Mehrere Studien zeigen, dass die Tiergestützte Therapie psychologische Veränderung und Verbesserung bringen kann.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Die Tiergestützte Therapie ist als solche noch ziemlich jung. „Zwar gab es im 18 Jahrhundert bereits erste Versuche, doch den großen Aufschwung erlebte sie erst in den vergangenen 20 Jahren“, weiß die in Wien lebende Psychologin Susanne Kerschbaumer. „Die Tiergestützte Therapie ist noch keine geschützte Berufsbezeichnung, aber es gibt einen Europäischen Dachverband (ESAAT), der die Therapie mithilfe von Tieren genau definiert.“<BR /><BR />Wichtig ist hier zu unterscheiden zwischen der Tiergestützten Therapie und Assistenztieren. „Blinden- oder Epilepsiehunde, Spaziergänge mit Tieren und so weiter fallen nicht in den Bereich der Tiergestützten Therapie. Denn während beispielsweise Assistenzhunde den ganzen Tag bei dem Patienten sind und dabei helfen sollen, den Alltag zu erleichtern kommt bei der Tiergestützten Therapie der Hund nur im Rahmen der Therapiestunde zum Einsatz. Zudem ist das Ziel nicht, den Alltag zu erleichtern, sondern Verhaltensveränderungen und einen emotionalen Zugang zu fördern“, so Kerschbaumer. <BR /><BR /><b>Warum genau Tiere?</b><BR /><BR />Dass die Tiergestützte Therapie und der Umgang mit Tieren im allgemeinen positive Auswirkungen auf den Menschen hat, wurde in den vergangenen Jahrzehnten von mehreren Studien bewiesen. „Es konnte festgestellt werden, dass die Anwesenheit von Haustiere einen höheren stressreduzierenden Einfluss auf Menschen hat, als die Anwesenheit von Freunden. Auch wenn kein Körperkontakt mit dem Tier stattfindet, hat es einen beruhigenden Effekt auf den Menschen“, so die Psychologin. Und weiter: „Die Anwesenheit eines Haustiers führt sogar nachweislich zu einer Senkung von Blutdruck und Pulsschlag.“<BR /><BR />Doch warum reagiert der Mensch so auf Tiere? Dazu gibt es mehrere Theorien. „Die Biophilie-Hypothese wurde 1984 von dem Biologen Edward O. Wilson und seinem Kollegen Kellert veröffentlicht. Sie besagt, dass der Mensch, aufgrund der gemeinsam durchlebten Evolution, ein angeborenes Interesse oder eine grundlegende Verbundenheit zur Natur und allem Lebenden hat. Durch diese Verbundenheit ist der Mensch in der Lage, Tiere und die Natur um sich herum einzuschätzen, was ihm einen großen Überlebensvorteil verschafft“, so Susanne Kerschbaumer. Doch dass die Verbindung zu den Tieren rein evolutionäre Gründe hat, bezweifelt sie. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-52189407_quote" /><BR /><BR />„Tiere sind auch deshalb für Menschen von großer Bedeutung, weil sie nicht werten. Sie nehmen jeden Menschen bedingungslos an.“ Besonders Menschen, die unter Mobbing oder sozialer Ablehnung leiden können durch die Tiere neue, positive Erfahrungen der Akzeptanz machen. „Denn im Umgang mit einem Tier kann man genau so sein, wie man ist, ohne abgelehnt zu werden“, fügt die Psychologin hinzu. <BR /><BR /><BR />Aber nicht nur die bedingungslose Akzeptanz macht die Tiergestützte Therapie so erfolgreich. Auch die Art und Weise der Kommunikation kann Patienten mit psychologischen Problemen oder Krankheiten helfen. „Wir unterscheiden zwischen der analogen und der digitalen Kommunikation. Zur analogen Kommunikation gehören Dinge wie Mimik, die Stimmlage, die Körperspannung oder der Blickkontakt. Die Digitale Kommunikation bezeichnet hingegen den Inhalt des Kommunizierten.