Das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) bezeichnet die Masern als „eine der ansteckendsten Krankheiten des Menschen überhaupt“. Masern-Viren „werden durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen (Sprechen, Husten, Niesen) oder aerogen über Tröpfchen sowie durch Kontakt mit infektiösen Sekreten aus Nase oder Rachen übertragen.“ Das Masern-Virus löse „bei fast allen ungeschützten Infizierten eine klinische Symptomatik aus.“<BR /><BR />Wirksamster Schutz dagegen ist laut RKI eine Impfung. Laut einer Übersichtsarbeit des unabhängigen Wissenschaftsnetzwerks Cochrane sämtlicher bis 2021 weltweit durchgeführten Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der MMR-Impfung verhindert diese bei 95 von 100 Personen, die ohne Impfung krank geworden wären, die Erkrankung.<BR /><BR /> Dennoch wird diese in Sozialen Medien immer wieder kritisch gesehen. Manche auf Facebook verbreitete Postings können auf den ersten Blick fachlich fundiert wirken. Zur Einordnung der hundertfach geteilten Behauptungen rund um die Masern-Impfung recherchierte APA-Faktencheck in enger Abstimmung mit der Plattform „Medizin transparent“ am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität in Krems.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009772_image" /></div> <BR /><BR />Die erste durch Fakten widerlegbare Behauptung aus dem Facebook-Posting stellt die <b>an Masern verstorbenen Kinder</b> jenen gegenüber, die angeblich an den Folgen der Injektion versterben sollen. Das Verhältnis soll bei etwa 1:3 liegen.<BR /><BR />Laut dem Masern-Ratgeber des Robert Koch Instituts (RKI) sterben in Deutschland von 2007 bis 2015 durchschnittlich 3 bis 7 Kinder pro Jahr an Masern bzw. den direkten Folgen einer Masernerkrankung. Im Zeitraum 2001 bis 2012 gab es insgesamt 9 Todesfälle in zeitlichem Zusammenhang mit der MMR-Impfung, bei denen die Todesursache nicht abschließend geklärt werden konnte. Bei keinem dieser Todesfälle konnte laut deutschem Bundesgesundheitsblatt 2013 ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung nachgewiesen werden. Die Aussage, wonach in 4 Jahren durchschnittlich ein Kind an Masern stirbt und drei Kinder an der Impfung, entbehrt deshalb jeder Grundlage.<h3> Impfung schützt vor Erkrankung</h3>Die zweite problematische Aussage im Facebook-Posting bezieht sich auf den Nutzen einer Dreifach-Impfung, weiters sollen <b>rund die Hälfte der geimpften Kinder trotzdem an Masern erkranken</b>. Auch diese Behauptungen sind in mehrerlei Hinsicht irreführend.<BR /><BR />Ein Organismus muss sich im Zusammenleben mit anderen Menschen ununterbrochen mit verschiedensten Krankheitserregern auseinandersetzen (auch mehr als 6 gleichzeitig). Das ist gerade in den ersten Lebensjahren essenziell für die Entwicklung eines funktionierenden Immunsystems. Zudem ist die Wirksamkeit der MMR-Impfung hervorzuheben: Von 1000 nicht geimpften Kindern mit Kontakt zum Masern-Virus erkranken laut Harding-Zentrum für Risikokompetenz etwa 931 an Masern, von 1000 geimpften Kindern etwa 14.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009775_image" /></div> <BR /><BR />Am Ende des Postings wird vor den teils schweren Nebenwirkungen der Masern-Impfung gewarnt. Bei den genannten Nebenwirkungen, wie Guillain-Barre-Syndrom oder Enzephalitis handelt es sich allerdings um nur vereinzelt gemeldete, extrem seltene Ereignisse. Enzephalitis trat etwa bei einem von 10 Millionen mit dem Impfstoff Priorix Geimpften auf. <BR /><BR />Was im Posting beim Vergleich der Risiken von Impfung und Erkrankung vollkommen außer Acht gelassen wird, sind die möglichen Komplikationen und Folgeschäden von Masern-Erkrankungen. Das Risiko einer Enzephalitis nach einer Maserninfektion ist deutlich höher und liegt laut dem evidenzbasierten deutschen Gesundheitsportal gesundheitsinformation.de (IQWiG) bei etwa einem von 1000 Erkrankten einige Tage nach der Ansteckung.<h3> „Nahezu ausgerottet“?</h3>Das Immunsystem ist laut IQWiG nach einer Maserninfektion aber oft noch für Monate oder jahrelang geschwächt. Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine sehr seltene, schwere Gehirnentzündung, tritt demnach erst einige Jahre nach einer Maserninfektion auf. Sie betrifft einen bis 5 von 10.000 Masernerkrankten und endet immer tödlich.<BR /><BR />Ein auf der Plattform X/Twitter veröffentlichtes Posting mit angehängtem Video behauptet unterdessen, Masern seien alleine durch Hygieneverbesserungen nahezu ausgerottet worden. Auf den ersten Blick haben Hygienemaßnahmen auch tatsächlich Auswirkungen auf die Masern-Fallzahlen.<BR /><BR />Diese waren etwa in den Pandemie-Jahren 2020 bis 2022 mit vereinzelten Fällen deutlich niedriger als davor. 2023 schnellten sie allerdings wieder in die Höhe. Das ist weit entfernt von einer Ausrottung. Masern sind daher deshalb allein durch Hygienemaßnahmen nicht einzudämmen. Die Behauptung aus dem Posting bei X, die Impfung sei eine allenfalls schädliche Maßnahme und habe keine positiven Effekte, wird durch die eingangs erwähnten Zahlen des RKI zur Immunisierung klar widerlegt.<BR /><BR />Das Fazit des Faktenchecks der Nachrichtenagentur APA in Kürze: Die aufgestellten Behauptungen halten einer faktenbasierten Überprüfung nicht stand. Dass die Masernimpfung wirkt, ist durch zahlreiche Studien belegt. Das Risiko schwerer Folgeerkrankungen ist für Ungeimpfte um ein Vielfaches höher.<BR /><BR />