Dienstag, 03. März 2015

Frieden und Freiheit auf der Basis der Achtung von Menschenwürde

Gedenkansprache von Propst Chrysostomus Giner zum Andreas-Hofer-Gedenktag

Heldengedenken in Lüsen Foto: pd
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Heldengedenken in Lüsen Foto: pd

Der Andreas-Hofer-Gedenktag wurde in Lüsen auch heuer wie gewohnt festlich begangen. Musikkapelle, Schützenkompanie und Ehrengäste zogen gemeinsam vom Dorfplatz in die Pfarrkirche. Nach dem Gottesdienst erfolgte die Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal.

Den Festgottesdienst im Gedenken an alle Tiroler, die für unsere Heimat ihr Leben geopfert haben, hielt Pfarrer Alfred Kugler und wurde vom Männerchor mitgestaltet. Nach der Messfeier hielt Chrysostomus Giner, Altabt von Kloster Neustift, eine Ansprache zum Thema Frieden und Freiheit. Die Menschheit sehnt sich nach Frieden, betonte er, doch es gibt immer wieder Leute, die das Streben danach durch Ehrgeiz, Herrschsucht, Streit und Gleichgültigkeit gefährden. Untrennbar verbunden mit dem Frieden ist die Freiheit. Mit ihr übernehmen wir Pflichten, die das Zusammenleben regeln. Man könne sich nicht respektlos über Religion und Personen äußern und so die Freiheit missbrauchen, sagte er und erinnerte an die Ereignisse in Frankreich. Freiheit und Selbstbestimmung betreffen auch unsere Politik, Moral und Kultur und müssen respektiert werden. Man könne nicht alles wollen, was technisch möglich ist und Gewinn bringt. Unser Gesellschaftsleben kann nur dann funktionieren, wenn das Bewusstsein um die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes lebendig bleibt. Aber wo Gott nicht anerkannt wird, gehen auch Würde und Rechte der Mitmenschen verloren. Dies führt zur sozialen Frage im Wirtschaftsleben, wo wir von gerechten Löhnen, Preisen, Mieten und Handelsbeziehungen sprechen. Ein weiterer Grundwert ist die Solidarität, die uns befähigt, gemeinsam unsere Ziele zu erreichen. Die gilt vor allem im Bereich der Familie und der Gesellschaft. Solidarität verpflichtet auch, füreinander da zu sein und in der Not zu helfen. Frieden und Freiheit auf der Basis der Achtung der Menschenwürde, gelebter Gerechtigkeit und Solidarität erfordern unseren Einsatz. Abschließend zitierte der Referent Andreas Hofer, der sich für Glaube und Freiheit eingesetzt und einmal gesagt hat: „Als ich 1790 mit 23 Jahren für den Bauernstand vom Passeiertal und Vintschgau in den Tiroler Landtag gewählt wurde, verstand ich dort manche Städter und Aufklärer nicht, die mit Religion und Glauben, mit Heimat und Tradition oder Tiroler Grundrechten nicht viel anzufangen wussten.“

Während eine Bläsergruppe die Melodie zum Lied „Ich hatt` einen Kameraden“ spielte, begab sich eine Abordnung der Schützen und Gemeindeverwaltung zur Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in den Friedhof. Mit einem Gebet für alle Opfer von Krieg und Gewalt wurde der Gottesdienst beendet. Nach dem feierlichen Auszug aus der Kirche spielte die Musikkapelle auf dem Dorfplatz die Landeshymne. Die Schützenkompanie feuerte zu Ehren der Gefallenen eine Ehrensalve ab.

stol