Etwas ganz Besonderes ist die Fußball-EM der Frauen 2022 in England für Leah Williamson. Die 25-Jährige ist seit April 2022 Spielführerin der englischen Fußballnationalmannschaft der Frauen, die Heim-EM ist ihr erstes großes Turnier als Kapitänin. Die Frau aus der Großstadt Milton Keynes rund 80 Kilometer nordwestlich von London spielt seit dem Alter von 9 Jahren für den Arsenal Women FC. Passend, denn sie ist seit jeher glühende Arsenal-Anhängerin. Das mag in der Familie zwischendurch immer mal wieder zu Spannungen geführt haben, denn Vater und Bruder sollen Fans des Londoner Konkurrenz-Clubs Tottenham Hotspur sein. <BR /><BR />Ihren ersten Kontakt zum Fußball hatte die damals 6-Jährige im Sportunterricht, darauf schrieb ihre Mutter sie in einer Jungenmannschaft ein. Als einziges Mädchen in der Mannschaft entwickelte sie nach eigenen Angaben die mentale Stärke, die sie in den vergangenen Jahren wiederholt auf dem Platz unter Beweis stellte. „Meine Mutter zwang mich, einen Zahnschutz zu tragen, denn jeder wollte mich verprügeln, aber das hat mich nicht abgeschreckt“, sagte die Mittelfeldspielerin dem englischen Fußballverband FA. <BR /><BR />„Ich wusste, dass sich einige Leute am Spielfeldrand darüber ärgerten, dass ein Mädchen die beste Spielerin auf dem Platz war, aber für mich war es besser, das Spiel zu gewinnen, als ihre Aggressivität auszugleichen.“ Und sie ließ, wie sie sagt, „einfach den Fußball für sich sprechen“ – damals und bis heute. Eines blieb Leah Williamson bei ihrer Heim-EM jedoch verwehrt: ein Spiel in ihrer Heimatstadt Milton Keynes.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="792659_image" /></div> <BR /><BR />Die Deutsche Alexandra Popp (30) kennt das Gefühl, ihr Team bei einem großen Turnier als Spielführerin auf den Platz zu führen, von der WM 2019. „Es ist eine riesige Ehre, diese Mannschaft als Spielführerin anzuführen. Mir ist auch klar, welch große Verantwortung damit einhergeht, aber der stelle ich mich gerne. Ich werde so, wie ich es immer versucht habe, alles für das Team tun und vorneweg gehen“, wird die Stürmerin dazu von der „Gala“ zitiert. <BR /><BR />Wie die Engländerin Williamson kickte auch Alexandra Popp in ihrer Kindheit und Jugend bei den Jungen mit. Sie besuchte eine Fußball-Eliteschule des DFB (Deutscher Fußball-Bund), wo sie das einzige Mädchen in der Klasse war. Danach entwickelte sich die Frau aus dem nordrhein-westfälischen Witten zur einer der herausragendsten Fußballerinnen Deutschlands. <BR /><BR />Auch karitativ machte die gelernte Tierpflegerin von sich hören, beispielsweise engagierte sie sich mit der Organisation „We Kick Corona“ ihrer Kollegen Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Und auch wenn bekannt ist, dass Popp glücklich vergeben ist – einigen Medienberichten zufolge küsst sie nach Spielen öfter einen Mann namens Patrick –, hält sie ihr Privatleben bislang mit Erfolg von der Öffentlichkeit fern.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="792662_image" /></div> <BR /><BR />Unmengen an Erfahrung bringt die schwedische Spielführerin Caroline Seger (37) mit. „Ich fühle mich immer noch sehr gut, bin hoch motiviert und liebe es, in dieser schwedischen Mannschaft zu spielen“, sagte sie im Mai FIFA+. Die Mittelfeldspielerin, die seit 17 Jahren in der Nationalmannschaft spielt, stand bereits bei Clubs in Schweden, Frankreich und in den USA unter Vertrag. <BR /><BR />Was in ihrer Laufbahn fehlt, ist ein großer Titel mit der Nationalmannschaft. Im vergangenen Jahr war Schweden bei Olympia kurz davor, scheiterte aber im Elfmeterschießen. Auch Seger verschoss. Darauf angesprochen, sagte sie: „Ich denke, dass es wichtig ist, sich als Sportler und Mensch allem zu stellen, was auf einen zukommt. Ich hatte das Gefühl, dass ich jungen Mädchen - und Jungen - zeigen kann, dass man kein Superheld sein muss, dass man manchmal danebenschießt, aber dass man dann einfach wieder aufstehen muss.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="792665_image" /></div> <BR /><BR />Steinig war der Weg zur Profi-Fußballerin für die französische Kapitänin Wendie Renard. Die 32-Jährige wuchs im Übersee-Departement Martinique auf. Ihr Vater starb, als sie 8 Jahre alt war. Schon früh spielte sie mit Jungs Fußball, doch der Wechsel von der Karibikinsel nach Kontinental-Frankreich war alles andere als einfach. <BR /><BR />Mit 14 erhielt sie eine Absage von der berühmten Fußballakademie in Clairefontaine. 2 Jahre später spielte sie bereits für Seriensieger Olympique Lyon in der ersten Liga. Renard wurde zur Führungsspielerin, gewann Titel en masse und ist heute das Gesicht des Klubs. Und mehr noch, die „Kontrollturm“ genannte Abwehrchefin soll die französische Nationalmannschaft der Frauen zum ersten großen Titel führen. <BR /><BR />Auch abseits des Fußballfelds nimmt Wendie Renard eine wichtige Rolle ein, indem sie die Stimme im Kampf gegen den Rassismus erhebt, den sie selbst oft genug auf dem Platz und im Alltag erleben muss. So engagiert sie sich beispielsweise in einer UEFA-Kampagne in den sozialen Medien gegen Diskriminierung und Gewalt. „Eine Beleidigung ist eine Beleidigung, egal ob in den sozialen Medien oder im Alltag. Wenn jemand etwas Schlechtes sagt, kann man sich nicht vorstellen, was das anrichten kann“, wird Renard in der „Frankfurter Rundschau“ zitiert.<BR /><BR /><BR />Heute und morgen steigen die Halbfinalspiele der Fußball-EM der Frauen, am kommenden Sonntag wird eine der 4 Frauen die begehrte Trophäe in London entgegennehmen dürfen. Denn das Finale dürfen die Damen im altehrwürdigen Londoner Wembley-Stadion austragen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Spielen der Veranstaltung: Die Auswahl der Stadien war eher zweitklassig, bis auf das Eröffnungsspiel im Old Trafford von Manchester United. Auch hier wurde einmal mehr der große Unterschied zu den Fußball-Großveranstaltungen der Männer ersichtlich.<BR />