<BR /><BR />„Adipositas ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit“, sagt Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Sanitätsdirektor des St. Josef Gesundheitszentrums Meran-Bozen. Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Millionen Menschen in Europa sind von der chronischen Krankheit betroffen, bei der sich übermäßig Körperfett ansammelt. Hunderttausende Todesfälle stehen jedes Jahr damit in Zusammenhang.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74488416_quote" /><BR /><BR />Übergewicht ist aber mehr als nur eine zu hohe Zahl auf der Waage. „Fettgewebe ist kein passiver Energiespeicher“, erklärt Dr. Hannes Stoll, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie im St. Josef Gesundheitszentrum. „Es ist hormonell aktiv und beeinflusst zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper.“ Besonders das sogenannte viszerale Fett, das sich im Bauchraum rund um die Organe anlagert, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es sendet Botenstoffe aus, fördert Entzündungsprozesse und kann langfristig das Gleichgewicht im Körper verschieben. Die Folgen zeigen sich oft erst Jahre später – dann aber umso deutlicher: Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, gestörte Blutfette, Fettleber.<h3> Das metabolische Syndrom</h3>Mediziner sprechen häufig vom metabolischen Syndrom – eine systemische Stoffwechselstörung, bei der das gefährliche Zusammenspiel von Risikofaktoren die Entstehung schwerwiegender Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Typ-2-Diabetes, chronische Nierenerkrankung und Gefäßverkalkungen begünstigt. Diagnostische Merkmale des metabolischen Syndroms sind: vermehrtes Bauchfett, Insulinresistenz bzw. erhöhter Blutzucker, Bluthochdruck, gestörte Blutfettwerte. Besonders tückisch: Viele dieser Veränderungen bleiben lange unbemerkt.<BR /><BR />Ein Maß, das bei der Einschätzung des persönlichen Gesundheitsrisikos Orientierung gibt, ist der Taillenumfang. „Ein Wert über 80 Zentimetern bei Frauen und 94 Zentimetern bei Männern weist auf einen erhöhten Bauchfettanteil hin“, erklärt Dr. Stoll. Zusätzlich kann über eine Bioimpedanzanalyse (BIA) die Körperzusammensetzung bestimmt werden, also die Fett- und Muskelmasse sowie der Wasserhaushalt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74488430_quote" /><BR /><BR />Adipositas hat viele Ursachen: „Genetische Faktoren, ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sowie begünstigende Erkrankungen wie Depressionen, COPD oder hormonelle Störungen können eine Rolle spielen“, sagt der Internist. Die einfache Erklärung „zu viel gegessen, zu wenig bewegt“ greife zu kurz. Mit dieser Erkenntnis wächst auch ein wichtiger Perspektivenwechsel: weg von Schuldzuweisungen, hin zu einem besseren Verständnis der Erkrankung. „Es ist nicht Ihre Schuld, wenn Sie übergewichtig sind. Trotzdem haben nur Sie es in der Hand, daran etwas zu ändern“, appelliert Prof. Dr. Königsrainer an Betroffene. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74488435_quote" /><BR /><BR />Hier liegt die Chance. Denn so komplex die Ursachen sind, so vielfältig sind die Möglichkeiten gegenzusteuern. „Der Schlüssel liegt nicht in radikalen Diäten, sondern in einer nachhaltigen Lebensstiländerung“, sagt Ernährungstherapeutin Brigitte Vinatzer. Entscheidend sei, dass Veränderungen zum eigenen Alltag passen und langfristig durchgehalten werden können.<BR /><BR />Ein zentrales Element ist die Ernährung. Besonders gut untersucht ist die mediterrane Kost: viel Gemüse, eine ausgewogene Menge an Getreide- und Milchprodukten, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, hochwertiges Olivenöl, dazu Fisch und nur wenig Fleisch. Das gilt als wissenschaftlich belegte Grundlage zur Vorbeugung von Adipositas und Folgeerkrankungen. <BR /><BR />Auch Bewegung spielt eine Schlüsselrolle. Mindestens 30 Minuten Bewegung pro Tag stellen einen wesentlichen Baustein der Prävention dar. Ideal ist eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport. Ganz allgemein sollte man sich einen aktiven Lebensstil angewöhnen: Treppe statt Aufzug, Auto öfter stehen lassen und zu Fuß gehen, beim Sitzen immer wieder aufstehen. <h3> Von „Abnehmspritze“ bis Operation</h3>Nicht immer führt eine konsequente Lebensstiländerung zum gewünschten Erfolg. Für manche Betroffene bleibt das Gewicht trotz gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung hartnäckig bestehen. „Dann können zusätzliche Therapieoptionen sinnvoll sein“, erklärt Internist Dr. Hannes Stoll. Dazu zählen moderne Medikamente wie sogenannte GLP-1- und GIP-Analoga – oft als „Abnehmspritze“ bezeichnet. Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid greifen in die Appetitregulation ein: Sie verstärken das Sättigungsgefühl und helfen, die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. <BR /><BR />Medikamente sind aber kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung sowie einer angepassten Ernährung. „Entscheidend ist die Kombination aus Ernährung, Bewegung und – wenn nötig – medizinischer Therapie“, betonen Dr. Hannes Stoll und Ernährungstherapeutin Brigitte Vinatzer. In schweren Fällen kann auch ein chirurgischer Eingriff zur Reduktion der Kalorienzufuhr in den Körper notwendig sein. Doch auch hier gilt: Ohne begleitende Lebensstiländerung bleibt der langfristige Erfolg begrenzt.