Bei einer Allergie reagiert der Körper auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaub oder Lebensmittel – die sogenannten Allergene – als wären sie gefährliche Eindringlinge. Das Immunsystem schlägt Alarm, setzt Entzündungsstoffe frei – und verursacht Symptome, die von lästig bis lebensbedrohlich reichen können.<BR /><BR /><i><b>Bevor Sie weiterlesen, stimmen Sie ab:</b></i><BR /><BR /> <div class="embed-box"><div data-pinpoll-id="451664" data-version="v2"></div></div> <BR /><BR />„Allergien nehmen weltweit zu – und das hat viel mit unserer Umwelt und unserem Lebensstil zu tun“, erklärt Dr. Christian Thuile, Arzt für Allgemeinmedizin, Naturheilkunde und Komplementärmedizin im St. Josef Gesundheitszentrum Meran-Bozen. Der Klimawandel verlängert die Pollensaison, Luftverschmutzung macht Pollen aggressiver, moderne Lebensgewohnheiten beeinflussen das Immunsystem. Hochverarbeitete Ernährung, Bewegungsmangel und chronischer Stress gelten als zusätzliche Risikofaktoren. In diesem Zusammenhang muss auch ein gestörtes Mikrobiom, also eine aus dem Gleichgewicht geratene Bakterienwelt im Darm, als begünstigender Faktor für Allergien genannt werden.<h3> Der „Bauernhof-Effekt“</h3>Hinzu kommen medizinische und gesellschaftliche Einflüsse. Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden oder früh Antibiotika erhalten, haben ein erhöhtes Allergierisiko, weil wichtige Bakterien für die Reifung des Immunsystems fehlen können. Paradox erscheint der sogenannte „Bauernhof-Effekt“: Kinder, die in sehr sterilen Umgebungen mit wenig Keimkontakt aufwachsen, entwickeln häufiger Allergien. „Das Immunsystem braucht Reize, um richtig zu lernen“, erklärt Dr. Thuile. Kinder, die am Bauernhof mit Tieren, Erde und Stallluft groß werden, haben diese Reize reichlich.<BR /><BR />Auch die Gene spielen eine zentrale Rolle. Leiden beide Elternteile an Allergien, liegt das Erkrankungsrisiko für die Kinder bei 60 bis 80 Prozent. <BR /><BR />Generell gilt: Allergische Beschwerden sollten frühzeitig ernst genommen werden. Denn unbehandelte Allergien können sich ausweiten – aus Heuschnupfen kann Asthma entstehen, aus gelegentlichen Hautreaktionen chronische Ekzeme. „Außerdem beeinträchtigen sie Schlaf, Konzentration und Leistungsfähigkeit“, betont Dr. Thuile. Zudem verursachen sie über Arztbesuche, Medikamente sowie Arbeits- und Schulausfälle jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. „Eine rechtzeitige Abklärung bei den ersten Symptomen kann den Krankheitsverlauf deutlich mildern und die Lebensqualität langfristig verbessern.“ Oder bildlich gesagt: Ein Strohfeuer sollte man löschen, bevor es das ganze Haus erfasst.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73527847_quote" /><BR /><BR />„Die Anamnese ist das Fundament jeder allergologischen Abklärung“, betont Dr. David Wanner, ärztlicher Leiter des Allergie Ambulatorium Hall in Tirol und Partner des St. Josef Gesundheitszentrum Meran-Bozen. Ein ausführliches Gespräch über Symptome, Lebensstil und mögliche Auslöser ist der erste Schritt. Er empfiehlt Betroffenen, ein Symptom- oder Ernährungstagebuch zu führen, um Allergieauslöser zu identifizieren.<BR /><BR /> Ergänzend kommen Hauttests wie der Prick-Test oder der Prick-to-Prick-Test zum Einsatz. Ein innovativer Bluttest ist der ALEX-Test, mit dem sich mithilfe moderner Proteintechnologie aus einer einzigen Blutprobe knapp 300 weltweit relevante Allergene analysieren und der individuelle Sensibilisierungsstatus bestimmen lassen (siehe eigene Meldung). „Labor- und Hauttests müssen immer im Zusammenhang mit den klinischen Symptomen interpretiert werden“, sagt Dr. Wanner. „Ohne entsprechende Beschwerden ist eine Allergie unwahrscheinlich.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73528021_quote" /><BR /><BR />In der Behandlung von Allergien gilt zunächst: Auslöser meiden, so gut es geht. Dazu gehören pollenarme Schlafzimmer, regelmäßiges Waschen von Bettwäsche, Stoßlüften in den frühen Morgenstunden oder das Meiden bestimmter Lebensmittel. „Verschiedene Medikamente können die Allergie zwar nicht heilen, aber die Symptome lindern“, sagt Dr. Christian Thuile. An der Ursache setzt die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, an. Dabei wird das Immunsystem über mehrere Jahre hinweg unter ärztlicher Begleitung schrittweise an das Allergen gewöhnt. Diese Langzeitbehandlung kann Beschwerden deutlich lindern, den Medikamentenbedarf reduzieren, das Risiko für Asthma senken und die Lebensqualität verbessern. <BR /><BR />„Geduld ist notwendig, es zahlt sich aber aus“, sagt Dr. Thuile. Als Komplementärmediziner kennt er auch ergänzende Ansätze in der Allergiebehandlung: Bewährt haben sich vor allem Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, die die Schleimhäute reinigen. Auch bestimmte Verfahren wie Akupunktur oder die Förderung einer gesunden Darmflora durch Probiotika können unterstützend wirken. Des Weiteren kann Homöopathie ergänzend hilfreich sein. Darüber hinaus zeigen Studien, dass die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren während der Schwangerschaft das Risiko, dass das Kind später eine Allergie entwickelt, um rund 30 Prozent senken kann.