Chronische Müdigkeit lässt sich meist mit einfachen Mitteln vertreiben – aber manchmal steht auch ein gesundheitliches Problem dahinter.<BR /><BR />Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel und Kreislaufprobleme sind typische Symptome der Frühjahrsmüdigkeit. Verursacht wird sie vor allem durch den Klimawechsel. Die Wärme und die vermehrten Sonnenstunden – verstärkt durch die Zeitumstellung – bringen die „innere Uhr“ des Körpers gehörig durcheinander. <BR /><BR />„Steigende Temperaturen sowie mehr und helleres Licht sind anerkannte Regulatoren des zentralen Nervensystems und der neurobiologischen Funktionssysteme, die für die Bildung und Ausschüttung der Hormone verantwortlich sind“, erklärt die Fachärztin für Innere Medizin, Dr. Cristina Tomasi. <h3> Eine Sache der Hormone</h3>Zwei wichtige Hormone spielen dabei eine Rolle: Serotonin ist für die Aktivierung des Körpers und für gute Stimmung zuständig. Das Hormon wird unter Lichteinfluss im Hypothalamus, einem wichtigen Hirnareal produziert. Durch die sonnenbedingte länger andauernde Serotoninproduktion kommt es gleichzeitig zu einer verkürzten Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin. Die Bildung beider Hormone wird also maßgeblich über die Lichtmenge geregelt. <BR /><BR />Bis zu vier Wochen braucht der Körper, bis er seine „innere Uhr“ umgestellt hat und den Melatonin-Überschuss nach den langen Wintermonaten wieder abgebaut hat. Ein wichtiger Tipp also zur schnelleren Umstellung: „Gehen Sie raus ins Freie und bewegen Sie sich so viel wie möglich im Sonnenlicht. Je länger Sie sich tagsüber dem Sonnenlicht aussetzen, umso mehr wird Serotonin gebildet. Daraus kann die Zirbeldrüse nach Einbruch der Dunkelheit dann wieder Melatonin produzieren“, erklärt Dr. Cristina Tomasi. Durch ausreichende Bewegung werden auch körpereigene Endorphine ausgeschüttet, die Körper und Geist energetisieren. <h3> Regelmäßiger Schlaf und gesunde Ernährung</h3> Ebenso wichtig sind regelmäßige Schlaf-/Wachrhythmen und eine gesunde Ernährung: Viel Gemüse, Obst, artgerecht gezüchtetes, hochwertiges Fleisch und andere tierische Lebensmittel, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte liefern Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie sekundäre Pflanzenstoffe, die über die Wintermonate entstandene Mängel ausgleichen helfen. <BR /><BR />Dauert die Müdigkeit aber länger an, können auch andere Ursachen dahinterstecken:<BR /><BR /><b>1. Unterfunktion der Schilddrüse</b><BR /><BR />Bei eingeschränkter Schilddrüsenfunktion klagen Patienten häufig auch über Trägheit, Müdigkeit und Schwäche.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Nach biochemischer und bildgebender Diagnostik müssen die Patienten meist zeitlebens Schilddrüsenhormone einnehmen.<BR /><BR /><BR /><b>2. Gestörter Flüssigkeitshaushalt</b><BR /><BR />Der Körper eines Erwachsenen besteht zu rund 60 bis 65 Prozent aus Wasser, das der Organismus in seinen zahlreichen Stoffwechselfunktionen verbraucht. Daher muss dem Körper ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden, um eine Dehydratation zu verhindern. Bereits eine leichte Dehydrierung von ein bis zwei Prozent des Körpergewichtes hat einen unmittelbaren Einfluss auf unseren Organismus und kann sich durch Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Kopfschmerz und Schwindel bemerkbar machen.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Ausreichend trinken. Die meisten Experten empfehlen Männern mit sitzender Tätigkeit eine durchschnittliche Flüssigkeitsaufnahme von 1,5 bis drei Litern und Frauen zwei bis zweieinhalb Liter. Dabei ist zu bedenken, dass wir mit der Nahrung, vorwiegend über Obst und Gemüse, bereits etwa ein Fünftel dieser Menge aufnehmen.<BR /><BR /><BR /><b>3. Schwacher Herzmuskel</b><BR /><BR />Je nach Ausprägung und Schweregrad der Herzmuskelschwäche kommt es zu unterschiedlich starken Einschränkungen der Lebensqualität aufgrund von Müdigkeit, Schwäche und Kurzatmigkeit.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Hier braucht es zumeist professionelle ärztliche Hilfe und eine ausreichende Therapietreue, um das Beschwerdebild zu beheben und die Lebensqualität zu steigern.