Wir haben eine „Pandemie“ beim Mangel an Vitamin D, erklären zwei Bozner Fachärzte.<BR /><BR /><BR /><i>Von Brigitta Willeit</i><BR /><BR /><BR /> „Fast jede menschliche Zelle hat einen Vitamin-D-Rezeptor, also eine Andockstelle für Vitamin D“, erklärt der Bozner Facharzt für Innere Medizin, Dr. Bernd Zagler. „Auf diese Weise beeinflusst das Vitamin D den zellulären Stoffwechsel und nimmt auch Einfluss auf zahlreiche Gene.“ Damit spielt Vitamin D unter anderem eine Rolle bei der Regulation zahlreicher Prozesse im Herz-Kreislauf-System, im Immunsystem, bei der Funktion der Atemwege, beim Aufbau, der Steuerung und der Teilung von Zellen, bei der Beseitigung fehlerhafter Zellen und bei verschiedenen Aufgaben des Gehirns. Zusätzlich stärkt es den Knochen und kräftigt die Muskulatur, wodurch das Risiko für Stürze und Oberschenkelhalsbrüche im Alter gesenkt wird. <BR /><BR /><BR /><b>Der optimale Vitamin-D-Wert</b><BR /><BR />Mit Werten unter 10 ng/ml (Nanongramm pro Milliliter) entwickelt sich eine „englische Krankheit“, bei Kindern als Rachitis bzw. bei Erwachsenen als Osteomalazie, also Knochenerweichung, bekannt, sagt Dr. Verena Psenner, Ärztin für Allgemeinmedizin. Unverständlich für sie ist, dass Ernährungsgesellschaften angeben, dass Werte von 30 ng/ml oder gar nur 20 ng/ml ausreichend sein sollten. „Das sind Werte knapp über dem Mangelzustand“, betonen die beiden Ärzte.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-48760702_quote" /><BR /><BR /><BR /> Entsprechend weisen 88 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen Mangel auf, wenn der Grenzwert bei 30 ng/ml gezogen wird. Optimal wären 40 bis 60 ng/ml. Eine wahre Vitamin-D-Mangel-Pandemie also, finden Dr. Psenner und Dr. Zagler. <BR /><BR /><b>Vitamin D über die Sonne gewinnen</b><BR /><BR />Eigentlich kann der menschliche Körper Vitamin D mithilfe der UV-Strahlung der Sonne selbst herstellen. Bei ausreichender Sonnenbestrahlung kann der Bedarf auf diese Weise großteils gedeckt werden. Das Problem: „In unseren Breitengraden ist vom Herbst bis zum Frühling durch die UV-Exposition keine Vitamin-D-Produktion möglich, weil die Sonneneinstrahlung zu flach in die Erdatmosphäre eintritt“, erklären die beiden Ärzte aus Bozen. In den Sommermonaten hingegen kann Vitamin D von 11 bis 15 Uhr mithilfe der UV-B-Strahlung produziert werden, wobei dies je nach Alter, Hauttyp, Ozonbelastung und der Verwendung von UV-Schutz aber variiert. <BR /><BR />Was dabei zu beachten ist: Je nach Hauttyp sollte die Sonnenbestrahlung 5 bis 20 Minuten andauern. Dabei sollte, wenn möglich, das ganze „Sonnensegel“, also die gesamte Hautfläche eines erwachsenen Menschen von 2 Quadratmetern, eingesetzt werden, also nicht nur Gesicht und Hände. Natürlich sollte ein Sonnenbrand vermieden werden. Bei einem Sonnenschutzfaktor von über 15 kann der Körper kein Vitamin D mehr bilden, da die Sonnencreme die UV-B-Strahlen abschirmt. Eine einfache Faustformel, um zu beurteilen, ob die Sonnenstrahlung für die Vitamin-D-Eigensynthese ausreicht, ist der Vergleich seines Schattens mit der Körperlänge: Ist der Schatten länger als man selbst, kann der Körper kein Vitamin D bilden. <BR /><BR /><b>Keine ausreichende Aufnahme über Nahrung</b><BR /><BR />Über die Ernährung ist keine ausreichende Aufnahme von Vitamin D möglich: „Dafür müssten 60 Eier, 5 Kilogramm Champignons, 2,5 Kilogramm Makrelen oder 0,6 Kilogramm Lachs täglich gegessen werden“, verdeutlicht Dr. Zagler anhand einiger Beispiele.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-48760706_quote" /><BR /><BR /><BR />Was also? „Tritt ein Mangel zutage, sollte Vitamin D in Form von Ergänzungsmitteln zugeführt werden. Dabei ist die richtig dosierte tägliche Einnahme von Vitamin D – ca. 60 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht zu einer fettreichen Mahlzeit – bedeutend wirksamer als lediglich eine wöchentliche oder gar monatliche“, erklärt Dr. Psenner. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollte die Einnahme von Vitamin D stets unter Aufsicht durch den betreuenden Arzt oder Apotheker erfolgen. Dr. Psenner: „Vitamin D ist sicher kein Wundermittel für alle Lebens- und Krankheitslagen, es ist aber eine Substanz, die der Körper an vielen Stellen und zu vielen Zwecken braucht. Insofern verstehen wir die Hemmschwelle nicht, warum den Menschen nicht systematisch zu ein paar Tropfen Vitamin D3 geraten wird.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-48760700_listbox" /><BR /><BR /><BR /><BR />