Nein, sie ist keine graue, schrullige „Kräuter-Hexe“! Trotzdem verzaubert Hildegard Kreiter – mit ihrem Wissen, ihrer Erzählfreude, ihrer Ausstrahlung und ihrer Bodenständigkeit. Wer mit ihr über Heilkräuter plaudert, erfährt Überraschendes: Welche Rolle ein Kreuz aus Holunderästen einst bei Begräbnissen im Vinschgau spielte; wie die „Signaturlehre“ Brennnessel und Haare verknüpft; was Alchemisten im Frauenmantel (Alchemilla) suchten und weshalb die Medizin heute von Sebastian Kneipps Wacholderbeeren-Kur abrät.<BR /><BR />Genau solche Absagen an veraltete Ratschläge machen Hildegard Kreiter zur Expertin. Sie treibt keinen Hokuspokus um angeblich uraltes Wissen, das ungeprüft weitergereicht wird. Nein, sie hinterfragt überlieferte Ratschläge und Rezepte. Was sie empfiehlt, hält wissenschaftlicher Prüfung stand. Die Frau vom Fach kennt die Wirkstoffe in Arnika, Salbei, Kamille oder Johanniskraut – und sie weiß, wo Gifte lauern.<h3> Kräuterwissen selbst erprobt</h3>Vor allem probiert sie alles selbst aus. „Angelesenes Wissen bringt wenig, aber was man selbst umsetzt, das bleibt“, lautet einer ihrer Leitsätze. Erfahrungsmedizin nennt sie das. Allerdings begann auch der Weg der Überetscherin mit sehr schnell zusammengeklaubtem Wissen, wie sie erzählt. Eine Tumorerkrankung zwang die Eppanerin im Jahr 1994, ihren Beruf als Grundschullehrerin aufzugeben. Sie ging in Pension, setzte sich aber keineswegs auf die Couch. <BR /><BR />Nach einer Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin im Bildungshaus Kloster Neustift bot sie dem damaligen Direktor ganz spontan einen eigenen Kurs an. <h3> Start mit einem Kurs</h3>„Die Leute wussten damals nur mehr wenig über Kräuter, das alte Wissen ging langsam verloren“, erinnert sich Kreiter. Gegen dieses Vergessen musste doch das berühmte Kraut gewachsen sein, dachte sie sich. Also versuchte sie es mit einem Seminar unter dem Titel „Kräuterfrauen unter sich“. Allein die Ankündigung im Terminkalender des Bildungshauses löste einen wahren Ansturm aus: Aus allen Landesteilen trafen viele Anmeldungen ein! Schlussendlich konnten auf Anhieb gleich drei Kurse starten. <BR /><BR />Allerdings musste sich Kreiter in kürzester Zeit erst einmal in das Thema einlesen. „Mit dem Wissen, das ich damals hatte, würde ich heute bei einem Kurs ganz sicher eine schlechte Figur abgeben“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu.<h3> Begeisterung und Dankbarkeit</h3>Was die quirlige Überetscherin schon damals mitbrachte: Begeisterung für die Natur und „Dankbarkeit für das, was sie uns schenkt“. Schon als Mädchen streifte sie gerne durch Wiesen und Wälder, um Blumen zu pflücken. Ihre Mutter war eine begnadete Gärtnerin und brachte die vier Kinder mit einfachen Hausmitteln meist gesund durch das Jahr. Als Lehrerin vermittelte Kreiter später ihren Schülerinnen und Schülern Respekt vor der Schöpfung, etwa durch Umweltprojekte.<BR /><BR />Von der Schule wechselte sie schließlich in Kräutergarten und Kneippanlage. Hildegard Kreiter schrieb mehrere Bücher, unter anderem ein Werk über „Kräuter und Heilpflanzen nach Sebastian Kneipp“, sie hält Vorträge, leitet Kräuterwanderungen, schreibt Kolumnen in Zeitschriften wie der „Südtiroler Frau“ – und nutzt täglich die Kraft der Heilpflanzen. Ganz nach ihrem Motto: „mäßig und regelmäßig“.<BR /><BR />Für die Hausapotheke empfiehlt die Frau vom Fach diese fünf Kräuter: <b>Arnika, Brennnessel, Frauenmantel, Schafgarbe und Johanniskraut</b>.