Mittwoch, 10. August 2016

Flüchtlinge: 14.400 unbegleitete Minderjährige in Italien

In Italien wächst die Sorge wegen der großen Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die ohne Begleitung durch Erwachsene im Land eintreffen. Über 16.000 Minderjährige werden in Italiens Flüchtlingseinrichtungen betreut, 14.400 erreichten unbegleitet das Land, geht aus Angaben des Kinderschutzwerks „Save the Children“ hervor.

Über 14.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich in Italien.
Über 14.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge befinden sich in Italien. - Foto: © APA/EPA

„Sie sind im Durchschnitt zwischen 15 und 17 Jahre alt. Immer häufiger treffen in Italien auch Kinder von neun und zehn Jahre ohne Eltern ein“, berichtete die Sprecherin von „Save the Children“, Giovanna Di Benedetto. Während die Zahl der in Italien eingetroffenen Migranten 2016 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 nicht gestiegen ist, ist jedoch die Zahl der eingetroffenen Minderjährigen gewachsen.

Oft kommen Babys während der Überfahrt zur Welt

Bei Kindern, die mit Eltern auf Sizilien landeten, handelt es sich oft um Neugeborene, oder um Kinder, die maximal zwei oder drei Jahre alt sind. Oft kommen Babys auch an Bord der Rettungsschiffe zu Welt. Ein großer Anteil der minderjährigen Migranten stammen aus Gambia, Eritrea, Nigeria, Guinea, Somalia und der Elfenbeinküste, berichtete „Save the Children“.

Flüchtlingszentren für Minderjährige geplant

Die Regierung in Rom bemüht sich jetzt verstärkt um die Einrichtung von Flüchtlingszentren für Minderjährige. Dies sei wichtig, um ihnen besonderen Schutz und Unterstützung zu sichern, verlautete es aus dem Innenministerium in Rom.

Viele Teenager verschwinden nach wenigen Tagen aus den Flüchtlingseinrichtungen, in denen sie untergebracht werden. Allein 2015 tauchten 6.135 Minderjährige unter. Sie versuchen auf eigene Faust, Freunde und Angehörige in anderen europäischen Ländern zu erreichen, berichteten Experten. Sie seien dabei großen Gefahren ausgesetzt.

Vor allem Teenager aus Ägypten, Somalia und Eritrea tauchen unter

Laut Experten würden vor allem Teenager aus Ägypten, Somalia und Eritrea untertauchen. Viele von ihnen würden angeben, die seien volljährig, obwohl sie es nicht seien, um weiterreisen zu können. Sie suchen sofort nach Schwarzarbeit, um ihren Schleppern das Geld für die Reise nach Italien zurückzahlen zu können. Die Behörden befürchten, dass viele minderjährige Mädchen auf dem Strich landen.

Lange Wartezeiten

Wer in den Jugendeinrichtungen für Flüchtlinge bleibt, muss sich auf eine lange Wartezeit gefasst machen, bis er internationalen Schutz erhält. Minderjährige Flüchtlinge genießen in Italien zwar automatisch den Schutz, den die 1989 verabschiedete UNO-Konvention für Kinderrechte vorsieht. Bis sie identifiziert werden und Asylstatus erhalten, kann es aber lange dauern.

apa

stol