Im Rahmen der Initiativen zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt Meran wurde ein internationaler Kongress zu den Gebärdensprachen organisiert. Die Tagung wird mit dem Reinerlös aus der öffentlichen Radversteigerung finanziert, die die Stadtgemeinde Meran im Frühjahr 2016 organisiert hatte.Der Kongress war ursprünglich für den 21. Oktober angesetzt, musste jedoch aus organisatorischen Gründen auf das Frühjahr 2018 verschoben werden.An dem eintägigen Kongress werden renommierte Referenten aus dem In- und Ausland sowie professionelle Gebärdensprachdolmetscher teilnehmen. Mithilfe dieses Kongresses sollen hörende Menschen für die spezielle Problematik hörbehinderter Menschen sensibilisiert werden.STOL hat mit Alessandro Cusini, Präsident des Gehörlosenverbands Südtirol, über die Thematik gesprochen.Südtirol Online: Was ist das Ziel des Kongresses?Alessandro Cusini, Präsident des Gehörlosenverbands Südtirol: Unser Ziel ist es, dass die Gebärdensprache mehr Anerkennung erhält: Wir Taube sprechen mit den Händen und hören mit den Augen. Für uns ist es wichtig, hörende Menschen für die Problematik hörbehinderter Menschen zu sensibilisieren. Wir wollen die Öffentlichkeit darüber informieren, wie man sich mit hörbehinderten Menschen verhalten soll.STOL: Warum ist es wichtig, hörende Menschen für diese Thematik zu sensibilisieren?Cusini: Das Problem ist, dass taube Menschen unsichtbar sind: Blinde Menschen erkennt man meist an ihrem Blindenstock, auch Menschen mit körperlichen Behinderungen erkennt man, weil sie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen haben, aber wir Taube, wir sind unsichtbar. Wenn man uns dann anspricht, erschrecken die meisten. Deshalb ist es wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, wie sie sich mit uns verhalten sollen.STOL: Wie viele taube Menschen gibt es in Südtirol?Cusini: Mitglied unseres Verbands sind 220 Menschen. In ganz Südtirol gibt es aber weitaus mehr: Insgesamt gibt es 320 anerkannte Taube. Allerdings gibt es sehr viele verschiedene Arten von Taubheit, zum Beispiel gibt es sehr viele ältere Menschen, die ihr Gehör altersbedingt verlieren, oder Menschen, die durch einen Unfall taub werden. Deshalb gibt es, neben den 320 anerkannten, insgesamt sicherlich mehr taube Menschen in Südtirol.STOL: Was ist die größte Herausforderung für Hörbehinderte Menschen im Alltag?Cusini: Das größte Problem ist sicherlich die Kommunikationsbarriere. Ich nenne Ihnen ein konkretes Beispiel: Wenn ich in die Bank gehe und versuche mich am Schalter mit der Gebärdensprache zu verständigen, wird mich der Bankangestellte höchstwahrscheinlich entblößt anstarren und mich nicht verstehen. Oder, ein anderes Beispiel: Wenn ich ins Krankenhaus gehe, teile ich den Fräulein am Empfang üblicherweise mit, dass ich taub bin und, dass sie mich bitte holen sollen, wenn mein Name aufgerufen wird. Es ist schon oft passiert, dass ich nach 1, 2, oder gar 3 Stunden nachgefragt habe, wie lange es noch dauert, dabei hat das Fräulein einfach vergessen mich zu holen. Dasselbe gilt am Bahngleis: Wenn durchgesagt wird, dass ein Zug statt auf Bahnsteig 1 auf Bahnsteig 2 losfährt, wechseln alle Bahnsteig, während ich immer noch am Bahnsteig 1 stehe und vergebens warte, dass der Zug kommt.STOL: Wo kann man die Gebärdensprache lernen?Cusini: Hier bei uns im ENS - Südtiroler Gehörlosenverband kann man bei verschiedenen Kursen die Gebärdensprache erlernen. Bevor man mit den Kursen beginnt, muss man 30 Sensibilisierungsstunden absolvieren. Von links: Benedikt Gasser, Debora Tonoli, Laura Clara Moroder und Alessandro Cusini - Foto: DLifeSTOL: Warum sind Gebärdensprachen in jedem Land anders?Cusini: Es ist wie bei den Dialekten. Auch die Lautsprachen unterscheiden sich aufgrund der kulturellen und geografischen Besonderheiten des jeweiligen Landes untereinander. Dasselbe gilt auch für Gebärdensprachen: So gibt es in verschiedenen Ländern auch verschiedene Gebärdensprachen.Interview: Laura Clara Moroder