Dienstag, 03. Mai 2016

Expertin: Zahl unabhängiger Medien in Türkei nimmt weiter ab

Die Zahl unabhängiger Medien in der Türkei wird nach Einschätzung einer Expertin weiter abnehmen. „Ich bin pessimistisch. Die türkische Führung wird sich auch kleinerer kritischer Zeitungen entledigen“, sagte die Medienexpertin an der Istanbuler Bilgi Universität, Professorin Asli Tunc, der Deutschen Presse-Agentur zum Tag der Pressefreiheit am Dienstag.

Symbolbild.
Symbolbild. - Foto: © shutterstock

Regierungskritische Zeitungen mit geringer Auflage wie die „Cumhuriyet“ und „Birgün“ könnten unter einem Vorwand geschlossen werden. In den vergangenen Monaten hatte die türkische Regierung die Kontrolle über mehrere oppositionelle Medien übernommen. So wurde etwa die Zeitung „Zaman“ Anfang März unter staatliche Treuhandverwaltung gezwungen und auf Regierungslinie gebracht.

Tunc sagte, inzwischen stehe ein Großteil der Medien in der Türkei der islamisch-konservativen AKP-Regierung und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nahe. Dadurch gebe es keine Debatten oder Diskussionen in der Öffentlichkeit.

Diese seien jedoch unabdingbar für eine funktionierende Demokratie. „Es ist ein Desaster“. Ihre Studenten ermutige sie dazu, eigene Internetmedien zu gründen, sagte Tunc. „Wir brauchen unabhängigen Journalismus mehr als je zuvor in der Türkei. Aber es gibt keine Plattform dafür.“

apa/dpa

stol