Dass Babys schreien, gehört dazu – und trotzdem kann es Eltern an die Grenze bringen. Viele erleben in den ersten Monaten Phasen, in denen ihr Kind sehr häufig und sehr intensiv weint und kaum schläft.<BR /><BR /> Man probiert alles: tragen, stillen, wickeln, beruhigen – und doch wird es nicht besser. Mit jeder Minute wachsen Erschöpfung, Verzweiflung und das Gefühl, zu versagen. In dieser Überforderung, es sind nur wenige Sekunden, verlieren die Eltern die Beherrschung über sich selbst und können in ihrer Verzweiflung und Überforderung das Baby zu schütteln beginnen.<BR /><BR /> „Da bei einem Baby die Nackenmuskulatur noch zu wenig ausgebildet ist und es seinen Kopf noch nicht gut stabilisieren kann, kann dies zu einem Schütteltrauma mit schwerwiegenden, lebensgefährlichen Folgen führen“, sagt die Entwicklungspädiaterin und Expertin auf dem Gebiet der Schlaf-, Schrei- und Fütterproblematiken des Säuglings und Kleinkindes, Dr. Micòl Cont.<BR /><BR />Dauerhaftes Schreien kann unglaublich belasten – besonders, wenn man ohnehin müde ist und sich alleingelassen fühlt. Eltern wollen ihr Kind schützen und beruhigen. Wenn aber nichts hilft, steigt die Anspannung, manchmal sogar Wut oder das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.<h3> Wenn es doch passieren sollte?</h3>Ein Schütteltrauma ist eine schwere Verletzung des Gehirns und anderer empfindlicher Strukturen, die durch heftiges Schütteln entstehen kann. Die Folgen reichen von bleibenden körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen bis hin zum Tod: Nach einem Schütteltrauma bleiben Babys nur selten ohne Schäden. Viele Kinder leben mit schweren Einschränkungen weiter – manche überleben nicht. „Darum ist Prävention so wichtig, und darum lohnt es sich, früh Hilfe zu holen“, betont Dr. Cont. „Wenn es dennoch passiert: ruhig bleiben und sofort Hilfe holen“, sagt Dr. Cont, denn wenn ein Baby geschüttelt wird, zählt jede Minute.<h3> Babygeschrei geht unter die Haut – das ist kein Zufall</h3>Babygeschrei geht unter die Haut – das ist kein Zufall. Es soll Erwachsene aufmerksam machen, damit sie hinschauen und reagieren. „Ein Baby möchte seinen Eltern mit dem Schreien meistens etwas sagen: Hilf mir, ich habe Hunger, ich brauche saubere Windeln, ich brauche deine Nähe, ich habe zu kalt, ich habe zu warm, ich bin müde ...“, sagt die Entwicklungspädiaterin.<BR /><BR />Aber gerade in den ersten Wochen schreien viele Babys auch, ohne erkennbare Ursache wie Hunger oder Schmerz. „Dieses unspezifische Schreien nimmt häufig bis etwa zur sechsten Lebenswoche zu. Viele Babys weinen dann zwei bis drei Stunden am Tag, oft besonders am Abend. Danach wird es meist allmählich leichter.“ Bei den meisten Kindern ist diese Phase nach ungefähr drei Monaten deutlich abgeschwächt, so die Entwicklungspädiaterin. „Das unspezifische Schreien ist ein normales Verhalten, das die Eltern-Kind-Beziehung fordert, aber meist von selbst wieder verschwindet.“<BR /><BR />Wichtig ist: Eltern müssen das nicht allein schaffen. Früh Entlastung anzunehmen ist kein Scheitern, sondern verantwortungsvoll für die Eltern selbst und für das Baby.