Wattestäbchen können zu Hörminderung und Druckgefühl bis zu Schwindelgefühl und Tinnitus führen, warnt der Mediziner. <BR /><BR /><BR />Von Brigitta Willeit<BR /><BR /><BR />Eines gleich vorweg: Ohrenschmalz hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Das fettige, gelb-bräunliche Sekret wird von den Zeruminal- und Talgdrüsen im Gehörgang produziert und hat eine wichtige Aufgabe im Ohr. „Das Ohrenschmalz, das wir in der medizinischen Fachsprache Zerumen nennen, bildet einen Schutzfilm, der durch sein saures Milieu, die Fettsäuren und den antibakteriell wirkenden Lysozymen die Gehörgangshaut wirksam schützt. Außerdem verhindert das Ohrenschmalz, dass Schmutzpartikel, Staub, Fremdmaterialien oder auch Insekten in das Ohr eindringen“, erklärt der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Dr. Johannes Schnabl. <BR /><BR />Das Sekret ist also keineswegs Schmutz, der ständig entfernt werden muss, sondern ein wichtiger und wirksamer Schutz für das Ohr. Die Reinigung des Gehörganges übernimmt das Ohr normalerweise selbst. Kleinste Flimmerhärchen transportieren das überschüssige Ohrenschmalz kontinuierlich vom Trommelfell in Richtung Ohrmuschel. Dort kann es problemlos mit dem Finger oder einem feuchten Lappen entfernt werden. <BR /><BR /><b>„Wirken wie Pfeifenstopfer“</b><BR /><BR />Um aber auch an Stellen zu kommen, die mit dem Finger nicht mehr zu erreichen sind, wird so mancher äußerst erfinderisch. Von Stricknadeln, Zahnstochern oder aufgebogenen Büroklammern kann man mitunter hören und lesen. Korkenzieherartige Instrumente sind auch Dr. Schnabl in seiner Praxis bereits untergekommen. Am häufigsten wird allerdings zu Wattestäbchen gegriffen, mitunter auch zu Ohrenkerzen. Von allem rät der HNO-Facharzt ab. <BR /><BR />„Eine Manipulation durch Wattestäbchen oder ähnliche Putzhilfen kann zu Verletzungen der Gehörgangshaut und schlimmstenfalls auch des Trommelfells führen“, erklärt er. Wattestäbchen wirken meist wie Pfeifenstopfer. „Der größte Teil des Ohrenschmalzes wird von außen in die Tiefen des Gehörganges zum Trommelfell hin geschoben.“ Ist der Gehörgang durch den Schmalzpropfen erst verschlossen, ist der Schaden bereits angerichtet. Dann sind eine Hörminderung und ein Druckgefühl bis hin zu Schwindel und Tinnitus nicht selten. <BR /><BR /><BR />Durch den Einsatz von Wattestächen kann auch die Haut des Gehörganges austrocknen, was zu einem starken Juckreiz im Ohr führt. Auch die Gefahr einer Gehörgangsentzündung durch Bakterien oder auch Pilze steigt durch die Manipulation mit unterschiedlichen Gerätschaften, sagt Dr. Schnabl.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48706819_quote" /><BR /><BR /><BR />Auch von Ohrenkerzen hält er wenig. „Sie können das Ohrenschmalz verflüssigen, das in der Folge dann sehr oft in die Tiefe und über das Trommelfell fließt. Wenn es sich dann dort wieder verhärtet, ist das wie ein Kleber, der meist sehr schwer zu entfernen ist und sich in vielen Fällen oft erst nach Wochen oder Monaten von selbst löst“, erklärt der Facharzt. <BR /><BR />In den meisten Fällen sollte man deshalb auf die Selbstreinigungsfähigkeit seiner Ohren vertrauen und nicht selbst Hand anlegen. Vor allem wenn das Ohrenschmalz eine weichere und flüssigere Konsistenz hat, reicht es als Hygienemaßnahme, wenn man das Ohr beim Duschen mit klarem, lauwarmen Wasser und wenig Druck spült. „Das gilt allerdings nicht für Patienten mit einem beschädigten Trommelfell“, betont Dr. Schnabl. Keinesfalls sollte man mit einem harten Wasserstrahl zur Werke gehen: Das Trommelfell ist nämlich sehr empfindlich.<BR /><BR /><BR /><b>Wenn die Selbstreinigung nicht funktioniert</b><BR /><BR /><BR />Es gibt aber auch Fälle, in denen der Selbstreinigungsmechanismus des Ohres nicht mehr funktioniert. Sehr enge Gehörgänge, sehr starke Ohrenschmalzproduktion, sehr trockene Haut, Schuppenflechte, Ekzeme oder eine Veränderung der Sekretion können den Abtransport des Ohrenschmalzes erschweren. Dann muss das Ohr professionell gereinigt werden. „Wie viel Ohrenschmalz gebildet wird, ist individuell unterschiedlich und hängt mit dem Stoffwechsel zusammen. Enge Gehörgänge wiederum sind anatomisch bedingt. Deshalb kann es sein, dass manche Personen alle paar Monate zum Entfernen des Ohrenschmalzes bei einem Arzt vorstellig werden müssen und andere wiederum nur alle paar Jahre oder auch seltener“, sagt Dr. Schnabl. <BR /><BR />Er rät zu einer professionellen Gehörgangsreinigung je nach Grad der Ohrenschmalzproduktion vor Beginn der Badesaison bzw. vor einem Schwimm- oder Tauchurlaub. Ein Propfen kann sich nämlich nicht nur durch das Hantieren mit Wattestäbchen bilden, sondern auch nach Wasserkontakt: Dann quillt der Propfen auf und verschließt den Gehörgang, was Auswirkungen auf das Gehör hat. <BR />