Während der Corona-Pandemie trauten sich viele Bürger nicht zur Visite ins Spital und ließen somit wertvolle Zeit verstreichen, doch nun gerät die Dermatologie-Abteilung des Landeskrankenhauses Bozen von einem Extrem ins Andere. Denn es gibt einen Riesen-Ansturm, berichtet Primar Dr. Klaus Eisendle.<BR /><BR />Die meisten Bürger wollen zur Vorsorge wegen der Hautkrebs-Gefahr, manche von ihnen bevorzugt jedes Jahr oder sogar öfters, obwohl so häufige Vorsorge-Untersuchungen gar nicht sinnvoll sind. Und bezahlen müsse es am Ende die Allgemeinheit – der Steuerzahler. Wichtiger wäre der korrekte Sonnenschutz, um die Häufigkeit der Hauttumore zu senken, meint Dr. Eisendle.<BR /><BR />„Wir haben zu viele Anfragen“, stellt der Primar fest. Vor der Corona-Pandemie habe man auf eine Vorsorge-Visite 3 Monate warten müssen, inzwischen sei es über ein halbes Jahr. Eine Vorsorge-Untersuchung alle 2 Jahre sei sinnvoll – für Bürger zwischen 35 und 65 Jahren, die viele Muttermale haben. In Österreich und Deutschland würden solche Vorsorgeuntersuchungen genau in dieser Häufigkeit von den Krankenkassen bezahlt; wer öfter kommen möchte, muss dort selbst bezahlen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-60216271_quote" /><BR /><BR />In Südtirol kämen nicht wenige Bürger aber jedes Jahr zur Vorsorge-Visite. „Da gibt es keinen Filter und das ist nicht richtig“, meint der Primar. Es bestehe die Gefahr, dass aufgrund der vielen Visiten von gesunden Patienten die Versorgung der Kranken bald leiden könnte. Das betreffe aber nicht die prioritären Visiten: Wenn ein Hausarzt eine dringende oder prioritäre Visite verschreibe, dann werde ein Patient auf jeden Fall innerhalb von 24 Stunden bzw. 10 Tagen untersucht. „Diese Patienten schaffen wir alle“, versichert Dr. Eisendle. <BR /><BR />Hilfreich wäre mehr Personal – wenn alle Dermatologien in Südtirol ein bis 2 Stellen mehr hätten, meint der Primar. Denn die Betreuung mancher Patienten sei sehr zeitaufwändig – wie etwa jener mit fortgeschrittenen Hauttumoren – davon gebe es immer mehr. <h3> Zahl der Melanome steigt wieder</h3>Im Steigen sei nun auch die Zahl der festgestellten Melanome – im Vergleich zu den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021. 2022 seien in Südtirol 117 invasive neue Melanome festgestellt worden, davon 2 Drittel an der Dermatologie Bozen. Weiters wurden 176 nicht invasive Melanome diagnostiziert. Das macht zusammen 293 neue Fälle von schwarzem Hautkrebs. <BR /><BR />Invasive Melanome können potenziell Metastasen bilden, nicht invasive Melanome hingegen werden aufgrund der Behandlung definitiv geheilt, erklärt Dr. Eisendle.<BR />An der Abteilung für Dermatologie in Bozen wurden 2020 insgesamt 138 Melanome nachgewiesen und behandelt, 2021 waren es 170 und 2022 immerhin 193.<h3> mRNA-Impfstoff gegen Melanom</h3>Für einige Patienten gibt es gute Nachrichten: Laut Eisendle werden nächstes oder übernächstes Jahr neue Medikamente gegen das Melanom erhältlich sein. Sowohl BioNTech (mit BNT111) als auch Moderna (mit mRNA-4157-P201) haben einen mRNA-Impfstoff gegen das Melanom entwickelt. <BR /><BR />Dabei handle es sich um einen therapeutischen Impfstoff. In diesem Fall werde beim Patienten ein Tumor entfernt, ein Stück davon werde eingeschickt und Moderna stelle dann nach Analyse der mutierten Gene des Melanoms den mRNA-Impfstoff zur Verfügung. Dieser Impfstoff werde dem Patienten dann gespritzt – zusammen mit der Immuntherapie, die bereits angewandt werde. Die Heilungsrate konnte in den ersten Studien um über 40 Prozent im Vergleich zu den aktuellen bereits wirksamen Therapien gesteigert werden, berichtet Dr. Eisendle. <BR /><BR />„Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat diese neuen Behandlungen als Durchbruch eingestuft – „breakthrough destignation“ – um ihre Zulassung zu beschleunigen. Der Impfstoff werde gegen das fortgeschrittene metastasierte Melanom eingesetzt. <BR /><BR />An der Dermatologie-Abteilung in Bozen werden jedes Jahr mehr als 5000 Operationen an Hautkrebs-Patienten durchgeführt, berichtet Eisendle. Dazu kämen noch die Eingriffe, die in der HNO-Abteilung und von der Chirurgie-Abteilung durchgeführt werden. <BR /><BR /><BR />