1500 Südtiroler erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt, den die allermeisten dank schneller Hilfe überleben. Wie man einen solchen vermeidet, aber auch wie man danach weiterlebt und vor allem, wie es um das Liebesleben danach steht, das war zentrales Thema des diesjährigen Weltherztages. <BR /><BR />Die Südtiroler Herzstiftung hat zum heurigen Weltherztag bewusst ein Thema aufgegriffen, das ein Tabu ist – bei Ärzten, aber auch bei den Patienten: das Sexualleben mit einem kranken Herzen. <BR /><BR />Zunächst ging es bei der Informationsveranstaltung im Bozner Sheraton-Hotel um die Prävention. Prof. Dr. Heribert Schunkert, der ärztliche Direktor des deutschen Herzzentrums München und Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen, verwies darauf, dass die moderne Medizin und die Prävention viel bewirken können: Seit 1840 sei die Lebenserwartung kontinuierlich gestiegen, pro Dekade um 2,3 Jahre. Außerdem halbiere sich die Infarktsterblichkeit alle 20 Jahre. <h3> Schäden durch Feinstaub</h3>„Wir altern also und wollen das in Gesundheit und mit Freude tun“, erklärte er. Weil der Mensch vor allem über die Gefäße altere, gelte es, diese elastisch und frei von Ablagerungen zu halten. „Dafür müssen die Risikofaktoren vermieden werden, die erwiesenermaßen Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte sind“, zählte Prof. Schunkert auf. <BR /><BR />Ein gesundes Leben mit viel Bewegung und maßvoller Ernährung wirken diesen Faktoren entgegen. Ihren Beitrag leiste auch die Umwelt. So wirke sich beispielsweise Feinstaub auch negativ auf die Gefäßgesundheit aus. „Und schließlich geht es auch um die Behandlung, also dass man zum Beispiel einen Bluthochdruck behandeln lässt“, erklärte Prof. Schunkert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="816818_image" /></div> <BR /><BR />Prof. Dr. Armin Pycha, Primar der Urologie im Krankenhaus Bozen, ging anschließend auf die Fragen ein, die in vielen Gesprächen zwischen Infarktpatienten und ihrem Arzt nicht zur Sprache kommen: Muss man nach einem Infarkt auf sexuelle Aktivitäten verzichten? Kann Sex das vorgeschädigte Herz überfordern? <BR /><BR />Fragen, die auch deshalb unbedingt aus der Tabuzone geholt werden müssten, weil jeder fünfte Herzinfarktpatient zwischen 18 und 55 Jahre alt ist und laut Studien jeder vierte Herzinfarktpatient seine vorherige sexuelle Aktivität nicht mehr aufnehme – aus Angst und Unwissenheit.<BR /><BR /> Dabei zeige die Datenlage, dass sexuell aktive Menschen nach einem Herzinfarkt länger leben als inaktive Patienten. „Sex ist also ein Faktor für Gesundheit und langes Leben“, folgerte Dr. Pycha. Körperliche Einschränkungen, seelische Probleme und auch Medikamente würden dem Liebesleben von Patienten mit Herzkreislauferkrankungen oft Grenzen setzen. Grundsätzlich spreche aber nichts gegen Zärtlichkeiten in der Beziehung und auch nichts gegen Sex nach einem Herzinfarkt, betonte Dr. Pycha. <h3> Faktor für ein längeres Leben</h3>„Wer 2 Stockwerke ohne Probleme schafft, für den ist auch Sex kein Problem“, brachte es der Primar verkürzt auf den Punkt. Er bedauerte, dass dieses Thema derart tabuisiert werde und sah diesbezüglich sich und seine Ärztekollegen sehr gefordert. <BR />Dies sei aber nicht nur in Südtirol ein großes Manko, sondern auch in Deutschland, bestätigte Prof. Schunkert. <BR /><BR />Auch Psychologin Andrea Andersag ging auf das Thema ein und erklärte, dass Ängste und Sorgen nach einer Herzkreislauferkrankungen normal seien. Wenn sie allerdings über Wochen bestehen, das Leben stark einschränken und zu Problemen in Partnerschaft und Familien führen, sollte man Hilfe holen und das Gespräch suchen – mit Partner und Angehörigen, aber auch mit dem Arzt.<BR />