Samstag, 2. April 2022

„Geniale“ Selbstzerstörung

„Sie alle waren geniale Künstler, die mit ihrer Musik unzählige Menschen begeistert, inspiriert und motiviert haben. Sie alle hatten einen Hang zur Selbstzerstörung und haben ihr Leben viel zu früh beendet.“ Ein Kommentar von Philipp Trojer.

Mit den Foo Fighters hat Taylor Hawkins Musikgeschichte geschrieben. Sein Tod hat Musikfans auf der ganzen Welt erschüttert. - Foto: © APA/getty / ETHAN MILLER

Von:
Philipp Trojer
Mein Magen krampft sich zusammen, als am vergangenen Samstagmorgen mehrere WhatsApp-Nachrichten von Freunden auf meinem Smartphone aufscheinen: „Hast du schon gehört? Taylor Hawkins ist gestorben!“ Ungläubig öffne ich sofort eine Nachrichtenseite – und tatsächlich: „Foo Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins tot in Hotelzimmer aufgefunden“. Mich überkommt eine tiefe Traurigkeit.

„Wie konnte das passieren? Die Foo Fighters hatten doch gerade ihre Welttournee in Südamerika gestartet. Erst vor 2 Tagen habe ich mir Tickets gekauft, um meine Lieblingsband diesen Sommer endlich live zu erleben. Es gab keine Anzeichen dafür, dass Taylor irgendwelche gesundheitlichen Probleme hatte…“, sind meine ersten Gedanken. Die Todesursache sei unbekannt, aber mich beschleicht eine düstere Vorahnung.

Obwohl ich Taylor Hawkins in meinem Leben nie gesehen habe, fühlt es sich so an, als hätte ich gerade vom Tod eines Menschen erfahren, den ich gut gekannt habe. Und dieses Gefühl teile ich mit Millionen Musikfans rund um den Globus. Hawkins hatte einen Beruf, um den ihn viele beneidet haben. Er war einer der besten Drummer der Welt, hat mit den Foo Fighters Musikgeschichte geschrieben und galt als „ein Sonnenschein“ im Musikbusiness: stets lässig, sympathisch und mit einem Lachen auf den Lippen. Eine ganze Generation von Rockfans ist zu seinem Beat groß geworden. Er selbst wurde gerade einmal 50 Jahre alt.

Am Sonntag bestätigt sich meine Vermutung: „10 verschiedene Substanzen wurden im Körper von Taylor Hawkins nachgewiesen“ - darunter Spuren von THC, trizyklischen Antidepressiva, Benzodiazepinen und Opioiden. Damit reiht sich der Schlagzeuger ein in eine lange Liste tragischer Helden ein: Kurt Cobain (Nirvana), Chester Bennington (Linkin Park), Amy Winehouse, Chris Cornell (Soundgarden), Bon Scott (AC/DC), Sid Vicous (Sex Pistols), Whitney Houston, Jimi Hendrix – man könnte die Aufzählung noch sehr lange fortführen.

Sie alle waren geniale Künstler, die mit ihrer Musik unzählige Menschen begeistert, inspiriert und motiviert haben. Sie alle hatten einen Hang zur Selbstzerstörung und haben ihr Leben viel zu früh beendet: Eine Rolle dabei spielten stets Drogen, Depressionen - oder beides. Ein Leben im Rampenlicht mit hundertprozentigem Einsatz für die eigene Passion - ein Leben mit dunklen Schatten. Was bleibt ist die Frage „Warum konnte euch nicht geholfen werden?“ - und tieftraurige Fans, so wie ich es einer bin.

pho

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