Die Wurzel der Radikalisierung liege in der Region im Nahen und Mittleren Osten. Dort herrsche seit mehr als tausend Jahren Unfrieden, Unterdrückung und Gewalt. Das habe die Menschen geprägt – nun wendeten sie sich gegen die westliche Welt, von der sie sich benachteiligt fühlten.Wie sehr das schon Kinder beschäftige, zeige eine Umfrage unter kleinen Palästinensern: 37 Prozent wollten gern Selbstmordattentäter werden – wie hierzulande Kinder Pilot oder Feuerwehrmann.„Wenn man den Konflikt wirklich los werden will, muss man viel stärker Friedenspolitik im Nahen und Mittleren Osten durchsetzen.“ Er vermisse auch ein klares Bekenntnis der Muslime gegen die Gewalt. Sie müssten sich endlich klar positionieren. „Dazu müssten die islamischen Dachorganisationen, aber auch die Moscheen an jedem Ort sehr viel stärker nach vorne treten und Aufklärungsarbeit betreiben.“Auch muslimische Eltern seien gefragt. Oft freuen sie sich, wenn ihre Kinder Kopftuch tragen und den Koran lesen – ohne zu merken, dass sie auf dem Weg der Radikalisierung sind, meint der Traumatologe.Kizilhan leitet ein Hilfsprogramm in Baden-Württemberg, in dem rund tausend vom IS entführte und schwerst traumatisierte Frauen und Kinder betreut werden.apa/dpa