Die Statistiken der vergangenen Jahre zeigen: Burnout-Diagnosen werden immer häufiger. Als Arbeitspsychologe weiß Tobias Hölbling genau, wie wichtig es für Betroffene ist, sich früh genug Hilfe zu suchen. Nicht nur, um einen schweren Krankheitsverlauf zu vermeiden, sondern auch um einen baldigen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu schaffen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="738287_image" /></div> <BR />„Burnout – übersetzt bedeutet das Ausbrennen – ist ein Oberbegriff für bestimmte Typen persönlicher Krisen. Ein Burnout überlappt sich auch teilweise mit Depressionen, weshalb die diagnostische Abklärung nicht einfach ist“, erklärt der Experte. <BR /><BR />Zu den Kernsymptomen des Krankheitsbildes gehören „die Überlastung auf der Arbeit und eine dadurch entstehende emotionale Erschöpfung. Dann die Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung – es erscheint einem, als würde man nie genug tun und als müsse man immer noch besser sein. Daraus resultiert ein Überdruss von der Arbeit, der sich auch im Privatleben zeigt. Die Betroffenen haben oft zu nichts mehr Lust oder Kraft.“ <BR />Typisch für Burnout-Betroffene sei auch, dass sie es an freien Tagen oder Wochen nicht mehr schaffen, sich zu erholen. Zu diesen psychischen Symptomen gesellen sich auch körperliche wie etwa Schlafstörungen, Kopf- und Gliederschmerzen, Atembeschwerden und eine ausgeprägte Kraftlosigkeit. <h3> Woher kommt Burnout?</h3>Aber woher kommt das Krankheitsbild Burnout überhaupt? Tobias Hölbling erklärt: „Ausgangspunkt ist eine chronische beziehungsweise dauerhafte Fehlbelastung. Burnouts betreffen häufig Menschen, die perfektionistisch sind und für ihren Beruf brennen, dann aber enttäuscht werden, weil nicht alles so klappt, wie sie es sich wünschen. Manche Menschen sind hingegen von ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur her für gewisse Arbeiten weniger geeignet als für andere. Nicht jeder ist gleich – zum Beispiel haben quirlige Menschen oft nicht die Geduld, endlos Zahlen zu berechnen. Oder für hochsensible Menschen kann es sehr anstrengend sein, täglich mit einer Vielzahl von Personen gleichzeitig in Kontakt treten zu müssen, weil sie Stimmungen äußerst genau wahrnehmen – genau dieser Wesenszug ist aber bei bestimmten Berufen in denen man nacheinander auf einzelne Menschen eingeht, ein großer Pluspunkt.“ <BR /><BR />Weil jeder Mensch verschieden ist, ist auch jeder für unterschiedliche Berufe geeignet. Findet sich jemand in einem Beruf wieder, der sich nicht mit den Persönlichkeitszügen oder Stärken desselben vereinbaren lässt, kann es schnell zu Unzufriedenheit und Überforderung kommen. <BR /><BR />„Natürlich muss ein Burnout nicht immer nur von der persönlichen Ebene aus kommen. Auch falsche oder schwierige Arbeitsbedingungen können in einem – auch für den Beruf gut geeigneten - Menschen ein Burnout auslösen. <h3> Der erste Schritt – die Diagnose</h3>„Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass die betroffenen Menschen nicht einfach versuchen durchzuhalten und immer weiter zu machen, bis es nicht mehr geht“, weist der Experte hin. Früh Hilfe suchen ist in Sachen Burnout das Um und Auf. Denn wer sich früh genug Hilfe sucht, der hilft nicht nur sich selbst, sondern auch dem Unternehmen, für das er arbeitet. Denn je früher die Maßnahmen eingeleitet werden, desto schneller kann sich der Betroffene auch erholen. „Es ist durchaus ein Unterschied, ob der Arbeitsausfall zwei Wochen oder vier Monate beträgt“, erklärt der Arbeitspsychologe. Deshalb rät er auch jedem Unternehmen in dieser Hinsicht seine Arbeitnehmer möglichst so zu unterstützen, dass im Falle eines Problems, ein Burnout früh genug diagnostiziert wird. <BR /><BR />Die Diagnose ist hier nämlich – wie bei so vielen Krankheitsbildern – ausschlaggebend. „Nur mit einer Diagnose kann der Betroffene auch krankgeschrieben werden. Diese Diagnose stellt ein Psychiater im Öffentlichen Dienst.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-52980401_quote" /><BR /><BR />Wohin sich also wenden, sollte jemand die genannten Symptome bei sich selbst bemerken? Tobias Hölbling erklärt: „Meist ist die erste Anlaufstelle für Betroffene der eigene Hausarzt. Andere Anlaufstellen in Südtirol sind die Zentren für psychische Gesundheit oder der psychologische Dienst. Über jede dieser Anlaufstellen gelangt der Patient schlussendlich zu einem Psychiater im Öffentlichen Dienst, der die Befugnis hat, die Diagnose zu stellen und die geeigneten Maßnahmen zu treffen.“<h3> Rückkehr in den Arbeitsalltag</h3>Auf die Frage, wie sich Burnout-Patienten nach der Regeneration wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern können, gibt es unterschiedliche Antworten. „Hier gibt es 3 verschiedene Optionen“, weiß Tobias Hölbling. „Entweder steuert man eine Veränderung auf der Verhaltensebene an, oder es muss eine Veränderung auf der Verhältnisebene geben.“ <BR /><BR />Damit sich eine Person wieder in den Arbeitsalltag einleben kann, muss bei einigen Patienten eine Veränderung auf der Verhaltensebene gefördert werden. „Bei Perfektionisten ist das beispielsweise der Fall.“ Dieses Ziel wird durch psychologische Hilfe und Betreuung während der Regeneration des Burnout-Betroffenen verfolgt. <BR /><BR />Doch manchmal braucht es auch eine Veränderung auf der Verhältnisebene, damit eine Person wieder einen gesunden Arbeitsalltag entwickeln kann. „Hier müssen von Seiten eines Betriebes andere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Das kann mehr Pausen, klarere Arbeitsanweisungen oder die Lösung von Konflikten am Arbeitsplatz bedeuten. <h3> Bewusstsein auf beiden Seiten</h3>Als dritte Alternative für einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben sieht der Arbeitspsychologe „die Möglichkeit, den aktuellen Job zu kündigen und einen neuen Job anzunehmen, in dem die betroffene Person besser hineinpasst.“ <BR /><BR />Für Tobias Hölbling ist die Sache klar: „Es braucht ein Bewusstsein gegenüber den Gefahren des Krankheitsbildes Burnout auf beiden Seiten – bei Arbeitnehmern sowie dem Arbeitgeber.“ Denn es kann nur im Sinne der gesamten Gesellschaft und Wirtschaft sein, dass die Fachkräfte der Gegenwart und Zukunft nicht frühzeitig „verbraucht und ausgebrannt“ sind, sondern über Jahre eine gute Arbeit leisten können, an der sie sich erfreuen. <BR />