Donnerstag, 10. September 2015

Schwester Mirjams Sauger für Schwerkranke

Ein medizinischer Sauger – ähnlich einem Schnuller – soll künftig schwerkranken oder gerade aus der Vollnarkose erwachten Menschen Hilfe und Linderung verschaffen. Die Produktidee stammt von einer Südtiroler Nonne: Tertiarschwester Mirjam Volgger, Koordinatorin der Marienklinik.

Die Idee für den Mundpflege-Sauger - genannt "Medical Soother" - stammt von Tertiarschwester Mirjam Volgger.
Die Idee für den Mundpflege-Sauger - genannt "Medical Soother" - stammt von Tertiarschwester Mirjam Volgger.

Schwester Mirjam Volgger bemerkte in ihrer Tätigkeit als Krankenschwester, dass Nahrungsentzug in Folge einer Operation oder lange Beatmungszeiten in kurzer Zeit das physiologische Gleichgewicht der Mundschleimhäute verändern.

Symptome verzögern Heilungsverlauf

Die Folge: die Patienten litten unter Trockenheit, Rhagaden und Aften. Diese Symptome sind unangenehm und schmerzhaft und können den Genesungsverlauf ungemein verzögern“, erläutert Mirjam Volgger. 

Bislang habe man sich in solchen Fällen nur behelfen können, indem man Eiswürfel oder Obst auf eine hölzerne Zungenspatel gab und diese mit Baumwollgazen umwickelte. Die Patienten konnten dann die Flüssigkeit durch die Baumwollgaze aufsaugen. Andernfalls mussten Substanzen zur Anregung der Speichelproduktion verabreicht werden.

Das Problem bei der Spatel-Lösung: Patienten empfanden es als nicht sonderlich angenehm wenn im Mund herumgestochert wurde. Zudem stieß die speichelanregende Lösungen bei den Patienten, aufgrund des unnatürlich sauren Geschmacks, auf geringe Akzeptanz.

Mirjam, sagt uns die Lösung

Die Idee eines medizinischen Saugers von Schwester Mirjam Volgger ist nun Wirklichkeit geworden. 

 

Die Beteiligten: Michaela Egebrecht vom TIS, Gerhard Tratter, Geschäftsführer und Eigentümer von Tratter Engineering, Tertiarschwester Mirjam Volgger und Martin Oberhauser von formAxiom. - Foto: TIS/Martina Jaider

Entwickelt wurde der Prototyp vom Automotiv-Unternehmen Tratter Engineering und dem Designstudio formAxiom in Bozen, gemeinsam mit Krankenpflegerin Sabine Kaserer vom Gesundheitsbezirk Bozen. 

Die ersten zwei Prototypen

Es entstanden die ersten beiden Prototypen des „Medical Soother“: einer in geschmacksneutralem Elastan und einer mit einem feinen Netz aus Baumwolle.

Die Elastan-Variante ist für das Verabreichen von Flüssigkeiten gedacht, mit der Baumwoll-Lösung können Patienten Obst und Gemüse zu sich nehmen. Dadurch lässt sich auch die typische Mundtrockenheit von Personen bekämpfen, die eine Vollnarkose hinter sich haben. Ganz wichtig ist dabei, dass die Patienten mit bekannten Geschmacksstoffen behandelt werden, denn dadurch werden die Geschmacksknospen im Mund trainiert.

Ein Sauger und kein Schnuller

„Mit dem Sauger geht es darum, das Leiden teils schwerkranker Menschen zu lindern. Darum legen wir Wert darauf, dass der Medical Soother auch als Sauger und nicht als Schnuller bezeichnet wird“, so Michaela Egebrecht vom TIS. Der verniedlichende Begriff Schnuller verletze die Würde kranker Menschen, die auf den Medical Soother angewiesen sind.

Medical Soother kommt auf den Markt

Auch für das kunststoffverarbeitende Unternehmen Tratter Engineering, das normalerweise im Automotivsektor tätig ist, war es eine Herausforderung, sich in die Situation von Patienten hinein zu versetzen, die nur über eingeschränkte motorische Fähigkeiten verfügen.

„Nachdem wir nun die für die Lebensmittelproduktion erforderliche Hygiene-Zertifizierung erhalten haben, lancieren wir den Medical Soother auf dem Markt“, so Geschäftsführer und Eigentümer Gerhard Tratter.

stol

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