Mittwoch, 22. November 2017

Frankreich will UN-Sitzung zu möglichem Sklavenhandel in Libyen

Nach Berichten über Sklavenhandel mit Flüchtlingen in Libyen hat Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates gefordert. Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte am Mittwoch vor der Pariser Nationalversammlung, Frankreich habe das Treffen als ständiges Mitglied in dem UN-Gremium beantragt.

Macron spricht von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. - Foto: APA (AFP)
Macron spricht von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. - Foto: APA (AFP)

Präsident Emmanuel Macron sprach von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in dem zerrütteten nordafrikanischen Land. Macron sagte, die internationale Gemeinschaft müsse „viel weiter gehen, um solche Netzwerke zu zerschlagen“. Er äußerte sich nach einem Treffen mit dem Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Guineas Präsident Alpha Condé.

Flüchtlinge als Landarbeiter verkauft

Der US-Fernsehsender CNN hatte vergangene Woche erstmals Bilder einer mutmaßlichen Sklavenauktion in Libyen veröffentlicht.

Dem Sender zufolge wurden bei den Auktionen afrikanische Flüchtlinge für mehrere hundert Dollar als Landarbeiter verkauft. Daraufhin äußerte sich auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres entsetzt über die Vorwürfe.

Libyen ist Transitland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Die meisten Menschen kommen aus Guinea, Senegal, Mali, Niger, Nigeria und Gambia.

Regierung kündigt Untersuchung an

Die libysche Regierung hat eine Untersuchung angekündigt. Die UNO beklagt schon seit längerem eine Misshandlung von Flüchtlingen in Internierungslagern in dem nordafrikanischen Land.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 kämpfen in Libyen rivalisierende Milizen um die Vorherrschaft.

Mogherini zeigt sich besorgt

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich über den jüngsten Medienbericht über Menschenhandel mit Migranten in Libyen „sehr besorgt“. „Die libysche Regierung muss die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen“, forderte Mogherini am Mittwoch in Brüssel nach einem Treffen mit dem Kommissionsvorsitzenden der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki Mahamat.

Die AU-Menschenrechtskommission wird diesbezüglich ebenfalls ermitteln, erklärte Mahamat am Mittwoch in Brüssel. Gleichzeitig betonte der AU-Vorsitzende aber auch, dass es derzeit „keine richtige Regierung in Libyen gibt“. Man habe überhaupt keinen Überblick über die dortige Situation, zeigte sich Mahamat besorgt. So wisse man nicht einmal, wie viele Migranten sich in dem Land an welchem Ort aufhalten.

Mogherini und Mahamat waren in Brüssel zusammenkommen, um den EU-Afrika-Gipfel am kommenden Mittwoch und Donnerstag in Abidjan in dem westafrikanischen Land Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) vorzubereiten. Mogherini betonte, das Hauptthema sei diesmal „Jugend“ und nicht „Migration“.

apa/afp

stol