<BR /><BR /><BR /><b>4. Infekte</b><BR /><BR />Bereits vor, während, oft aber auch unterschiedlich lange nach einem durchgemachten Infekt kann es zu ausgeprägten generalisierten Müdigkeits- und Schwächephasen kommen.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Nach erfolgter Diagnose des Infektes bekommt man die angemessene antiinfektiöse Behandlung, die man in der richtigen Dosierung lange genug einnehmen soll. Ist der Infekt abgeklungen, ist oft noch eine längere Sanierung der therapiebedingten Darmschädigung notwendig. Der geschwächte Organismus braucht zur Genesung angemessene Schonung und Erholung.<BR /><BR /><BR /><b>5. Schichtarbeit</b><BR /><BR />Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Nachtschichtarbeit. Zu Beginn steht der gestörte Tag-/Nachtrhythmus mit dem ungleichen Schlaf-/Wachrhythmus, gefolgt von den zunehmenden Störungen in verschiedenen wichtigen körpereigenen Funktionssystemen wie Herzkreislauf und Hormonsystem.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />In leichteren Fällen kann man mit Melatonin, Magnesium und anderen Ergänzungsmitteln erfolgreich sein, in schwereren Fällen braucht man spezialisierte Hilfe.<BR /><BR /><BR /><b>6. Schlafapnoe</b><BR /><BR />Müdigkeit kann auch von Schlafapnoe kommen: Dabei kommt es im Schlaf in den oberen Luftwegen zu einer Schleimhautverlegung, die viele Sekunden anhalten und mit einem starken Sauerstoffabfall im Blut einhergehen kann. Diese Verlegung löst sich durch lautes Schnarchen – eine stressbedingte Weckreaktion. Fettsucht, krankhafte Veränderungen des Mund-, Nasen- und Rachenraumes können Ursache sein.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Zur Diagnose wird eine Schlafuntersuchung (Polysomnographie) durchgeführt. Abhilfe schafft ein Atemhilfsgerät oder bei schweren Fällen eine Operation.<BR /><BR /><BR /><b>7. Zu wenig Schlaf</b><BR /><BR />Jedem kann es passieren, dass er eine Nacht kein Auge zutut: ein krankes Kind, zu erledigende Arbeiten oder Sorgen.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Bei einem einmaligen Ereignis: keine Panik! Hält die Schlafstörung aber länger als eine Woche an, sind schlafhygienische Maßnahmen nötig: immer zur selben Zeit schlafen gehen, keine elektronischen Geräte im Schlafzimmer, kein Mittagsschläfchen, viel Bewegung (aber nicht vor dem Zubettgehen), kein spätes Abendessen, abends keine Kohlenhydrat- und Fett-Kombinationen zu sich nehmen. Tritt keine Besserung ein, sollte man einen Schlaf-Spezialisten konsultieren.<BR /><BR /><BR /><b>8. Störung des Zuckerstoffwechsels</b><BR /><BR />Diabetes geht häufig mit einer allgemeinen Müdigkeit einher, die neben der erhöhten Harnausscheidung oft ein Frühzeichen des Diabetes ist.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Unter ärztlicher Aufsicht kann ein Lebensstil- und besonders Ernährungswechsel mit oder ohne Medikamentengabe das Beschwerdebild lindern oder beheben.<BR /><BR /><BR /><b>9. Eisenmangel und Blutarmut</b><BR /><BR />Ein Eisenmangel kann Müdigkeit hervorrufen. Betroffen sind besonders Frauen wegen ihrer Regelblutungen, aber vermehrt auch Menschen mit lang anhaltender einseitiger Ernährung. Eisenarme Menschen sind oft müde, blass, haben brüchige Fingernägel und Haare, keinen Appetit, Verstopfung, Mundwinkelgeschwüre und bekommen schon bei leichter Tätigkeit Herzrasen und Kurzatmigkeit. Ursachen können auch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Aufnahmestörungen wie Zöliakie sein.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Ein Blutbild bringt Klarheit. Bei einer Eisenmangelanämie muss sofort nach einer möglichen Blutungsquelle, wie verstärkte Regelblutung, entzündliche Darmerkrankung, Magen- /Zwölffingerdarmgeschwüre, Tumore oder Hämorrhoiden gesucht und diese beseitigt werden. Auch Eisenaufnahmestörungen wie Zöliakie müssen ausgeschlossen werden. Eisen kann entweder geschluckt oder gespritzt werden.<BR /><BR /><b>10. Unregelmäßige und falsche Ernährung</b><BR /><BR />Zu wenig, falsche oder unregelmäßige Nahrungszufuhr können wichtige Stoffwechselstörungen hervorrufen, die zu Schwäche und Müdigkeit führen können.<BR /><BR />Was tun?<BR /><BR />Ausgewogen, farbenreich, wenn möglich saisonal und regional essen. Vermeiden Sie industriell hergestellte, verpackte Fertigprodukte.