Donnerstag, 30. November 2017

„Flashbeing“: Südtiroler App will Helsinki erobern

Es reicht ein Klick – und schon weiß man, was der Tag bringt, was die Freunde machen und was in der Welt passiert. Schneller informiert: So die Devise der App „Flashbeing“, die 3 junge Südtiroler auf den Markt lanciert haben. Jetzt bringen sie ihre Idee nach Helsinki.

Gründer Matteo Biasi. - Foto: Mattia Rizzi
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Gründer Matteo Biasi. - Foto: Mattia Rizzi

Der Name „Flashbeing“ setzt sich aus dem englischen Wort für Mensch „human being“ und jenem für Blitz „flash“ zusammen, das Schnelligkeit ausdrückt. Ein Wortspiel aus dem Menschsein und der Schnelligkeit des Internets also. Und genau das soll die App schaffen: In nur wenigen Sekunden den eigenen Alltag, aber auch das aktuelle Weltgeschehen und die Freunde im Blick zu haben.

Gegründet wurde sie von dem 22-jährigen Bozner Matteo Biasi und einem Team junger Gleichgesinnter. Wenn am Donnerstag die weltweit größte Techmesse „Slush“ in Helsinki ihre Tore öffnet, werden auch Biasi und seine Mitarbeiter dabei sein – mit der App im Gepäck.

Matteo Biasi präsentiert als Keynote-Speaker seine App „Flashbeing“. - Foto: Foto: Mattia Rizzi

„Es ist eine große Ehre für uns, teilnehmen zu dürfen“, freut sich der junge Informatiker. Kein Wunder, immerhin ergattert nur jedes dritte Start-up eine Einladung zum Großevent in der finnischen Hauptstadt.

Aktuell nutzen etwa 15.000 User „Flashbeing“, um ihren Alltag zu planen. Das Außergewöhnliche daran: etwa 3000 davon sitzen in Asien, 1000 in den USA. Die Hoffnung der 3 Südtiroler ist es, in Helsinki so viele Investoren wie möglich zu ergattern und ihr Netzwerk auszubauen.

Vor der Messe hat sich STOL mit dem 22-jährigen Biasi unterhalten: über die App, die Branche und darüber, was eigentlich die Eltern zu dem Ganzen sagen. 

STOL: Wie ist die Idee zu „Flashbeing“ entstanden?

Matteo Biasi: Die Grundidee war eine App, die sich vor allem auf soziale Netzwerke konzentrieren sollte. Wir wollten unsere Freunde noch besser vernetzen. Durch Berichte in Branchenportalen stieg unser Bekanntheitsgrad und wir erhielten immer mehr Feedback. Die User zeigten uns, was wir noch verbessern könnten und was sie sich von der App erwarten – und wir haben zugehört. Was wir in 4 Jahren gelernt haben: zwischen einer App, die funktioniert, und einer, die gut funktioniert, liegen Welten. Und einer der wichtigsten Bausteine ist es, gemeinsam mit den Nutzern an der App zu arbeiten. Nur so konnten wir „Flashbeing“ Schritt für Schritt verbessern, von einem ausschließlichen Pool für soziale Netzwerke hin zum virtuellen Tagesplaner. Dabei sind wir natürlich auch immer wieder auf die Schnauze gefallen. Aber das gehört dazu – und irgendwann haben wir eine Investition von 250.000 Euro erhalten.

STOL: Wie schwierig ist es, seine eigene App auf den Markt zu bringen?

Biasi: Naja… einfach ist es nicht (lacht). Das Schöne an der Informatik im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ist, dass man vom Schlafzimmer aus ein Produkt kreieren kann, das weltweit User erreicht und erfolgreich werden kann. Natürlich, unsere Reichweite ist im Vergleich zu anderen Apps noch sehr gering. Aber schon allein der Fakt, dass ein Schüler in Bozen etwas schaffen kann, das 2000 Menschen in China verwenden, ist unglaublich. Nur in der Informatik ist das möglich. Wenn man mit 16 oder 18 Jahren etwas Industrielles oder Mechanisches erschaffen will, geht das bei Weitem nicht so leicht. Dazu braucht man eine finanzielle Basis. Einen PC hat heutzutage fast jeder.

„Flashbeing“ kann am Smartphone, Tablet und PC verwendet werden. - Foto: Mattia Rizzi

STOL: Glauben Sie, dass das auch in Zukunft noch so „einfach“ sein wird?

Biasi: Nein, ich bin sogar überzeugt davon, dass es schon in 5 Jahren für einen Jugendlichen fast unmöglich sein wird, das zu schaffen, was wir heute schaffen. Ganz einfach deshalb, weil die Konkurrenz ständig wächst, immer mehr Menschen bringen immer mehr Erfahrung mit. Noch können sich die Jungen austoben, ihre Ideen entfalten, neue Sachen ausprobieren – und damit Erfolg haben. Aber das wird immer schwieriger.

STOL: Sie sind 22 Jahre alt und beschäftigen sich selbstständig mit der Entwicklung einer App. Hand aufs Herz: Was sagen die Eltern?

Biasi: Ich habe das große Glück, dass meine Eltern mich voll und ganz in meinem Traum unterstützen. Aber ich kann verstehen, dass es nicht alle Eltern toll finden, wenn ihre Kinder mit 16 oder 18 Jahren die akademische Laufbahn vernachlässigen, um sich einer App zu widmen, die finanziell nicht gesichert ist. Auf der anderen Seite ist es für einen Jugendlichen unglaublich schwer, wenn sich die Eltern gegen den eigenen Traum stellen. Man muss jedoch bedenken, dass es durchaus von Vorteil sein kann, in jungen Jahren an der Entwicklung einer App mitzuarbeiten. Vor 4 Jahren bestand unser Team aus 13 jungen, informatikbegeisterten Menschen. Heute sind nur noch 3 übrig. Einige wollten sich vollständig dem Studium widmen, andere haben mittlerweile – gerade aufgrund ihrer Mitarbeit und Erfahrung – tolle Jobs in großen Firmen, unter anderem bei IBM (ein US-amerikanisches IT- und Beratungsunternehmen, A.d.R.). Wieder andere haben aufgegeben, weil die Eltern dagegen waren.

STOL: Sie selbst haben nie an Ihrer Entscheidung gezweifelt?

Biasi: Natürlich hatte auch ich öfters Zweifel. Die meisten meiner ehemaligen Klassenkameraden haben mittlerweile ihr Studium abgeschlossen, viele haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Und ich sitze hier, quasi ohne fixes Einkommen, nur mit einer Vision. Neben der App arbeite ich gelegentlich an anderen Aufträgen, um Geld zu verdienen. Aber ich bin nach wie vor absolut überzeugt davon, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Am Anfang startet jeder mit großer Überzeugung und die Welt hat es an sich, dich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen herunterzuholen. Es wird immer jemanden geben, der deine Idee nicht gut findet. Der Schlüssel ist, mit der Kritik gut umzugehen und an den beanstandeten Punkten zu arbeiten. Auch muss man aus Niederschlägen lernen und an ihnen wachsen. Sonst schafft man es wirklich nie.

Interview: Elisabeth Turker

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„Flashbeing“ ist eine App, die für iOS, Android und Windows entwickelt wurde. Sie kann folglich sowohl am Smartphone und Tablet als auch am PC verwendet werden. Optimiert wurde sie übrigens für das neue iPhone X. Sie wurde im Februar veröffentlicht.

stol