Montag, 30. Juli 2018

Frauen und Kinder von IS-Miliz in Syrien entführt

Bei den Angriffen auf Dörfer in der südsyrischen Provinz Sweida hat die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat” (IS) vergangene Woche laut Aktivisten 36 Frauen und Kinder verschleppt. Mindestens 20 Frauen und 16 Kinder der religiösen Minderheit der Drusen seien entführt worden, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit.

Auch die örtliche Nachrichtenseite Suwayda24 berichtete von der Entführung von 36 Zivilisten. Laut der Beobachtungsstelle gelang vier Frauen die Flucht, während eine erschossen und eine weitere vermutlich auf dem Marsch an Erschöpfung gestorben sei. Suwayda24 berichtete, alle Opfer stammten aus dem Dorf Shabke. Demnach wurde ihren Angehörigen ein Video zugeschickt, in dem eine Frau die Regierung zu Zugeständnissen aufruft, sonst würden die Geiseln getötet. Die IS-Miliz veröffentlichte zunächst nichts zu den Entführungen.

Bei einer Anschlagsserie Mittwoch früh hatten die Jihadisten in der Provinzhauptstadt Sweida und umliegenden Dörfern mehr als 250 Menschen getötet. Die Angriffe der sunnitischen Extremistengruppe richteten sich gegen die Regierungstruppen, doch wurden auch Dutzende Zivilisten getötet. Ein Großteil der Opfer waren Drusen, deren Religionsgemeinschaft aus dem schiitischen Islam hervorgegangen ist und die in Sweida die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Drusen werden vom sunnitischen IS als „Ungläubige” betrachtet.

Es waren die blutigsten Angriffe in der Provinz seit Beginn des Bürgerkriegs 2011. Die Drusen haben in dem Konflikt zumeist eine Haltung der Neutralität eingenommen, so dass ihre Siedlungsgebiete weitgehend von der Gewalt verschont geblieben sind. Mit den Anschlägen wollte die IS-Miliz womöglich den Druck von ihren Kampfgefährten in der Nachbarprovinz Daraa nehmen, die seit dem 19. Juli von der Armee bombardiert werden.

apa/dpa/ag.

stol