<BR />Ein Stück Kuchen zum Geburtstag, ein Löffel Zucker im Kaffee, etwas Schokolade am Abend: Gegen Süßes ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Denn ohne Glukose kann der menschliche Körper nicht arbeiten. Der Einfachzucker Glukose wird vom Körper vor allem aus Kohlenhydraten gewonnen und ist ein wichtiger Energielieferant, insbesondere für Gehirn und Muskeln. Deshalb braucht unser Körper Kohlenhydrate – aber nicht zwingend in Form von Süßigkeiten oder Softdrinks.<BR /><BR />Denn Kohlenhydrat ist nicht gleich Kohlenhydrat und Zucker nicht gleich Zucker. Obst, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern Kohlenhydrate zusammen mit Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen. Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte lassen den Blutzucker zudem langsamer ansteigen.<BR /><BR />Problematisch wird es, wo Zucker zur täglichen Selbstverständlichkeit wird – vor allem, wenn er in Getränken steckt und dadurch schnell große Mengen zusammenkommen.<h3> Zwölf Teelöffel Zucker am Tag als Richtwert</h3>Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, sogenannte freie Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Bei 2000 Kilokalorien entspricht das etwa 50 Gramm Zucker am Tag – das sind immerhin rund zwölf Teelöffel. Noch günstiger für die Gesundheit wären weniger als fünf Prozent. Zu den freien Zuckern zählt Zucker, der Lebensmitteln und Getränken zugesetzt wird, aber auch Zucker aus Honig, Sirup und Fruchtsäften. Der Zucker in einem ganzen Apfel oder in Milch wird dagegen nicht dazugezählt.<BR /><BR />Zwölf Teelöffel Zucker am Tag? Das klingt nach unrealistisch viel. Ist aber leider Realität. Mehr noch: In Deutschland kommen Studien bei Erwachsenen auf durchschnittlich rund 13 Prozent der Energie aus freien Zuckern. Damit liegt die Bevölkerung im Durchschnitt etwa ein Drittel über der Zehn-Prozent-Empfehlung. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Werte teilweise noch höher.<h3> Zucker trinken geht besonders schnell</h3>Das Problem ist dabei nicht der Zucker im Apfel. Es sind vor allem die zusätzlichen Zuckerquellen, die sich im Alltag summieren: Süßigkeiten, Kuchen, gesüßte Milchprodukte, Frühstückscerealien – und allen voran zuckerhaltige Getränke. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kann ein Liter eines zuckerhaltigen Erfrischungsgetränks 80 bis 100 Gramm Zucker enthalten. Und diese flüssige Kalorien machen vergleichsweise wenig satt. Ein Liter eines süßen Getränks überschreitet damit das WHO-Tageslimit von 50 Gramm deutlich. In Italien ist die Statistik ähnlich: Der tägliche Zuckerkonsum ist zwar rückläufig, liegt aber bei Erwachsenen immer noch zwischen 60 und 80 Gramm – großteils konsumiert über zuckerhaltige Getränke. <BR /><BR />Ausreichend wissenschaftlich belegt sind mittlerweile die Auswirkungen von zu viel Zuckerkonsum: Gewichtszunahme und Adipositas sowie ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Karies stehen damit in Zusammenhang. Auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es entsprechende Hinweise.<h3> Was bewirkt eine Zuckersteuer? </h3>Kann eine Zuckersteuer hier helfen? Die politische Debatte, die seit Jahren in vielen Ländern geführt wird, setzt bei den Folgeerkrankungen an, die mit einem dauerhaft erhöhten Zuckerkonsum in Verbindung gebracht werden. Diese belasten den Gesundheitssystem finanziell enorm – womit die ungesunde Ernährung des einzelnen von der Privatsache zum kollektiven Problem wird. <BR /><BR />Dass eine Zuckerabgabe den Zuckergehalt von Getränken deutlich senken kann, zeigt England. Dort wurde 2018 die „Soft Drinks Industry Levy“ eingeführt, die an den Zuckergehalt gekoppelt ist: Hersteller zahlen für weniger Zucker weniger Steuern. Das hat dazu geführt, dass fast alle Hersteller ihre Rezepturen angepasst haben und der Zuckergehalt der betroffenen Getränke deutlich sank. Studien zeigen zudem einen Rückgang des Konsums zuckerhaltiger Getränke.<BR /><BR />Eine Zuckersteuer bedeutet nicht zwangsläufig, dass Verbraucher plötzlich deutlich mehr für ihre Limonade bezahlen. Sie kann vielmehr einen Anreiz schaffen, weniger Zucker ins Produkt zu geben. <BR /><BR />Dass dennoch in Italien und auch Deutschland so kontrovers diskutiert wird und die Einführung einer solchen Steuer alles andere als einfach ist, liegt auch an kritischen Stimmen aus Wirtschaft und Lebensmittelindustrie. Sie bezweifeln, dass eine Zuckersteuer allein Übergewicht und Folgeerkrankungen bremsen kann. Übergewicht habe viele Ursachen, zudem könnten Verbraucher auf andere Produkte ausweichen. Außerdem wird auf Aufklärung und Bewusstseinsbildung statt finanzieller Lenkung verwiesen: Wer versteht, welche Folgen ein hoher Zuckerkonsum haben kann, soll seine Ernährung aus eigener Überzeugung verändern.<h3> Was zu viel Zucker anrichten kann</h3><b>- Gewicht und Stoffwechsel</b>: Zucker liefert Energie, sättigt aber insbesondere in flüssiger Form nur wenig. Wer dauerhaft mehr Energie aufnimmt als verbraucht, nimmt zu. Ein hoher Konsum zuckerreicher Lebensmittel und Getränke kann dadurch Übergewicht und Adipositas begünstigen.<BR /><BR />- <b>Blutzucker und Insulin</b>: Nach einer zuckerreichen Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel an, worauf der Körper Insulin ausschüttet. Einzelne solche Spitzen sind für einen gesunden Stoffwechsel kein Problem. Dauerhaft sehr zuckerreiche Ernährung kann jedoch zusammen mit Übergewicht und Bewegungsmangel die Entwicklung einer Insulinresistenz und damit eines Typ-2-Diabetes begünstigen.<BR /><BR /><b>- Fettleber</b>: Nicht nur Alkohol kann die Leber belasten. Eine dauerhaft hohe Energiezufuhr und ein hoher Konsum von Zucker, insbesondere aus zuckerhaltigen Getränken, können die Entstehung einer nichtalkoholischen Fettleber begünstigen.<BR /><BR /><b>- Zähne</b>: Hier ist der Zusammenhang besonders eindeutig. Mundbakterien verwerten freie Zucker und bilden dabei Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Je häufiger die Zähne diesen Säureangriffen ausgesetzt sind, desto größer das Kariesrisiko.<BR /><BR />- <b>Herz und Gefäße</b>: Ein dauerhaft hoher Konsum zuckerreicher Lebensmittel kann über Gewichtszunahme, Stoffwechselveränderungen und eine insgesamt ungünstige Ernährungsweise auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Zucker ist dabei allerdings nicht isoliert zu betrachten: Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster.