Wer's nicht glaubt, braucht in den sozialen Netzwerken einfach nur nach #perineumsunning oder anverwandten Hashtags zu suchen – allen voran auf TikTok. In unzählbarer Form finden sich dort selbsterklärende Clips zum „Dammbräunen“, so der deutschsprachige Begriff. <BR /><BR />Ob Lai<?TrVer> en, Influencer oder Promis wie z.B. Hollywood-Star Josh Brolin: Allesamt ziehen untenrum blank und lassen sich – salopp gesagt – bei gespreizten Beinen die Sonne aufs „Bürzel“ scheinen. Denn darum geht's bei diesem Gaga-Trend, der sich seit etwa einem Jahr hält.<BR /><BR />„Ab ins Polarium!“, scheint hier nämlich das Motto, zumal dieser gewagten Selbstbräunungsmethode wahre Wunderdinge nachgesagt werden. Diverse Anwender behaupten, dass das Perineum („Damm“) das Tor sei, durch das die Energie in den Körper ein- und austrete. Und in weniger esoterischen Auslegungen geht die Rede von einem „Booster“ für Körper, Seele und Libido. Selten erwähnt werden die Gefahren dieser gewagten Selbstbräunungsmethode. <?Uni SchriftWeite="97ru"> Schließlich ist das eine Stelle des menschlichen Körpers, welche die Natur nicht grundlos zur Schattenzone gemacht hat.<?_Uni> <BR /><BR /><h3> „Bitte nicht nachmachen!“</h3>Ein Umstand, den auch Dr. Klaus Eisendle, Primar der Der<?TrVer> matologie am Krankenhaus Bo<?TrVer> zen, im Gespräch über dieses Phänomen aus der Rubrik „Echt jetzt?!“ ins Feld führt: „Als Ihre Anfrage kam, wollte ich es zunächst selbst gar nicht glauben. Einen solchen Fall hatten wir hierzulande bislang noch nicht. Gleichzeitig erstaunt mich aber aus der klinischen Praxis gar nichts mehr, was den Leuten alles so zum Bräunen einfällt. Meist sind es aber selbstfabrizierte <?Uni SchriftWeite="97ru"> Sonnenmittel mit gewissen Ölen, Peperoncino oder phototoxischem Feigenextrakt.<?_Uni> Wenn man sich die Vi<?TrVer> deos und Bilder hier ansieht, kann man nur sagen: Bitte nicht nachmachen! Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="970216_image" /></div> <BR /><BR /><h3> Das ist nicht grundlos eine „Dunkelzone“</h3>Welche das sind, dazu ist auch – ganz ernsthaft – ein medizinischer Blick aufs Perineum zu werfen. Denn der „Damm“, so der deutschsprachige Fachbegriff, ist die kleine Fläche zwischen Anus und den Geschlechtsteilen. Eine wenige Quadratzentimeter große Stelle, die bei allen Landsäugetieren vor dem Sonnenlicht geschützt ist. „Das ist von der Evolution so vorgesehen. Wir Menschen haben einen aufrechten Gang, daher ergibt sich der Schatten aus der Position – auch ohne Bekleidung. Bei anderen Tieren – z.B. Pferden oder Kühen – liegt darüber auch noch der Schwanz.“<h3> Infektionen & Hautkrebs drohen</h3>Und zwar nicht ohne Grund, wie der Dermatologe weiters ausführt: „Hier ist die Haut sehr sensibel, reagiert schnell auf die UV-Licht-Exposition. Für einen Sonnenbrand reichen nur wenige Minuten; und das ist an dieser Stelle nicht nur schmerzhaft, sondern gefährlich. Denn in diesem Bereich gibt es u.a. ausscheidungsbedingt viele Bakterien. Eine Infektion kann also problematisch sein und eine antibiotische Behandlung notwendig machen.“<BR /><BR />Doch nicht nur diese Gefahr nennt der Südtiroler Hautarzt unisono mit den warnenden Kollegen aktuell in Deutschland und Österreich. Auch die Hautkrebsgefahr steige, in alpinen Gegenden umso mehr: „Hautkrebs ist hierzulande neben den geschlechtsspezifischen Tumoren eine der häufigsten Krebsarten.“ Das habe – führt Eisendle aus – mehrere Ursachen, angefangen von der hohen UV-Intensität in den Bergen über die hierzulande hohe Lebenserwartung bis hin zum Lebensstil und diversen „Unarten“, die er selbst rund ums Jahr beobachtet: „Wir müssen umdenken. Sonnencreme ist nur ein Schutzfaktor, aber wir müssen uns auch wieder mehr bedecken. Nicht aus moralischen Gründen, sondern zum Eigenschutz. Das kann ein T-Shirt beim Schwimmen sein, eine Kopfbedeckung nicht nur bei schütterem Haar. Und schon gar nicht so zweifelhafte Trends wie dieses ‚Dammbräunen‘!“ Nicht zuletzt, weil an genau dieser Stelle (bösartige) Melanome allzu leicht übersehen werden: „Hier wird zwar bei einer dermatologischen Routinevisite auch kontrolliert, weil dort Schleimhautmelanome entstehen können. Werden die aber zusätzlich mit UV-Licht extra bestrahlt, ist der Hautkrebs vorprogrammiert.“<BR /><BR />Und um auf die angeblichen Vorteile zurückzukommen, bleibt aus Expertensicht so nur ein Schluss: „Sich am Strand, Gletscher oder im Solarium extra derart hinzusetzen, ist alles andere als intelligent. Es reicht eine ganz normale Position, um etwas Sonne zu tanken. Das hilft dem Vitamin-D-Haushalt ebenso wie der Libido, denn Sonnenlicht ist per se ein Stimmungsaufheller. Aber auf TikTok & Co sieht das halt nicht so cool aus.“