Das Präparat gegen Asthma kann Covid-19-Erkrankungen abmildern, hat aber auch seine Grenzen. <BR /><BR /><BR /><i>Interview: Michael Eschgfäller</i><BR /><BR /><BR /><b>Herr Prof. Gänsbacher, Asthma und Corona passen doch gar nicht zusammen?</b><BR />Prof. Bernd Gänsbacher: Davon sind die Wissenschaftler an der Universität von Oxford ausgegangen und haben sich die gesamten Daten vom Vorjahr angeschaut. Eigentlich müsste man ja davon ausgehen, dass Patienten mit Asthma oder schweren Lungenkrankheiten mehr von Corona betroffen wären. Das Gegenteil war der Fall. Asthmatiker waren unter den Corona-Patienten eindeutig unterrepräsentiert.<BR /><BR /><b>Das heißt, man wusste bereits im Vorjahr von der Wirkung des Asthmasprays?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Am 16. Juli 2020 wurde mit der Studie begonnen. Die Ausgangshypothese war die Beobachtung, dass bei den Intensivpatienten die Verabreichung des Mittels Dexamethason die Mortalitätsrate um 30 Prozent verringert. Darauf aufbauend wurde die These erstellt, dass ja viele Asthmapatienten einen Spray benutzen, der Korticosteroide enthält. In der Folge wurde dann bis Dezember eine randomisierte Studie durchgeführt. <BR /><BR /><b>Was bedeutet randomisiert?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Es handelt sich um eine Studie, bei der die eine Hälfte der Probanden 2 Mal täglich mit Asthmaspray mit dem Wirkstoff Budesonid behandelt wurde, die andere Hälfte auf herkömmliche Weise. Für die Studie herangezogen wurden 146 mit PCR-Test positiv Getestete, die nicht ins Krankenhaus mussten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-48637962_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und was wollten die Wissenschaftler herausfinden?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Man wollte 3 Dinge klären: Den Einfluss auf die Zahl der Hospitalisierung durch die Verabreichung von Budesonid, eine mögliche Reduktion von Symptomen und eine Reduzierung der Virenlast. Alle 3 Punkte sind eingetreten. <BR /><BR /><b>Nämlich?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Die Zahl der Patienten, die ins Krankenhaus oder auch nur in die Notaufnahme mussten, war in jener Gruppe, die mit Budesonid behandelt wurde, deutlich niedriger als in der mit herkömmlicher Behandlung. Die Symptome währten weniger lang als bei den Probanden der anderen Gruppe. Die Viruslast war in beiden Gruppen beinahe gleich hoch. Man hat herausgefunden, dass das Medikament die ACE2 Rezeptoranzahl im Nasen-Rachen-Raum reduziert, die Virusvermehrung vermindert und auch antientzündlich wirkt. <BR /><BR /><b>Wirkt der Spray bei allen Corona-Infizierten?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Nein, Budesonid wirkt nur bei geringer Virenlast und auch nur in den ersten 7 Tagen nach einem positiven Test. Dennoch haben die Ärzte jetzt ein Mittel mehr im Schrank für Patienten, die keine oder nur leichte Symptome haben. Aber Wundermittel ist es keines. Patienten mit einer hohen Virenlast, sprich einem Ct-Wert unter 20, haben auch weiterhin ein hohes Risiko im Krankenhaus zu landen. Daran wird auch eine Behandlung mit Budesonid nicht viel verändern. <BR /><BR /><embed id="dtext86-48637967_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Das Mittel schützt aber vor schweren Erkrankungen?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Es gibt keinerlei Garantie – vor allem nicht bei Patienten, die eine hohe Virenlast haben. Alles wegzaubern, das Virus blockieren, geht mit einem Medikament eben nicht. Da hilft einzig und allein die Impfung, die das Corona-Virus direkt angreift. <BR /><BR /><b>Und wie sieht es sonst an der Medikamentenfront gegen Corona aus?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Eingesetzt wird zum einen Remdesivir, das bekanntlich das Virus direkt angreift und Virusreplikation verlangsamt. Das derzeit beste ist aber die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern. Verabreicht man die innerhalb der ersten 5 Tage nach der Infektion, reduziert das die Hospitalisierungsrate um ganze 80 Prozent. Und wie schon gesagt, reduziert das Mittel Dexamethason die Sterblichkeit bei schwer kranken Corona-Infizierten. Aber noch einmal: Wirklich helfen kann nur die Impfung.