<BR /><BR />Wenn Magensäure und andere Bestandteile wie Verdauungsenzyme oder Gallensäuren zurück in die Speiseröhre fließen, sprechen Mediziner von Reflux, auch gastroösophagealer Reflux (GERD) genannt. Typische Beschwerden sind Sodbrennen, saures Aufstoßen oder ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Gleichzeitig kann die aggressive Flüssigkeit auch die Schleimhaut reizen und schädigen. <BR /><h3> Warum der Hals leidet – und nicht die Speiseröhre</h3>Doch Reflux verläuft nicht immer nach dem Lehrbuch. Beim sogenannten stillen Reflux – medizinisch laryngopharyngealer Reflux (LPR) – steigen Mageninhalt und Magensäure, mitunter auch nur in Aerosolform, weiter nach oben, nämlich über die Speiseröhre bis in den Rachen- und Kehlkopfbereich. Genau dort entstehen die Beschwerden. Allerdings fehlt das für den „normalen“ Reflux typische Sodbrennen oft vollständig. <BR />Stattdessen zeigen sich ganz andere Symptome: chronischer Husten, Räusperzwang, Heiserkeit, ein Kloßgefühl im Hals – das sogenannte Globusgefühl – oder vermehrter Schleim. „Viele Betroffene kommen gar nicht auf die Idee, dass ihre Beschwerden mit dem Magen zusammenhängen“, erklärt Dr. Ronald Radmüller, Facharzt für Gastroenterologie an der Martinsbrunn ParkClinic in Meran und der Marienklinik in Bozen. „Oft werden die Symptome fälschlich auf eine Erkältung, Allergien oder stimmliche Überlastung zurückgeführt.“ Gerade der stille Reflux bleibt deshalb oft lange unerkannt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74163697_quote" /><BR /><BR />Der Unterschied liegt nicht nur in den Symptomen, sondern auch im Ort der Schädigung: Während beim „klassischen“ Reflux vor allem die Speiseröhre betroffen ist, reagiert beim stillen Reflux der sensible Bereich von Rachen und Kehlkopf. „Die Schleimhäute im Kehlkopf sind deutlich empfindlicher als in der Speiseröhre“, sagt Dr. Radmüller. „Deshalb reichen oft geringe Mengen an Magensäure, um Symptome zu verursachen.“<BR /> Hinzu kommt laut neuesten Erkenntnissen: Nicht nur Säure ist das Problem. Auch Verdauungsenzyme wie Pepsin oder Bestandteile der Galle können die Schleimhaut reizen und angreifen. <h3> Ein komplexes Zusammenspiel</h3>„Stiller Reflux ist keine einfache Variante von Sodbrennen, sondern ein komplexes Geschehen“, erläutert der Facharzt. Beschwerden können auch bei schwacher oder nicht saurer Refluxaktivität auftreten. Stress und Lebensstil spielen eine Rolle. <BR />Wie beim „normalen“ Reflux dürfte häufig eine Schwäche des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen zugrunde liegen – jener Mechanismus, der normalerweise verhindert, dass Mageninhalt zurückfließt.<BR /> Des Weiteren ist die individuelle Empfindlichkeit der Schleimhäute entscheidend. Das Zusammenspiel dieser Faktoren mache die Diagnose komplex. „Wir sehen sehr unterschiedliche Verläufe“, sagt Dr. Radmüller. Es sei sehr wichtig, genau hinzusehen und die richtigen Diagnoseinstrumente zu wählen.<h3> Mehr als nur Tabletten</h3>Die gute Nachricht: Auch der stille Reflux lässt sich behandeln. Allerdings braucht es dafür Zeit – und einen individuellen, meist multimodalen Ansatz aus Lebensstilveränderungen, Medikamenten und ergänzenden Maßnahmen.<BR />Ein zentraler Baustein der Therapie ist der Lebensstil und die Ernährung. „Spätabendliche Mahlzeiten sollte man möglichst vermeiden“, erklärt der Facharzt für Gastroenterologie. Außerdem rät er zu kleinen Portionen, zum Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Kaffee und zur Gewichtskontrolle bei Übergewicht. „Diese Maßnahmen helfen, den Druck auf den Magen zu verringern und Refluxepisoden zu reduzieren.“<BR />Je nach Befund kommen Medikamente wie Protonenpumpenhemmer (PPI) oder Alginate zum Einsatz. Letztere bilden eine Schutzbarriere gegen aufsteigende Magensäure. „Beim stillen Reflux reichen PPI – die landläufig als Säureblocker bezeichnet werden – allein oft nicht aus“, erklärt Radmüller. „Denn nicht nur Säure, sondern auch andere Bestandteile können Beschwerden verursachen.“ Weitere individuell angepasste Therapien können in besonderen Fällen sinnvoll sein.<BR /><BR />Moderne Therapiekonzepte setzen zusätzlich auf begleitende Maßnahmen: Stimmtherapie oder logopädische Übungen entlasten die Stimmbänder, Stressreduktion kann die Refluxhäufigkeit verringern.