Sonntag, 17. April 2016

Gauck: Genscher war ein "Glück für unser Land"

Bundespräsident Joachim Gauck hat den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher als einen „deutschen Patrioten und überzeugten Europäer“ gewürdigt. Er sei ein „Glück für unser Land“ gewesen, sagte Gauck am Sonntag in seiner Rede zu Beginn des Staatsaktes für den verstorbenen FDP-Politiker in Bonn.

Bundespräsident Joachim Gauck veneigt sich vor dem Sarg des "ewigen Außenministers" Hans-Dietrich Genscher.
Bundespräsident Joachim Gauck veneigt sich vor dem Sarg des "ewigen Außenministers" Hans-Dietrich Genscher. - Foto: © APA/AFP

Genscher habe sich um die Bundesrepublik Deutschland „in herausragender Weise verdient gemacht“.

„Wir alle können uns ein Deutschland ohne Hans-Dietrich Genscher eigentlich nur schwer vorstellen“, meinte Gauck.

Als Soldat im letzten Aufgebot der Wehrmacht habe Genscher „nichts so sehr fürchten und hassen gelernt wie den Krieg“. Die Arbeit für den Frieden wie auch für die Freiheit sei deshalb zum Leitmotiv seiner politischen Arbeit geworden. Ebenso leidenschaftlich wie für die deutsche Einheit habe sich Genscher für die Einheit Europas eingesetzt, sagte Gauck weiter.

Bis zuletzt habe er dafür geworben, „das in Europa so glücklich und friedlich Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen“.

Seltener Staatsakt für einen außergewöhnlichen Minister 

Den Staatsakt hatte Bundespräsident Joachim Gauck angeordnet, um die besonderen Verdienste des ehemaligen Politikers zu würdigen. Es ist dies eine seltene Ehre für einen Minister. Neben Gauck sprechen unter anderem Genschers Nachfolger als Außenminister, Klaus Kinkel, sowie der frühere US-Außenminister James Baker.

Der Name von Hans-Dietrich Genscher bleibt für viele Deutsche wohl auch über seinen Tod hinaus untrennbar mit dem Amt des Außenministers verbunden. Foto: apa/afp

Hans-Dietrich Genscher war von 1969 bis 1974 Innenminister und anschließend bis 1992 Außenminister. Er gilt als einer der Architekten der deutschen Einheit. Der „ewige Außenminister“ – wie man ihn nannte – wurde 1927 in Reideburg geboren, das seit 1950 zu Halle gehört. Begraben wird Genscher, der am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben war, in seinem Wohnort Wachtberg bei Bonn. Die Beisetzung ist jedoch nicht mehr Teil des Staatsaktes, sondern privat.

dpa 

stol