Ihre Augen: strahlend vor Lebenskraft. Ihre Geschichte: mitreißend und vorbildlich. Ihr Schicksal: ergreifend. Brunhilde Schölzhorn, Gastwirtin mit Leib und Seele, ist seit 9 Jahren im Rollstuhl unterwegs, ist nach einem Schlaganfall im Rückenmark querschnittsgelähmt. In ihrem Rolli nahm sie nun im Rahmen der Exklusivveranstaltung „Nur für SIE!“ auf Schloss Hotel Korb in Missian die Auszeichnung „Pionierin des Jahres 2023“ entgegen.<BR /><BR /> Ob sie von ihrem Schicksal erzählen möchte? „Es fiel mir lange Zeit schwer, darüber sprechen. Doch heute kann ich es“, versichert sie. Es geschah 2014, Brunhilde bewirtschaftete mit ihrem Mann Sepp die Rinneralm auf 1892 Metern Meereshöhe. Es war früh am Morgen, sie kam gerade von der Stallarbeit, als sie zunächst die Zehen nicht mehr spürte. Dann folgten die Waden, innerhalb einer Stunde beide Beine. Obwohl sie schnell ins Brixner Krankenhaus gebracht wurde, konnten die Ärzte nichts für sie tun. „Zunächst hatte ich die trügerische Zuversicht, eine Operation würde mich heilen. Dass nur ein ,Nerv eingeklemmt‘ war.“<h3> Auf die Zuversicht folgte Verzweiflung</h3> Die Ärzte verneinten, und nach der Zuversicht kam die Verzweiflung. „Schwierige Jahre, in denen ich mit meinem Schicksal gehadert habe, folgten“, schildert Brunhilde. „Ich hatte nach all der Arbeit im Gastgewerbe vieles nachholen wollen, für das ich zuvor nie Zeit hatte. In diesem Tal hat mich die Liebe und Hilfsbereitschaft meiner Familie aufgefangen. Heute bin ich froh, meine Hände, meinen Oberkörper und meinen Kopf bewegen zu können. Ich erledige selbstständig den Haushalt, habe den Führerschein neu gemacht, fahre ein behindertengerechtes Auto. Und ich habe Zeit für meine Enkelkinder. Zeit, die ich sonst wohl nicht gehabt hätte. Ich habe das Beste daraus gemacht, mein Leben wieder im Griff. Ich will nicht jammern.“<BR /><BR />Nein, Jammern passt so gar nicht zum Lebensplan der Wirtschaftspionierin. Brunhilde Rainer, 1952 geboren, wuchs auf dem Untergerstgrashof in Kurzras auf. Eine schöne, aber harte Kindheit auf einem Schnalser Bergbauernhof auf 1800 Metern Meereshöhe. Sie war das dritte von 9 Kindern und entdeckte schon früh ihre Leidenschaft fürs Kochen. Es war ein Chefkoch in einem Schnalstaler Hotel, in dem die junge Frau arbeitete, der Brunhilde ermutigte, die Hotelfachschule in Meran zu besuchen. „Dort erlernte ich das Handwerk für meinen Traumberuf“, erzählt die passionierte Köchin. Später arbeitete sie in mehreren Hotels in Schenna.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956890_image" /></div> <BR /><BR />Mit 21 Jahren lernte Brunhilde ihren späteren Ehemann Sepp Schölzhorn kennen, 1974 wurde geheiratet, und das Paar zog auf Sepps Hof, den Larchhof in Innerratschings. Dieser war zwar ein Bauernhof wie viele im Tal, hatte aber als erster einige Fremdenzimmer. <BR /><BR />Schwiegervater Vinzenz war ein Visionär: Auf seine Initiative war 1972 die Liftgesellschaft Innerratschings-Jaufen GmbH entstanden. Knapp 2 Jahre später, am 19. Jänner 1974, eröffneten die ersten beiden Lifte. Vinzenz glaubte an das touristische Potential des Tals. In Brunhilde hatte er nun eine Verbündete gefunden, die seine Ideen teilte. Die gelernte Köchin kümmerte sich fortan um die Gäste und das Restaurant. <BR /><BR />Zunächst hatte der Larchhof nur 25 Betten, doch der Betrieb wuchs ständig und schnell. Schwiegervater Vinzenz und später Sepp haben das Hotel und den dazugehörigen Hof Stück für Stück erweitert.<BR /><BR /> Parallel dazu gewann auch das Ski- und Wandergebiet touristisch immer mehr an Aufmerksamkeit, und mehrere Hotels wurden eröffnet. „Ich hatte damals viel Arbeit, war 16 bis 17 Stunden auf den Beinen, hatte keine freien Tage…“, so Brunhilde. Und wenn alle in ihren Betten schlummerten – und „alle“ waren nicht nur die Gäste, sondern auch die 4 Kinder des Gastgeberpaares, Brigitte (heute 49), Walter (47), Fini (45) und Karin (42) – backte Brunhilde noch Strudel für den kommenden Tag oder bügelte die Hotelwäsche.<BR /><BR /> „Egal, der Betrieb hat mir unheimlich viel Spaß gemacht.“ Später übernahm Brunhilde auch noch die Pflege ihrer Schwiegereltern Vinzenz und Zita, und ab 1990 kochte sie mittags auf der Rinneralm. Jede Minute des Tages war verplant.<h3> Auch mit Rolli noch mitten im Leben</h3>Sohn Walter trat in die Fußstapfen der Mutter und erlernte ebenfalls den Kochberuf. 2006 übernahm er das Hotel Larchhof, das nunmehr über 60 Betten verfügt. Brunhilde und Sepp kümmerten sich um die Alm. Bis zum Schicksalstag im Jahr 2014.<BR /><BR /> Heute, 9 Jahre später, hat sich Brunhilde wieder ins Leben zurückgekämpft. Und obwohl sie im Rollstuhl sitzt, geht sie immer noch bei der Hotelwäsche und in der Küche zur Hand. <h3>„Diese Auszeichnung macht mich glücklich“</h3>„Brunhilde Schölzhorn ist eine Frau, die uns zeigt, wie man es im Leben trotzdem schafft“, brachte es Helene Benedikter, Vorsitzende der Vereinigung Südtiroler Gastwirtinnen, beim Event auf Schloss Korb in ihrer Laudatio auf den Punkt. „Brunhilde ist eine Gastwirtin mit Leib und Seele, sie hat den Laden sozusagen geschmissen, nicht zuletzt, da ihr Mann sich um den Bauernhof kümmerte.“ Gemeinsam mit ihren Ausschuss-Kolleginnen Marlene Waldner, Evelyn Rainer und Adele Erika Huber überreichte Benedikter Brunhilde bei der Exklusivveranstaltung unter dem Motto „Nur für SIE!“ die Auszeichnung „Pionierin des Jahres 2023“. HGV-Präsident Manfred Pinzger und der Landtagsabgeordnete Helmut Tauber gratulierten. <BR /> „Diese Auszeichnung macht mich glücklich und ehrt mich sehr“, freute sich die Pionierin 2023, die von ihrer ganzen Familie begleitet wurde, über die Auszeichnung.