Die beiden Mediziner benennen Ursachen und verweisen auf die Notwendigkeit von Sensibilisierung und Aufklärung. <BR /><BR />Gesprochen wird über Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhoe, umgangssprachlich als Tripper bekannt, selten genug, weil sie den Intimbereich betreffen. Angesichts der neuesten Fallzahlen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC werden diese Geschlechtskrankheiten jedoch unweigerlich zum Thema: Mit mehr als 100.000 registrierten Fällen wird bei Gonorrhoe ein Zuwachs von über 300 Prozent seit 2015 verzeichnet, die Anzahl von Syphilis hat sich indessen im selben Zeitraum auf über 45.000 Fälle mehr als verdoppelt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1318200_image" /></div> <h3> „Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch, Südtirol macht hier keine Ausnahme“</h3>Der Trend ist ebenso eindeutig wie besorgniserregend. <BR />„Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch, Südtirol macht hier keine Ausnahme“, bestätigt Dr. Elke Maria Erne, Primaria der Abteilung Infektionskrankheiten am Bozner Krankenhaus. Dies lässt sich an vorbeugenden Tests festmachen, etwa zur Vorbeugung von HIV-Infektionen. Die Ursachen? Dr. Erne vermutet eine größere Sorglosigkeit beim Geschlechtsverkehr in der Post-Corona-Phase, eine erhöhte Testbereitschaft sowie mangelnde Aufklärung: „Die jungen Menschen sind nicht mehr so gut informiert wie zu früheren Zeiten.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1318203_image" /></div> <BR /><BR />Ähnliches beobachtet Urologe Dr. Armin Pycha. Er gibt zu bedenken, dass die Isolation von jungen Menschen während der Corona-Pandemie wohl zu einer Gegenreaktion geführt haben dürfte, zudem zeige sich eine „Kondommüdigkeit“. Dabei sei das Kondom die wirksamste Methode, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Zugleich räumt er ein: „Sex ist oftmals eine spontane Angelegenheit, strategisches Denken ist damit kaum vereinbar.“ Umso wichtiger seien Aufklärung und Sensibilisierung. Als weiteren Punkt erachtet Dr. Pycha die HIV-Infektionen, die „ihren ganz großen Schrecken verloren haben, weil aus der einst tödlichen eine chronische Krankheit geworden ist“. <h3> Ansteigende HIV-Infektionen bereiten große Sorgen</h3>Hierbei ergänzt Dr. Erne: „HIV-Infektionen nehmen konstant zu, gerade diese schwerwiegende Krankheit bereitet uns Ärzten große Sorgen, die Kampagnen scheinen leider kaum etwas zu bewirken.“ Im Gegensatz zu den eingangs erwähnten bakteriellen und parasitären Geschlechtskrankheiten, die sich mit Antibiotika und Medikamenten kurieren lassen, sind die Virusinfektionen wie eben HIV in der Regel nicht heilbar, aber dank moderner Medizin gut behandelbar. Europaweit ist gemäß ECDC auch Syphilis auf dem Vormarsch, auch bei Frauen im gebärfähigen Alter. Oftmals wird dann die Krankheit von der Mutter auf das Kind übertragen. <h3> Die positive Nachricht aus dem Krankenhaus Brixen</h3>Dr. Sonia Prader, Primaria der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Brixen, kann diesen Trend nicht bestätigen: „Bei uns werden etwa 400 Frauen pro Woche untersucht, hier gibt es überhaupt keine Auffälligkeiten.“ In dieser Sache scheint Südtirol tatsächlich eine Ausnahme zu bilden.