<b>Von Gerold Thaler</b><BR /><BR />Die Vergangenheit wird ganz oft (manchmal auch zu sehr) als negativ betrachtet. Immer wieder heißt es: „Lass doch die Vergangenheit ruhen!“ Klar, bezogen auf Erlebnisse, die uns negativ geprägt haben, die uns nicht glücklich gemacht haben, wird diese Überzeugung stimmen. Aber die Vergangenheit hat eine sehr wichtige Funktion: für unser Zeitbewusstsein und für unser Selbstbewusstsein.<BR /><BR />Es macht Sinn, sich gelungene Dinge und positive Erfahrungen ins Bewusstsein zu holen.<h3> Die Vergangenheit als Kraftquelle</h3>Die Vergangenheit kann unser Selbstvertrauen stärken. Je nachdem, wie wir die Vergangenheit interpretieren. Aber es ist so, dass die Vergangenheit, die wir in Erinnerung haben, nicht immer die volle Wahrheit darstellt. Unsere Erinnerungen sind keine Aneinanderreihung von Fakten. Vielmehr ist es so, dass wir uns die Vergangenheit selbst konstruieren. Manchmal negativer, als sie wirklich war, und manchmal positiver.<BR />Grundsätzlich denken wir über negative Erlebnisse leider häufiger nach als über positive. Sie kennen es vielleicht: Über einen Witz lachen wir nur einmal, während wir über Dinge, auf die wir nicht stolz sind, immer und immer wieder grübeln. Wir möchten es gerne ungeschehen machen. Wir möchten, dass wir anders gehandelt hätten. Und wir sehnen uns herbei, dass wir es nochmals anders erleben, dass wir nochmals anders handeln könnten.<BR /><BR />Deshalb geht es mir darum zu sagen, dass wir die Vergangenheit so nutzen sollten, dass wir sie besser in Erinnerung behalten. Nicht, um die Tatsachen zu verdrehen, sondern vielmehr, um die positiven Dinge vermehrt in den Vordergrund zu stellen.<BR /><BR />Wer kennt es nicht? Gegenwind spüren wir sofort, Rückenwind kaum. Deshalb ist es sinnvoll, dass wir unsere Heldentaten ständig und immer wieder in Erinnerung rufen. Dass wir uns immer wieder viele Erfolge ins Bewusstsein holen, seien sie auch noch so klein. Das erlaubt uns in der Folge, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir sollten von der Vergangenheit lernen, nicht daran zerbrechen.<h3> Aus Erinnerungen Selbstvertrauen schöpfen</h3>Dabei steht uns möglicherweise der Glaubenssatz im Weg: „Ei<?TrVer> genlob stinkt“. In diesem Fall rate ich, diesen zu ersetzen mit: „Eigenlob stimmt“. Wer sich regelmäßig an positive Erfahrungen erinnert und seine Erfolge bewusst wahrnimmt, entwickelt ein stabileres Selbstvertrauen. Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung: Wir sehen mehr Möglichkeiten statt Hindernisse.<BR /><BR />Natürlich könnten Sie nun einwenden, dass es nicht sinnvoll ist, sich ständig mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Und das stimmt. Wer in alten Problemen verharrt, blockiert sich selbst. Doch genau hier liegt der Unterschied: Es geht nicht darum, in der Vergangenheit zu leben, sondern aus ihr zu lernen.<BR /><BR />Zeitbewusstsein bedeutet, alle Zeitdimensionen – die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft – bewusst zu nutzen. Genau darin liegt ein Schlüssel zum Aufbau von Selbstvertrauen. Nur in der Vergangenheit zu verharren, ist sicher nicht optimal. Wer das versteht, erkennt: Selbstvertrauen entsteht nicht zufällig. Es wächst aus dem bewussten Umgang mit unserer Zeit.<BR /><BR /><BR /><h3> Zum Autor</h3>Gerold Thaler ist Berufsschullehrer an der Landesberufsschule (LBS) Gutenberg in Bozen, Autor des Buches „Vom Zeitmanagement zum Zeit- bewusstsein“ (Springer Gabler, 2025, 147 S.) sowie Zeitmanagement- Experte. Infos auf www. <a href="https://geroldthaler.it/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">geroldthaler.it</a>)