palazzo Chigi, den Regierungssitz, gerufen. Das fand auch im Ausland Beachtung: Ciampi wurde als Ministerpräsident zur Symbolfigur einer neuen Glaubwürdigkeit.

Als Wirtschaftsminister im Kabinett von Romano Prodi (Mai 1996 bis Oktober 1998) arbeitete Ciampi unermüdlich für den Beitritt Italiens in die Europäische Währungsunion. Durch strenge Sparmaßnahmen erreicht er eine niedrige Inflationsrate und die Eindämmung des gewaltigen Budgetdefizits. Ciampi wurde im Oktober 1998 auch von Prodis Nachfolger Massimo D'Alema im Amt des Wirtschafts- und Schatzministers bestätigt.

65 Jahre Musterehe

1999 wurde Ciampi vom Parlament und Regionalvertretern im ersten Wahlgang mit überwältigender Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Der erklärte Europa-Enthusiast und „Präsident eines besseren Italiens“ hat auch immer wieder Stellung zu unbequemen Themen bezogen. So bestand er im Gegensatz zum damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der fest hinter der Irak-Invasion der USA stand, stets auf eine führende Rolle der UNO in dem Konflikt.

Nach Ablauf seiner Amtszeit von 7 Jahren wurde Ciampi 2006 von Giorgio Napolitano abgelöst, da er aufgrund seines Alters nicht mehr erneut kandidieren wollte.

Privat wurde Ciampi vor allem für seine „Musterehe“ mit seiner Frau Franca bewundert, mit der er 65 Jahre lang verheiratet war und mit der er zwei Kinder hatte. Der Ex-Präsident hegte eine Vorliebe für deutsche Literatur und las Klassiker von Rainer Maria Rilke und Wolfgang Goethe.

Urlaubte oft in Südtirol

Der Politiker war ein großer Freund von Südtirol: Immer wieder verbrachte Ciampi mit seiner Ehefrau Franca den Urlaub in unserem Land, unter anderem in der Villa Ausserer bei Seis.

Im Juli 2014 wurde Ciampi wegen einer Blinddarmentzündung ins Krankenhaus von Bozen eingeliefert, das Jahr zuvor hatte man ihn aufgrund einer Verletzung an der Hüfte in der Marienklinik in Bozen behandelt.

Ministerpräsident Matteo Renzi würdigte den am Freitag verstorbenen, früheren Präsidenten Ciampi als Staatsdiener und Mann der Institutionen, der mit Leidenschaft Italien gedient habe.

Arno Kompatscher: "Wir trauern um einen Freund Südtirols"

Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher übermittelte seine Anteilnahme: "Mit Carlo Azeglio Ciampi verliert Italien einen vorbildlichen Staatsmann, Südtirol trauert um einen Freund, einen Kenner des Landes, der Südtirol auch persönlich verbunden war". 

Landtagspräsident Roberto Bizzo erklärte: "Der Tod von Carlo Azeglio Ciampi ist eine traurige Nachricht für uns alle."

Laut italienischen Medien ist ein Privatbegräbnis geplant. Der Sarg mit Ciampis Leichnam soll aber zuvor im Senat aufgebahrt werden.

stol/apa

stol