Freitag, 28. Juni 2019

Frauen in der Südtiroler Gemeindepolitik

Buchvorstellung mit reger Vinschger Beteiligung an der EURAC Research

Das Autorenteam (v.l.): Josef Bernhart (EURAC und KVW Bezirk Vinschgau), Hermann Atz (Apollis) und Prof. Kurt Promberger (EURAC und Univ. Innsbruck)
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Das Autorenteam (v.l.): Josef Bernhart (EURAC und KVW Bezirk Vinschgau), Hermann Atz (Apollis) und Prof. Kurt Promberger (EURAC und Univ. Innsbruck)

Soziales, Familie, Jugend: Es sind vor allem diese Bereiche, in denen die Frauen in der Südtiroler Gemeindepolitik tätig sind. Der Frauenanteil in Südtirols Gemeinderäten und –ausschüssen hat in den vergangenen 20 Jahren stetig zugenommen, doch nun scheint er zu stagnieren. Welche Faktoren fördern bzw. hemmen das Engagement von Frauen in der Politik? Dieser Frage gingen Experten von Eurac Research und vom Institut für Sozialforschung und Demoskopie Apollis in einer Studie nach. Die Ergebnisse wurden nun in einem Buch veröffentlicht.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frauen in Führungspositionen“ präsentierten die Autoren die Publikation und diskutieren die Ergebnisse mit Gästen, darunter Landesrätin Waltraud Deeg und die Wirtschaftsexpertin Henrike von Platen, eine der Initiatorinnen des Equal Pay Day in Deutschland. Die Veranstaltung fand am 6. Juni um 20.00 Uhr im Forschungszentrum Eurac Research statt. Sie war eine Zusammenarbeit von Eurac Research, den Frauen im Katholischen Verband der Werkstätigen (KVW) und dem grenzüberschreitenden Gemeindenetzwerk GemNova.net Tirol-Südtirol.

Im Rahmen der Studie haben die Forscher alle 485 Frauen, die in der Südtiroler Gemeindepolitik tätig sind, eingeladen, ihren Standpunkt in einer Online-Befragung zu äußern. Rund zwei Drittel kamen der Aufforderung nach. Das Fazit: Der Großteil von ihnen beklagt die Schwierigkeit, Familie, Beruf und Ehrenamt mit der Politik zu vereinbaren und die Tatsache, dass sich die Zeiten für politische Tätigkeiten am typisch männlichen Lebensrhythmus orientieren. Einige von ihnen betonen, dass die übernommenen Ämter meist in Bereichen traditionell weiblicher Zuständigkeit liegen und alte Rollenbilder widerspiegeln. Insgesamt spricht sich rund ein Viertel tendenziell gegen die Frauenquote aus; der Anteil steigt sogar auf 34 Prozent bei den jüngeren Mandatarinnen. Als Grund gaben sie an, dass bei der Vergabe von politischen Ämtern die fachlichen Kompetenzen entscheidend sein sollten.

„Wir haben ein Profil der Frauen erstellt, die in der Südtiroler Gemeindepolitik aktiv sind: Sie sind zum Großteil abhängig erwerbstätig, gut 60 Prozent haben Kinder, zumeist unter 16 Jahren, oder eine pflegebedürftige Person im gleichen Haushalt und sind ehrenamtlich tätig“, so Josef Bernhart, Coautor und Experte für Public Management von Eurac Research.

Für die Zeit vor den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2020 planen Eurac Research und die Frauenorganisation des KVW Informationsveranstaltungen in der Peripherie.

Eurac Research, Bozen

stol