Impfkritische Webseiten stürzten sich auf die Ergebnisse der Publikation. Können diese Daten stimmen? Hier ist der Faktencheck des Teams der Presseagentur APA!<BR /><BR /><BR /> Das jordanische Papier mit dem Namen „Evaluation of the effects of MERCK, MODERNA, PFIZER/BioNTech, and JANSSEN COVID-19 vaccines on vaccinated people: A metadata analysis“ wurde im niederländischen Wissenschaftsverlag Elsevier veröffentlicht und über dessen Website sciencedirect.com ausgespielt. Verfasst haben es Nadia Al-Rousan von der German Jordanian University und Hazem Al-Najjar von der Universität von Petra, beide in Amman. <BR /><BR /><BR />Auffällig daran ist, dass beide Forschenden nicht Medizin studiert haben, sondern ausgewiesene IT-Experten sind. Sowohl Al-Rousan als auch Al-Najjar haben ihre Doktortitel an einer malaysischen Universität erlangt. Ihre Expertise auf medizinischem Gebiet beschränkt sich auf die Auswertung und Aufarbeitung von Daten. <h3> Experten: „Äußerst unseriös“</h3><BR />Experten in der Einschätzung medizinischer Zusammenhänge sind die Faktenchecker von „Medizin-transparent““ der Donau-Universität in Krems, die das vorliegende Papier in Kooperation mit APA-Faktencheck unter die Lupe genommen haben. Ihr Fazit: Die Studie weise „grobe Fehler bei der Berechnung“ der Daten auf, die Ergebnisse seien „verwirrend und widersprüchlich“ und „äußerst unseriös“.<BR /><BR /> So wurden etwa auch Daten zu einem angeblichen Covid-Impfstoff der Firma Merck erhoben – ein solcher wurde jedoch nie zugelassen. Von APA-Faktencheck mit dieser Einschätzung konfrontiert, antwortete Studienautorin Al-Rousan, Merck hätte sich trotz fehlender Zulassung an der frühen Entwicklung von Impfstoffen beteiligt. Das rechtfertige demnach die Aufnahme in die Studie. Die verwendeten Merck-Daten stammen allerdings laut einer Überprüfung durch „Medizin-transparent“ von Impfstoffen gegen andere Krankheiten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1085742_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Zusätzlich verwies Al-Rousan darauf, dass die Daten aus ihrer Analyse aus einem sehr frühen Stadium der Pandemie stammten, als auch die Impfstoffe noch neu waren. Die Studienautoren seien daher der festen Überzeugung, die errechnete Sterblichkeitsrate von knapp 3 Prozent sei “akzeptabel“. Mit den Ergebnissen ihrer Berechnungen wolle Al-Rousan das Bewusstsein der Öffentlichkeit “in Bezug auf lebenswichtige Fragen“ erhöhen. <BR /><BR /> Die in ihrem Paper errechneten Daten zu Impffolgen weichen stark von den offiziell kommunizierten Werten, etwa aus Österreich, ab. „Medizin-transparent“ verweist dazu auf eine groß angelegte Übersichtsstudie, derzufolge 0,04 Prozent der Geimpften (und damit weniger als in einer parallel ausgewerteten Placebo-Gruppe) 2 bis 6 Monate nach, aber nicht an der Impfung verstarben.<h3> Eine wackelige Datenbasis</h3> Dass die in Amman errechneten Zahlen viel höher sind, liegt vor allem an der verwendeten Datenquelle: VAERS. Das US-amerikanische „Vaccine Adverse Event Reporting System“ ermöglicht allen Bürgern die Meldung von Impfnebenwirkungen. <BR /><BR />Viele Falschbehauptungen rund um Impfungen basieren auf den Daten aus VAERS. In der Datenbank finden sich allerdings nur gemeldete „Folgeschäden“ (von „Weinen“ bis zum Tod), keine bestätigten. APA-Faktencheck hat bereits mehrere Falschbehauptungen, die auf VAERS-Daten als scheinbar gesicherter Quelle beruhen, überführt. <BR /><BR /><BR />Das Fazit des Faktenchecks durch die APA ist: Die Grundlage für die Datenanalyse sind Zahlen aus der US-amerikanischen VAERS-Datenbank, über die jede vermutete Impfnebenwirkung eingetragen werden kann. Zudem greifen die Autoren beim Hersteller Merck auf Daten zu Arzneimitteln zurück, die nichts mit Covid-19 zu tun haben. Die Zahlen aus dem Papier sind daher nicht belastbar, die Schlussfolgerungen als unseriös einzustufen.