Sonntag, 29. März 2015

Frankreich: Hollande bricht die Basis weg

Die Einwohner von Seyne-les-Alpes haben derzeit andere Sorgen als Wahlen. Auch im Rest des Landes war die zweite Runde der Entscheidungen in den Departements vom Airbus-Absturz überlagert.

Er hat zurzeit wenig zu lachen: Francois Hollande
Er hat zurzeit wenig zu lachen: Francois Hollande - Foto: © APA/EPA

Teils wurde der Wahlkampf zwischen erster und zweiter Runde ausgesetzt. Der Todesflug hat für viele das Horrorgefühl der Pariser Terroranschläge zurückgeholt und politisches Alltagsgezänk in den Hintergrund gedrängt. Gewählt wurde dennoch, auch in Seyne-les-Alpes.

Mitten in diesem Ausnahmezustand waren 1.195 Wählerinnen und Wähler in Seyne am Sonntag aufgefordert, die neue Zusammensetzung im Departement zu bestimmen. Landesweit wurden Parlamente gewählt für die rund 100 regionalen Verwaltungseinheiten. Die Departements haben im von Paris aus zentralistisch organisierten Frankreich zwar wenige Kompetenzen. Aber die Wahl galt auch als Stimmungstest für das Land.

Geringe Wahlbeteiligung

Eine wichtiger Indikator schien sich auch am Sonntag bereits früh wieder abzuzeichnen: Die Leute gehen nicht zur Wahl. In der ersten Runde eine Woche zuvor hatte es nur jeder zweite in die Wahllokale geschafft. Am Sonntag lag die Beteiligung bis zu Mittag noch unter dem Vergleichswert von sieben Tages zuvor. 

Landesweit sind die Sozialisten des wegen Krise, Schulden und Arbeitslosigkeit unbeliebten Präsidenten Francois Hollande (60) inzwischen auf Platz drei abgerutscht. Nach der Schlappe bei den Kommunalwahlen im März 2014 und der EU-Entscheidung zwei Monate später bricht der Linken die Basis in der Fläche weg. Im Wahlkampf überließ Hollande seinem etwas weniger unbeliebten Premierminister Manuel Valls (52) die Vorkämpferrolle.

Sarkozy meldet sich zurück

Den Frust über schlechte Wirtschaftszahlen und unbeliebte Regierung hat ein alter Bekannter für sein Comeback genutzt: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist zurück. Als Parteichef schaffte er mit der noch immer zerstrittenen konservativen UMP Wahlerfolge, zuletzt auch in den Departements.

Als Ziel des 60-Jährigen, 2012 gegen Hollande abgewählt, gilt eine Präsidentschaftskandidatur 2017. In der UMP hätte er dafür wohl eine Mehrheit, in landesweiten Umfragen liegt allerdings ein parteiinterner Kontrahent vorn: der frühere Premierminister Alain Juppe (69) hat seine Kandidatur bereits verkündet.

Front National dritte Macht im Land

Der aktuell dritte Machtblock im Land ist der rechtsextreme Front National. Die Partei von Marine Le Pen hat zuletzt eine ganze Serie von Wahlerfolgen eingefahren. Sich selbst bezeichnen die Rechtsextremen deswegen bereits als „erste Partei Frankreichs“. Le Pen hat ein Ziel vor Augen, das ihr und der Partei nach dem guten Abschneiden in weniger beachteten Parlamenten deutlich mehr Einfluss sichern würde: die Präsidentenwahl 2017 und die Macht im Elyseepalast.

apa/dpa

stol