Dienstag, 21. Juli 2020

Kind erleidet schwere Augen-Verletzung durch Desinfektionsmittel

„Auf der einen Seite brauchen wir Händedesinfektionsmittel, um uns vor dem Coronavirus zu schützen, andererseits kann es aber zu einer Gefahr für die Gesundheit werden“, betont Ulrich Tanzer aus Niederlana. Und er weiß, wovon er spricht, denn vor fast 3 Wochen hatte seine 3-jährige Tochter Judith Sophie wegen eines solchen Mittels eine schwere Augenverletzung erlitten.

Ein Kind aus Lana hat eine schwere Augenverletzung durch ein Desinfektionsmittel erlitten. (Symbolbild)
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Ein Kind aus Lana hat eine schwere Augenverletzung durch ein Desinfektionsmittel erlitten. (Symbolbild) - Foto: © dpa-tmn / Markus Scholz
Judith Sophie Tanzer stand am 2. Juli unter dem Händedesinfektionsmittelspender am heimatlichen Tannerhof in Niederlana. Ohne jegliche böse Absicht drückte ihre große Schwester darauf und sogleich geriet Desinfektionsmittel in die Augen der 3-Jährigen.

„Judith Sophie hat natürlich wie am Spieß geschrien“, erinnert sich Ulrich Tanzer. Bereits seit einigen Jahren gebe es am Hof einen Händedesinfektionsmittelspender, aber erst seit der Coronazeit hätten die Kinder Interesse daran gefunden, ergänzt Judith Sophies Mutter Manuela Mosna.

Die Eltern reagierten geistesgegenwärtig und versuchten, das rechte Auge der 3-Jährigen mit Wasser zu spülen, in das der größte Teil des Desinfektionsmittels geraten war. Das linke Auge sei zum Glück nur leicht irritiert gewesen, sagt Ulrich Tanzer, der Weiß-Kreuz-Helfer ist. Die 3-Jährige habe das rechte Auge aber aufgrund der Schmerzen nicht öffnen wollen, erinnert sich Manuela Mosna an die bangen Minuten. Mit großer Anstrengung sei es schließlich gelungen, das Auge 2-Mal kurz zu öffnen, um es zumindest grob zu spülen.



Auge betäubt und mit Medikamenten behandelt

Außerdem wurde über den Notruf 112 Hilfe geholt: Das Weiße Kreuz Lana brachte Judith Sophie Tanzer in das Meraner Krankenhaus, wo sie schnell behandelt wurde. „Das Händedesinfektionsmittel hatte einen großen Teil der Hornhaut des rechten Auges verätzt“, berichtet Mosna. „Zudem fanden die Ärzte einige Fetzen der Hornhaut im Auge.“ Einen Erwachsenen hätte man sofort operiert, bei einem Kind sei die Situation aber anders.

Das rechte Auge der 3-Jährigen musste betäubt und mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Am 3. und 4. Juli habe Judith Sophie Tanzer entweder geschlafen oder vor Schmerzen geschrien, blickt Mosna zurück. Eine Woche lang sei das rechte Auge geschwollen gewesen. Bei der Kontrollvisite eine Woche nach dem Unfall seien dann keine weiteren Schritte mehr nötig gewesen – dank der professionellen Hilfe in der Augenabteilung des Meraner Krankenhauses. Die beiden behandelnden Ärzte seien sehr zuvorkommend gewesen und hätten sich in Judith Sophies Situation hineingefühlt.

Folgeschäden wie Narben oder eine Beeinträchtigung der Sehstärke gebe es zum Glück keine, freuen sich die Eltern. Ulrich Tanzer und Manuela Mosna wollen das Händedesinfektionsmittel keinesfalls verteufeln, richten aber einen Appell an alle Eltern: Es sei wichtig, vorsichtig zu sein, denn Kinder sollten nie unbeaufsichtigt mit einem solchen Mittel in Berührung kommen.

Im bevorstehenden Bildungsjahr gebe es wohl in jedem Kindergarten und an jeder Schule Spender mit Händedesinfektionsmittel, weshalb das Fachpersonal gefordert sei, alle Augen offen zu halten, gibt Ulrich Tanzer zu bedenken.

fm