Sonntag, 03. Juni 2018

Flüchtlingsunglück vor tunesischer Küste: Mindestens 10 Tote

Bei einem erneuten Flüchtlingsunglück im Mittelmeer sind mindestens 10 Menschen getötet worden. Ihr Boot sei am Sonntag vor der tunesischen Küste nahe der Inselgruppe Kerkenna untergegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tap unter Berufung auf einen Sprecher des Gesundheitsbüros in der nahen Stadt Sfax. Demnach wurden mindestens 75 Menschen gerettet.

Symbolbild
Symbolbild - Foto: © APA/AFP

Lokale Medien hatten berichtet, auf dem Boot hätten sich 120 Migranten befunden. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) bestätigte, zehn Leichen seien vor der tunesischen Küste geborgen worden, mutmaßlich um die 36 Menschen würden vermisst.

Viele verloren hier schon ihr Leben

In der schmalen Passage zwischen der Türkei und den ägäischen Inseln waren 2015 und 2016 mehrere hundert Migranten ertrunken, darunter viele Kinder. Viele von ihnen flohen vor dem Gewaltkonflikt in Syrien. Im Zuge des von Menschenrechtsgruppen kritisierten Flüchtlingsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Türkei war die Route im März 2016 praktisch geschlossen worden.

Der Flüchtlingspakt sieht vor, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommen. Im Gegenzug sagte die EU finanzielle Unterstützung bei der Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei und Entgegenkommen bei der Visa-Liberalisierung und den EU-Beitrittsgesprächen zu. Der Deal führte zu einem deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen auf den griechischen Inseln. Gleichzeitig sitzen dort tausende Migranten über Monate unter oft schwierigsten Bedingungen in Lagern fest.

Zahl der Flüchtlinge steigt wieder an

In jüngster Zeit steigt die Zahl der Flüchtlinge über die Mittelmeerroute von der Türkei nach Griechenland wieder an. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) waren es seit Jahresbeginn bis zum 30. Mai fast 11.000 Menschen. 35 Menschen starben demnach auf der Überfahrt. Außer Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea, Irak und Afghanistan nutzten nach dem gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 auch türkische Bürger die Route.

apa/dpa/ag.

stol