Jüngst wurde Dr. Gänsbacher in Innsbruck mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol geehrt. <b><BR /><BR />Herr Professor, welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie erfuhren, dass Ihnen das Verdienstkreuz des Landes Tirol verliehen werden soll?</b><BR />Prof. Bernd Gänsbacher: Ich wusste schon, dass so manche meiner befreundeten Kollegen in verschiedenen anderen Ländern wie etwa in Österreich und Bayern Verdienstkreuze für ihre Aufklärungsarbeit über Coronainfektionen bekommen hatten. In diesem Sinne war es nicht unerwartet, trotzdem hat es mich sehr gefreut.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="815027_image" /></div> <BR /><BR /><b> Was bedeutet Ihnen diese hohe Auszeichnung?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Für mich als Person ist diese Auszeichnung nicht so wichtig, weil ich es mit mir selbst ausmache, welchen Wert meine einzelnen Handlungen haben. Ich bin mir selbst der strengste Richter. Ich finde es aber enorm wichtig, dass eine Gesellschaft öffentlich zeigt, dass Wissen wichtig ist und Würdigung verdient. <BR /><BR /><b>Sie stellten Ihr Leben als Mediziner in den Dienst der Wissenschaft und Forschung. Was war immer Ihr Credo?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Die Patientenversorgung war mir immer genauso wichtig wie Wissenschaft und Forschung. An den Spitzen-Universitäten in den USA muss ein Arzt auch Forschung machen und es wird erwartet, dass er sein Wissen an die Allgemeinheit weitergibt, weil das Gesundheitswesen und die Forschung mit Steuergeldern bezahlt werden. Also hat der Bürger ein Recht auf das erzeugte Wissen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-56185131_quote" /><BR /><b><BR /><BR />Welche Stationen kennzeichnen Ihren so erfolgreichen beruflichen Weg? </b><BR />Prof. Gänsbacher: Wenn man bedenkt, dass ich im Sarntal gestartet bin und an Spitzen-Universitäten der USA gelandet bin, dann ist das schon beeindruckend. Meine Ausbildung zum Internisten habe ich an der Ivy-League-Universität of Pennsylvania absolviert und zum Onkologen am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York. Aufgrund meiner hervorragenden Ausbildung und meiner Publikationen bin ich in verschiedene wichtige Gremien Europas berufen worden, wie in die Zentrale Kommission für biologische Sicherheit für Verbraucherschutz in Berlin und in das Entscheidungsgremium der Europäischen Agentur für Medikamentenzulassung (EMA) in Amsterdam als Vertreter der Ärzte Europas, wo ich immer noch tätig bin.<BR /><BR /><b>Als Immunologe begleiteten Sie die Südtiroler durch die Pandemie. Welche Erfahrung war das für Sie? </b><BR />Prof. Gänsbacher: Ich bin sehr erstaunt, wie viele Menschen mich auf der Straße ansprechen und sich für meine Radiosendungen oder Fernsehinterviews bedanken. Ich sehe darin das Bedürfnis der Menschen, Informationen von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, zu bekommen, Informationen, die der Realität entsprechen und deshalb für den Einzelnen nützlich sind.<BR /><BR /><embed id="dtext86-56185132_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Welche Botschaft haben Sie heute für die Menschen?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Sich am Wissen zu orientieren und nicht an Esoterik oder ungeprüften Meinungen. Es gibt da draußen im Universum auch für die größten Probleme eine Realität bzw. Wahrheit; die Frage ist, ob der Mensch die Fähigkeit hat, den Weg dahin zu gehen und diese Realität zu erkennen und zu verstehen.<BR /><BR /><b>Gibt es jemanden, dem Sie diese Auszeichnung widmen möchten?</b><BR />Prof. Gänsbacher: Den jungen mutigen Menschen, die das Leben noch vor sich haben und die Entscheidungen treffen müssen, die den Lebensweg bestimmen.