Mittwoch, 11. Mai 2022

Frau Dr. Egger, sind Zecken heuer schon gefährlich?

In Südtirol nimmt die Zahl der Zeckenstiche immer weiter zu. Die steigenden Temperaturen tragen dazu bei, dass sich Zecken auch in höheren Lagen immer wohler fühlen. Die Hausärztin Dr. Sybille Egger, die ihre Praxis in Kaltern hat, berichtet von aktuellen Fälle und sagt, was man tun kann, um Infektionen vorzubeugen.

Mit den steigenden Temperaturen werden auch blutsaugende Plagegeister wieder aktiver. - Foto: © dpa-tmn / Patrick Pleul

2 gefährliche Krankheiten kann die Zecke auf den Menschen übertragen: Die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Hirnhautentzündung). Gegen die Lyme-Borreliose helfen Antibiotika; gegen FSME eine vorbeugende Impfung. Wenn man die Krankheiten nicht behandelt, können sie im schlimmsten Fall tödlich enden. Nur ein kleiner Teil der Zecken ist infektiös, trotzdem sollte man vorsichtig sein.

STOL: Sind Zecken heuer schon gefährlich?
Dr. Sybille Egger: Heuer hat es bei mir in der Praxis Zeckenstiche schon gegeben, leider auch infektiöse. Ich habe dem Betroffenen Antibiotika verschrieben. Wer Haustiere hat, merkt selber, wann besonders viele Zecken im Umlauf sind. Haustiere, wie Hunde oder Katzen, werden oft gestochen.

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STOL: Ist die Zahl der Zeckenstiche in Südtirol in den vergangenen Jahren gestiegen?
Dr. Egger: In den vergangenen 10 Jahren sind die Fallzahlen und die Zeckenstiche in Südtirol gestiegen. Grund dafür könnten auch die immer milderen Winter sein. Damit Zecken im Winter absterben, braucht es mindestens 2 Wochen mit minus 10 Grad. Solche kalte Winter gibt es in Südtirol aber nicht mehr.


Man soll auf keinen Fall die Zecke mit einer Pinzette entfernen oder Kleber draufschütten.
Dr. Egger Sybille


STOL: Wo in Südtirol ist die Wahrscheinlichkeit, von einer Zecke gestochen zu werden, besonders hoch?
Dr. Egger: Vor allem im Raum Überetsch und Unterland, im Montiggler Wald, in Eppan und Kaltern ist es besonders gefährlich, von einer Zecke gestochen zu werden. Zecken leben auf Gräsern am Boden und nicht auf Bäumen, wie oft fälschlicherweise angenommen. (Weitere Irrtümer über Zecken lesen Sie hier).

STOL: Wie kann man einem Stich vorbeugen?
Dr. Egger: Wichtig sind lange Hosen. Was man noch tun kann, ist, die Socken über die Hosen zu stülpen, sich mit Zeckenspray einsprühen und die Kleidung ausziehen, bevor man sein Haus betritt. Daheim sollte man sich gegenseitig untersuchen, ob sich nicht doch eine Zecke eingeschlichen hat, denn die Zecken gehen oft stundenlang auf dem Körper spazieren, bis sie stechen. Ich empfehle den Menschen, die in den Hochrisiko-Gebieten leben, außerdem sich zu impfen, um möglichen Infektionen vorzubeugen.


Die so genannte Wanderröte kann Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich auftreten. - Foto: © dpa-tmn / Harry Melchert


STOL: Was sollte man tun, wenn man gestochen wird?
Dr. Egger: Wenn man das erste Mal gestochen wird, sollte man zum Hausarzt gehen. Man soll auf keinen Fall die Zecke mit einer Pinzette entfernen oder Kleber draufschütten. Wenn die Zecke stirbt, übergibt sie sich und alle Viren und Bakterien gelangen in den Körper. Es gibt besondere „Zeckenentferner“, die man in der Apotheke kaufen kann, um damit die Zecke zu entfernen. Je länger die Zecke im Körper bleibt, desto mehr Keime gelangen hinein.

Sehen Sie im Video: Das sollten Sie über Zecken wissen.


stol

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