“ <BR /><BR /><b>„Keine Doppelbotschaften“</b><BR /><BR />Und genau hier liegt das „Problem“. „Der Mensch sagt manchmal eine Sache, denkt in Wahrheit aber etwas ganz anderes. Durch diese Doppelbotschaften in der menschlichen Kommunikation kommt es zu Authentizitätsunsicherheiten.“ Hunde – und alle anderen Tiere ebenfalls – können hingegen nur auf der analogen Ebene kommunizieren. <BR /><BR />„Das bedeutet, dass sie keine Doppelbotschaften verwenden können. Aus diesem Grund sind automatisch in der zwischenmenschlichen Kommunikation sehr viele Schutzmechanismen aktiv. In der Kommunikation mit Tieren fallen diese hingegen aufgrund der reinen analogen Kommunikation vom Menschen ab. Das Tier gibt dem Menschen nämlich ein unmittelbares und ehrliches Feedback, woraus sich viel mehr Vertrauen und Bindung aufbauen lässt.“ <BR /><BR /><b>So hilft die Tiergestützte Therapie</b><BR /><BR />Dass die Tiergestützte Therapie psychologische Veränderung und Verbesserung bringen kann, wurde bereits in einigen Studien gezeigt. „Beispielsweise konnte nachgewiesen werden, dass das Gefühl von Einsamkeit vor allem bei Pflegebewohnern durch Tiere signifikant reduziert werden konnte. Und auch Krebspatienten erlebten durch die Therapie ein gesteigertes emotionales Wohlbefinden.“ Auch Menschen mit Ängsten oder Patienten mit Schizophrenen Krankheitsbildern half die Tiergestützte Therapie dabei, sich besser im ihrem Leben zurechtzufinden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52189408_quote" /><BR /><BR /><BR />Susanne Kerschbaumer hat im Rahmen ihrer eigenen Therapiestunden auch schon ihren Hund Caspar eingesetzt. „Besonders bei Kindern, die sehr schüchtern sind oder gar nicht reden wollen, kann der Hund helfen, die Barrieren aufzubrechen.“ Aber nicht nur. Im Rahmen ihrer Arbeit in einem Institut für entwicklungsgefährdete Kinder und Jugendliche in Wien war Caspar besonders hilfreich dabei, Empathie zu fördern.<BR /><BR /> „Kinder, die eine Störung im Sozialverhalten aufweisen, haben oft Schwierigkeiten die Perspektiven eines anderen Tieres oder Menschen einzunehmen. In dem Fall ist die Konfrontation der Kinder mit Caspar sehr hilfreich.“ Denn der Hund reagiert sofort und ehrlich auf jedes Verhalten der Kinder. „Er zeigt ihnen, dass er Angst hat oder dass er sich freut – während wir Menschen oft diese Gefühle nicht nach außen zeigen“, weiß Kerschbaumer. Eben diese offene Gefühlskommunikation hilft den Kindern und Jugendlichen zu lernen, andere Perspektiven einzunehmen.<BR /><BR /><b>Verhaltensweisen ändern</b><BR /><BR />Hunde oder andere Tiere können im Rahmen der Tiergestützten Therapie den Patienten daher nicht nur Sicherheit und das Gefühl von Akzeptanz geben. Sie helfen auch dabei, Verhaltensweisen schrittweise zu verändern und Barrieren zu überbrücken. <BR /><BR />Dabei ist die Rasse des Hundes nicht von Bedeutung. „Es ist nicht so, wie viele glauben, dass der Golden Retriever oder der Labrador besonders geeignete Therapiehunde sind. Wichtig für einen guten Therapiehund ist, dass er zugänglich, offen und kontaktfreudig ist und mit Stresssituationen umgehen kann. Diese Eigenschaften kann sowohl ein Labrador, als auch ein Mischling haben.“ <BR />