<b>Von Albert A. Feldkircher</b><BR /><BR />Eines gleich vorweg: Ich selbst lebe nicht in einer Fernbeziehung. Aber in der langjährigen Arbeit mit Paaren und Männern ist mir bewusst geworden, wie wichtig und komplex dieses Thema ist. Auch weil es einen Trend zu Fernbeziehungen gibt. Siehe Zahlen aus Deutschland: Dort leben laut Studien circa 1,7 Millionen Paare mehr als 100 Kilometer entfernt voneinander, Tendenz steigend. <BR /><BR />„Liebe auf Distanz“ ist also gar nicht so selten. Vormals waren es z.B. Studenten, die sich auf Fernbeziehungen einließen. Aber da es heutzutage nötig ist, beruflich mobil und flexibel zu sein, gibt es in allen Altersklassen vermehrt Fernbeziehungen. Hinzu kommt, dass Online-Dating altersunabhängig boomt, wodurch sich der Suchradius automatisch erweitert. <h3> Wie oft sollte man sich in einer Fernbeziehung sehen?</h3>In der Regel reden wir hier von einer Wochenendbeziehung. Beide Partner sind berufstätig oder in der Woche anderweitig eingebunden. Überlegt man sich aber, wie oft sich Paare in einer Arbeitswoche effektiv sehen, verbringt man in einer Wochenendbeziehung eigentlich gar nicht so viel weniger Zeit miteinander. Was aber fehlt, ist die Alltagsroutine. Und die schafft auch Zusammenhalt, der nicht unterschätzt werden sollte.<h3> Welche Probleme können entstehen?</h3>Laut einer Studie dauert die durchschnittliche Fernbeziehung zwei Jahre. Der Zeitraum der Sehnsucht, des Wartens und der Abschiede ist also absehbar. Danach ziehen die Paare zusammen oder trennen sich. Denn: Die Liebe kann an der Distanz zerbrechen. Manche Paare können durch den mangelnden gemeinsamen Alltag keine richtige Nähe aufbauen. So entsteht kein Wir-Gefühl. Und: Frauen sind angeblich eher bereit, eine Fernbeziehung zu führen, weil sie durch Gespräche viel Vertrautheit herstellen, während Männern offenbar gemeinsame Unternehmungen wichtiger sind.<h3> Wie gehe ich mit Sehnsucht in der Fernbeziehung um?</h3>Sehnsucht scheint jedenfalls der größte Feind der Liebe zu sein. Aber letztlich ist sie auch ein Beweis dafür, dass Liebe mit im Spiel ist. Insofern wird es ohne nicht gehen. Man muss also lernen, damit umzugehen, am besten gemeinsam. Ob in Telefonaten, Chats, Briefen und Mails – wichtig ist: Finden Sie einen Ort in Ihrem Kopf, wo die Sehnsucht einen Platz hat; aber kümmern Sie sich auch um die anderen Orte, lenken Sie sich ab, tun Sie Dinge, die vielleicht nur Sie interessieren. Zwar geht die Sehnsucht mit einem Hobby nicht weg. Aber sie ist dann nicht mehr alles bestimmend.<h3> Fünf Tipps für eine gute Fernbeziehung:</h3><b>1. Schmieden Sie gemeinsam Pläne!</b> Wie jede andere Beziehung auch, lebt die Liebe auf Distanz davon, dass sie nicht nur aus Vergangenheit und Gegenwart, sondern vor allem aus Zukunft besteht. Schaffen Sie also gemeinsame Perspektiven! Träumen Sie zusammen: Wo werden Sie später leben? Wie soll Ihr Haus aussehen? Möchten Sie gemeinsame Kinder? … Wichtig ist der gemeinsame Traum. Dazu gehören mittelfristig auch gemeinsame Urlaube und Reisen.<BR /><BR /><b>2. Telefonieren, „whatsappen“, chatten Sie!</b> Wir leben im 21. Jahrhundert, noch nie war Kontakt trotz Distanz so einfach. Natürlich ersetzt das Smartphone nicht die Wärme und Nähe Ihres/r Liebsten, aber es kann helfen, die Sehnsucht abzumildern. Lassen Sie sich gegenseitig an Ihrem Alltag teilhaben. Und vergessen Sie nicht, dass es auch ganz altmodisch geht: Eine witzige Postkarte, ein romantischer Liebesbrief, ein liebevolles Päckchen mit den Lieblingssüßigkeiten und einer persönlichen Notiz – wer würde sich da nicht freuen?<BR /><BR /><b>3. Feste Rituale geben Sicherheit!</b> Trotz Distanz braucht es eine Beziehungskultur, die ein Wir-Gefühl vermittelt. Dazu gehören kleine, verlässliche Rituale, wie sich „Guten Morgen“ und „Gute Nacht“ zu sagen. Vielleicht sogar online zu zweit frühstücken oder abends gemeinsam essen und sich dabei austauschen?<BR /><BR /><b>4. Bleiben Sie geduldig und verbindlich!</b> Wichtig ist, dass beide Partner gegenseitig das Verständnis mitbringen, dass es Geduld und Toleranz braucht, bis sich beide in dieser neuen Beziehungsform eingerichtet haben und damit zurechtkommen. Dazu gehören verbindliche Regeln, die das Gefühl geben, dass diese Beziehung verlässlich ist. Ehrlichkeit spielt also eine zentrale Rolle.<BR /><BR /><b>5. Schaffen Sie gemeinsame Erinnerungen!</b> Kennen Sie das vertraute Gefühl, wenn Sie in einer Beziehung über gemeinsame Erlebnisse sprechen und Witze machen, die niemand sonst versteht? Das schafft Nähe und sorgt für Stabilität, die besonders in Fernbeziehungen wichtig ist. Oder: Sie verabreden sich, z. B. gemeinsam einen Film zu schauen – gleichzeitig am jeweiligen Wohnort. Währenddessen tauschen Sie sich aus – die Form spielt dabei keine Rolle.<BR /><BR />Selbst wenn Sie weiterhin kein Fernbeziehungs-Fan sind, wissen Sie nun, wie Liebe auf Distanz erträglicher sein kann: Schaffen Sie Verbindlichkeit, setzen Sie auf Rituale und denken Sie daran, dass diese Situation nicht für ewig ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1230027_image" /></div>