Montag, 19. Oktober 2015

Familienfreundliche Vinschger Gemeinden

In den vergangenen Monaten haben die Zweigstellen des Katholischen Familienverbandes Südtirol (KFS) die Familienfreundlichkeit der eigenen Gemeinde bewertet. Die bezirksspezifische Auswertung für den Vinschgau fällt durchwegs positiv aus, negativ fallen – so wie im landesweiten Trend – die fehlenden Räume für Wickelmöglichkeiten auf. Bemängelt wird außerdem, dass nicht genügend Altersheimplätze vorhanden sind.

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Foto: © shutterstock

Der Arbeitskreis Familienpolitik im KFS hatte einen mehr als 60 Fragen umfassenden Katalog erarbeitet und die Zweigstellenausschüsse (114) mit der Beantwortung beauftragt. Der Fragebogen war in die Kapitel Betreuungsangebote, Bildung, Öffentliche Angebote, Mobilität, Wohnsituation, Kirche, Gebühren und Anderes unterteilt. In der Bewertung konnten Noten zwischen eins (schlechtestes) und zehn (bestes) vergeben werden. Das Ergebnis wurde nun in Form eines Infoblattes veröffentlicht.

Der Bezirk Vinschgau im KFS umfasst Zweigstellen in Burgeis, Glurns, Kortsch, Latsch, Laas (Neugründung 2015) Prad, Reschen/ Graun, Schlanders, Schluderns, Stilfs und St. Valentin, die sich Großteils an der Aktion beteiligt haben. KFS-Bezirksleiterin Priska Theiner freut das positive Bild, dass die Aktion ergeben hat: „Die rege Teilnahme und das gute Abschneiden in vielen Bereichen, freut mich sehr. Trotzdem bleibt viel zu tun, gerade bei den Räumen für Wickelmöglichkeiten, dem Platzmangel in den Altersheimen und dem Erhalt der Abteilungen im Krankenhaus Schlanders.“

Im Bezirk Vinschgau werden, wie erwähnt, viele Punkte besonders positiv bewertet. Mit einer Zufriedenheit von über 90% schneiden die Kindertagesstätten, die Kindergartengebühren und die offenen Spielplätze ab. Auch in Sachen Nahversorgung, Vereinshaus, Anzahl der Gottesdienste und Familiengottesdienste sowie der eigene Pfarrer werden auf Bezirksebene Höchstnoten vergeben. Schlecht bewertet werden, wie im ganzen Land, die Räume für Wickelmöglichkeiten mit einer Durchschnittsnote von 4,5 von 10. Im mittleren Bereich liegen die Bereiche Altersheim in Bezug auf ausreichend Plätze und die Schülerlotsen.

Vereinspräsidentin Angelika Mitterrutzner sagt: „Die Zweigstellen haben jetzt eine Diskussionsgrundlage für Vorschläge und Verbesserungen. Die territoriale Aufschlüsselung und der landesweite Vergleich, geben Aufschluss darüber, was wo verbessert werden muss.“ Valentin Mair, der Leiter des Arbeitskreises Familienpolitik, befürwortet die mittlerweile beschlossene GiS-Befreiung für Erstwohnung: „Zusätzliche Vergünstigungen bei der GiS wurden auch im Fragebogen immer wieder erwähnt. Wir begrüßen, dass durch die Umsetzung dieser Maßnahme die Familien unterstützt werden.“

Notwendige Maßnahmen und Forderungen des KFS:

Auf Orts- bzw. Zweigstellenebene: 1. Bildungsangebote für Familien schaffen 2. Sommerangebote für Grund- Mittel- und Oberschüler verbessern 3. wo nicht vorhanden, Schülerlotsendienst aufbauen

Gemeindeebene: 1. zusätzliche GIS-Vergünstigungen für Familien 2. kein IRPEF Gemeindezuschlag 3. Windelbonus für Kinder von 0-4 Jahren und für pflegebedürftige Angehörige 4. angemessene Kindergartengebühren 5. familienfreundliche Mensagebühren

Auf Landesebene: 1. allgemein gültige Regelungen für familienfreundliche Gebühren und Tarife schaffen 2. familienfreundliche Steuerbedingungen (z.B. IRPEF, KFZ Steuer usw.) 3. Maßnahmen zur Integration 4. verbesserte Angebote für Kinderbetreuung (KiTas, Tagesmütter usw.) 5. (finanzielle) Anerkennung der Elternarbeit, Schaffung von Wahlfreiheit.

Landesweite Auswertung

Landesweit positiv bewerten wurden: Bibliotheken, Nahversorgung, Bürgerinformation, Bildungsangebote für Erwachsene, öffentlicher Verkehr, Anzahl der Gottesdienst und das Vereinsleben. Handlungsbedarf besteht bei: Räumen für Wickelmöglichkeiten, Angeboten zur Integration, Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit, Sommerangeboten für Oberschüler, Bildungsangeboten für Jugendliche, Windelbonus und der barrierefreien Mobilität.

Im Kapitel Betreuungsangebote kann man bei der Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit sowie beim Sommerangebot für Oberschüler markante Noten feststellen. Vor allem beim Sommerangebot für Oberschüler werden durchschnittliche Werte im unteren und mittleren Bereich vergeben wie z.B. Bozen (5) und Pustertal (6,5) oder Vinschgau (7). Bei der Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit können große Unterschiede festgestellt werden, beginnend mit einer Durchschnittsnote von 5,25 in Bozen und 5,4 im Pustertal bis hin zu 8,57 im Burggrafenamt und 9 im Vinschgau. Eine Teilnehmerin merkte an, dass bei der Sommerbetreuung noch mehr der Altersunterschied bei den Kindern zu berücksichtigen ist.

Im Sektor Bildung wurden die Bildungsangebote für Erwachsene durchwegs als besonders gut bewertet mit Werten zwischen 7,29 in Bozen und 8,5 im Unterland. Die Bildungsangebote für Jugendliche werden mit einer Durchschnittsnote von 6,85 weniger zufriedenstellend bewertet.

Im sehr breit gefächerten Bereich der öffentlichen Angebote stechen negativ die fehlenden Räume für Wickelmöglichkeiten (4,61) sowie die fehlenden Angebote zur Integration (5,95) heraus. Überaus positiv werden die Bibliotheken im Land, die Nahversorgung und die Bürgerinformation über Gemeindeblätter bewertet (8,5).

Im Bereich Mobilität wird der öffentliche Verkehr mit einer landesweiten Durchschnittsnote von 8,29 positiv bewertet - das Eisacktal erzielt mit 9 die höchste Bewertung. Die barrierefreie Mobilität ist durchaus verbesserungswürdig: Die Werte liegen im unteren - Pustertal 5,33 - bzw. mittleren Bereich: Raum Bozen bei 7.

Durchwegs positiv werden die Fragen im Bereich Kirche bewertet. Und auch das reichhaltige Vereinsleben wird in den Gemeinden gelobt. 

Katholischer Familienverband.it, Bozen

stol