Hämorrhoiden sind gut durchblutete Gewebekissen, die mit dem inneren und äußeren Schließmuskel des Afters den Darm nach außen hin abdichten. Sie sind mit sensiblen Nerven ausgestattet, die ein Unterscheiden zwischen Winden und festem Stuhlgang ermöglichen. „Diesen luft- und feuchtigkeitsdichten Verschluss nennt man Feinkontinenz“, erklärt Dr. Johannes Wagner. <h3> Was vergrößerte Hämorrhoiden begünstigt</h3>Ins Bewusstsein seines „Besitzers“ rücken Hämorrhoiden erst, wenn sie nicht mehr einwandfrei funktionieren und Beschwerden verursachen. Das passiert, wenn sie sich vergrößern und nach außen „vorfallen“. Mit mangelnder Hygiene hat dies nichts zu tun. Häufig vergrößern sich die Hämorrhoidalpolster durch ein falsches Stuhlverhalten – „zu fester Stuhl, aber auch länger anhaltender Durchfall, oder zu lange ,Sitzungen‘ auf der Toilette mit Bauchpresse“, zählt der Facharzt auf. Aber auch zu wenig Bewegung und falsche Ernährung begünstigen ein Hämorrhoidalleiden. Gleiches gilt für Stress. „Unser Schließmuskel ist nur zum Teil willentlich kontrolliert“, sagt Dr. Wagner. „Ein Großteil des muskulären Verschlusses erfolgt über eine besondere Art von Muskulatur, die nur unterbewusst gesteuert wird. Und hier wirkt ein erhöhter Stresslevel wie eine Dauerkontraktion.“ Komme dann noch zu harter Stuhl dazu, drücke es die Hämorrhoidalkissen nach unten und sie vergrößern sich.<BR /><BR />Auch in der Schwangerschaft tritt ein Hämorrhoidalleiden bei ungefähr jeder zweiten Frau auf. Lasse der Druck des Babys nach und normalisiere sich die Hormonsituation wieder, bilden sich die Hämorrhoiden meist vollkommen wieder zurück. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64694204_quote" /><BR /><BR />„Sind die Hämorrhoidalkissen erst einmal vergrößert und der Schließmuskel dauerhaft angespannt, dann kann die dünne Schleimhaut, die die Hämorrhoiden überzieht, bei hartem Stuhlgang einreißen“, erklärt Dr. Wagner. Das werde gemeinhin als „Platzen“ bezeichnet, sei aber vielmehr eine Schleimhautverletzung. „Dies führt dann, je nach Größe des Einrisses, zu Blutspuren am Toilettenpapier, zu Blutauflagerung auf dem Stuhl oder sogar zu spritzenden Blutungen, die in die Toilettenschüssel tropfen“, sagt der Facharzt. Das sehe oft dramatischer aus, als es sei, weil der Blutverlust meist nicht relevant sei. „In ganz seltenen Fällen kommt die Blutung aber nicht von selbst zum Stehen oder es blutet rückwärtsgerichtet in den Mastdarm hinein. Dann können durchaus größere Mengen Blut verloren gehen.“<BR /><BR />Die schmerzlosen Blutauflagerungen auf dem Stuhl bzw. Blutspritzer in der Toilettenschüssel sind das Hauptsymptom eines Hämorrhoidalleidens. „Später kommt es zu einem lästigen Juckreiz. Zuletzt entwickelt man das Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung bzw. eines ,Fremdkörpers‘ am After.“ Aber: 50 Prozent der pathologisch vergrößerten Hämorrhoiden sind beschwerdefrei.<h3> Wie man vorbeugen und im Anfangsstadium heilen kann</h3>Vergrößerte Hämorrhoiden können sich in den Anfangsstadien von alleine zurückbilden. „Insbesondere wenn sich die Stuhlgewohnheiten, Ernährung und der Stresslevel ändern, kann es in frühen Stadien der Erkrankung zu einer Remission kommen“, erklärt Dr. Wagner. „Der proktologisch tätige Arzt bzw. die Ärztin wird daher oft mit den Patienten einen konservativen, das heißt, nur auf Änderungen der genannten Gewohnheiten und Salbenmedikation basierenden Therapieversuch unternehmen.“ Für einen weichen Stuhl sorgt man, indem man ausreichend trinkt, sich regelmäßig bewegt, „stopfende“ Nahrungsmittel – wie Bananen oder Schokolade – reduziert und gegebenenfalls auf Quellmittel – wie Flohsamenschalen – zurückgreift, sofern ballaststoffreiche Kost nicht ausreicht. „Zudem reizen Nahrungsmittel wie Alkohol, Nikotin, Koffein, stark blähende und scharfe Speisen sowie Zitrusfrüchte die Schleimhaut auf den Hämorrhoiden, sodass diese verwundbarer ist“, erklärt Dr. Wagner. Diese Maßnahmen verbessern in den Anfangsstadien nicht nur bereits eingetretene Beschwerden, sondern beugen diesen auch vor. <h3> Mehrere Behandlungsmethoden</h3>Sollten die Beschwerden bestehen bleiben, müssen die vergrößerten Hämorrhoiden entfernt werden. Dafür gibt es mehrere schmerzarme Techniken. <BR /><BR />In den Anfangsstadien kommen vor allem sogenannte <b>Barron-Ligaturen</b> („Unterbindungen“) zum Einsatz. Dabei wird ein straffer Gummiring über die erkrankte Hämorrhoide gestülpt. Dadurch wird die Durchblutung der abgebundenen Hämorrhoide unterbrochen, sie geht zugrunde und nach 7 bis 10 Tagen mit dem Stuhlgang ab. Ähnlich funktioniert das Veröden, wobei das Beseitigen der erkrankten Hämorrhoide hier über eine Schaumlösung geschieht, die in die Hämorrhoide eingespritzt wird.<BR /><BR />Außerdem kann man seit wenigen Jahren eine <b>thermische Verödung</b> (eine hitzeausgelöste Schrumpfung) vornehmen – das sogenannte Rafaelo-Verfahren. Dazu wird nach örtlicher Betäubung eine ganz feine Thermosonde in die Hämorrhoide eingeführt und diese dann erhitzt.<BR />Diese 3 Verfahren sind ambulant innerhalb von 20 Minuten durchführbar, häufig nahezu schmerzfrei und haben keinen Arbeitsausfall zur Folge. Außerdem wird nur der wirklich erkrankte Teil der „Gummidichtung“ behandelt, sodass die sensible Analschleimhaut und die Schließfunktion immer erhalten bleiben. Unterbindung und Schaumsklerosierung haben eine nicht unerhebliche Rezidivrate. Das bedeutet, dass man mitunter mehrfach behandeln muss. Dies ist beim thermischen Verfahren günstiger.<BR /><BR /><BR />In fortgeschritteneren Stadien kommen mitunter <b>operative Verfahren</b> zur Anwendung, bei der die erkrankte Hämorrhoide entweder ausgeschnitten (beim Milligan-Morgan-Verfahren) oder mit einer thermischen Klemmschere entfernt wird. Dabei geht immer etwas Analschleimhaut verloren, und das Risiko einer Schließmuskelverletzung ist höher. Bei einem Prolaps muss das gesamte Hämorrhoidalpolster mit einem speziellen Instrumentarium wieder nach oben angeheftet werden (Longo-Verfahren). Weil gelegentlich Nachblutungen auftreten, folgt auf eine Operation meist eine Übernachtung in der Klinik.