Dr. Karl Kob, Präsident des gesamtstaatlichen Mykologischen Vereins Bresadola, weiß, welche es zu vermeiden gilt und appelliert: „Nur jene Pilze mitnehmen, deren Art man mit Sicherheit bestimmen kann.“<BR /><BR />In die Wälder zum Pilzesammeln zieht es zurzeit so einige, die Chancen auf gute Ausbeute essbarer Pilze sind nämlich groß. Aber Vorsicht, ebenso groß ist die Chance, auf ungenießbare oder giftige Doppelgänger zu stoßen. „Zu vermeiden sind vor allem der Grüne und der Kegelhütige Knollenblätterpilz sowie der Spitzgebuckelte Raukopf“, warnt Dr. Karl Kob. <BR /><BR />Der Grüne Knollenblätterpilz wächst vor allem in niedrigen Lagen unter Haselnusssträuchern, der Kegelhütige Knollenblätterpilz und der Spitzgebuckelte Raukopf vor allem in Fichtenwäldern höherer Lagen. <BR />Konsumiert man aufgrund einer Verwechslung die genannten Knollenblätterpilze, drohen gefährliche Leberschäden bis zur völligen Leberzerstörung. <BR /><BR />Um das Leben des Patienten zu retten, muss er umgehend auf die Intensivstation gebracht werden. Als noch keine wirksame Therapie existierte, lag die Sterberate bei 90 bis 95 Prozent. Dank dem medizinischen Fortschritt wendete sich diese erschreckende Zahl ins Positive, 90 bis 95 Prozent der Patienten werden heutzutage gerettet. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser ist die Prognose.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60903934_gallery" /><BR /><BR /><BR />Eine weitere in Südtirol sehr gängige, immer häufiger vorkommende und ebenfalls lebensgefährliche Pilzart ist der sogenannte Spitzgebuckelte Raukopf. „Derzeit ist diese Pilzart landesweit verbreitet“, berichtet Kob. Der Spitzgebuckelte Raukopf schädigt die Nieren, und zwar irreversibel. Dies bedeutet, wer ihn konsumiert, riskiert, seine beiden Nieren zu verlieren. Heutzutage existieren Behandlungsmethoden wie die Hämodialyse und die Nierenverpflanzung, die den Patienten retten können. Früher starb man an Nierenversagen.<BR /><BR />„Das Merkwürdige an dieser Vergiftung ist, dass die Symptome eines Nierenversagens erst nach 7 bis 20 Tagen auftreten, da die Nierenzerstörung langsam voranschreitet“, erklärt Kob. Einige Tage nach der Pilzmahlzeit können leichte Brechdurchfälle auftreten, die aber oft ausbleiben.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60904393_quote" /><BR /><BR />Der Spitzgebuckelte Raukopf kann an manchen Jahren auch büschelig wachsen, und gerade solche Arten werden mit anderen verwechselt – etwa mit dem Hallimasch, der fast immer büschelig vorkommt. Verwechslungsgefahr besteht aber vor allem mit dem essbaren Filzigen Gelbfuß, der an denselben Standorten wie der Raukopf wächst. <BR /><BR />Genauso ist bei den Knollenblätterpilzen Vorsicht geboten. Der essbare Grüngefeldete Täubling sieht dem höchst giftigen Grünen Knollenblätterpilz zum Verwechseln ähnlich. Der Dünnfleischige Anis-Egerling – ebenfalls ein Speisepilz – hingegen wird gerne mit dem Kegelhütigen Knollenblätterpilz vertauscht.<BR /><BR />Ebenfalls aufzupassen ist auf den Tigerritterling – er wird dieses Jahr wieder im Spätsommer/Herbst aus dem Boden der Wälder Südtirols sprießen. „Der Tigerritterling kann vor allem mit essbaren Erdritterlingen verwechselt werden“, sagt Kob. Die bei einer Konsumation des Tigerritterlings entstehenden Magenprobleme können bis zu einem einwöchigen Krankenhausaufenthalt führen, da es oft zu einem schweren, lebensbedrohlichem Flüssigkeitsverlust kommt. <BR /><BR />Den begeisterten Pilzesammlern empfiehlt der Hobby-Mykologe, nur jene Pilze für Speisezwecke in den Korb zu packen, deren Art man mit Sicherheit bestimmen kann. „Im Zweifelsfall wendet man sich am besten an eine der Pilzberatungsstellen in den Gesundheitsbezirken“, rät Kob. Es gibt 4 Inspektorate in Südtirol: Bozen, Brixen, Meran und Bruneck. „Dort werden die gesammelten Pilze von Experten genauer unter die Lupe genommen“, weiß Kob. Abschließend rät der ehemalige Sanitätsdirektor: „Halten Sie sich stets an die Sammelregeln und schonen Sie somit unsere Wälder.“ <BR /><BR />Wer sein Wissen über Pilze erweitern will, dem wird empfohlen, theoretisch-praktische Pilzkurse zu besuchen, die jährlich von der Ortsgruppe Bozen des Mykologischen Vereines Bresadola kostenlos angeboten werden.