Mittwoch, 09. September 2015

Kampf dem Schnarchen: erste Zungenschrittmacher implantiert

Ihr Problem ist das Schnarchen mit Atemaussetzern. An der Innsbrucker Uni-Klinik für HNO wurde drei Patienten nun ein Zungenschrittmacher implantiert.

Von der innovativen Therapie profitiert eine kleine Gruppe von PatientInnen, die an einer speziellen Form des Schlafapnoesyndroms (Schnarchen mit Atemaussetzern) leidet.
Von der innovativen Therapie profitiert eine kleine Gruppe von PatientInnen, die an einer speziellen Form des Schlafapnoesyndroms (Schnarchen mit Atemaussetzern) leidet.

Erkrankungen der Kopf-Hals-Region gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Europa. Innovative Behandlungsmethoden in diesem Bereich sind daher sehr gefragt. Ein häufiger Grund, warum Patienten Spezialisten aufsuchen, ist das Schnarchen. 

Obstruktiven Schlafapnoe: Art und Schwere ermitteln

Rund fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer sogenannten obstruktiven Schlafapnoe, also Schnarchen mit Atemaussetzern. Bei einer Untersuchung im Schlaflabor können die Art und der Schweregrad ermittelt werden. 

Welche Behandlung vorgeschlagen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, dazu zählen auch der Body Mass Index (BMI), Begleiterkrankungen oder andere Symptome. Eine Lebensstilveränderung kann hilfreich sein. 

Wenn sonst nichts mehr hilft

„Goldstandard in der Therapie der obstruktiven Schlafapnoe ist nach wie vor die Atemmaske. Kann diese aus medizinischen Gründen nicht angewendet werden und erfüllt der Patient auch die anderen Voraussetzungen, kann der Zungenschrittmacher Abhilfe schaffen“, erklärt die Leiterin des Innsbrucker Schlaflabors der Uni-Klinik für Neurologie, Birgit Högl. 

Funktionsweise des Zungenschrittmachers

Der Zungenschrittmacher, auch „Atemwegs-Stimulator“ (upper airway stimulation) genannt, ist mit einem Herzschrittmacher vergleichbar. Er hat etwa die Größe einer Streichholzschachtel und wird unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Der Schrittmacher erfasst die Atembewegungen und kann mittels kleiner Impulse in den Hypoglossus-Nerv der Zunge verhindern, dass diese zurückfällt und die Atemwege blockiert.

Patienten mit einem schweren, obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom haben Atemaussetzer, weil die Spannung der Muskulatur der oberen Atemwege im Schlaf nachlässt. Dadurch verengt sich der Luftweg und es entsteht das Schnarchgeräusch – oft auch mit gefährlichen Atemaussetzern.

Erstmals in Österreich

Jetzt wurde der „Zungenschrittmacher“ bei drei männlichen Patienten aus Tirol eingesetzt. „Der Eingriff wurde erstmals in Österreich durchgeführt“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Uni-Klinik für HNO-Heilkunde und Präsident der Österreichischen HNO-Gesellschaft Herbert Riechelmann.

Der Wirksamkeitsnachweis für diese Implantate wurde in jahrelanger Forschungsarbeit erbracht.

Implantat kann Lebenserwartung steigern

„Mit diesem Implantat kann zwar nur eine kleine Gruppe von Patienten behandelt werden, aber bei ihnen ist wegen des stark erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos die Lebenserwartung herabgesetzt", sagt Riechelmann. Auf Grund verstärkter Tagesmüdigkeit hätten die Patienten oft auch ein erhöhtes Risiko für Sekundenschlaf am Steuer.

stol

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