<BR /><b>von Dr. Cristina Tomasi</b><BR /><BR />Für dieses Phänomen hat sich in den vergangenen Jahren ein eigener Begriff etabliert: „Beachtimidation“. Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen „beach“ (Strand) und „intimidation“ (Einschüchterung) zusammen und beschreibt das Unbehagen, sich in Badebekleidung zeigen zu müssen.<BR /><BR />Betroffen davon sind gar nicht so wenige: Laut internationalen Umfragen fühlt sich fast jeder zweite Erwachsene unwohl beim Gedanken, im Badeanzug oder Bikini gesehen zu werden. Viele empfinden ihren Körper als unperfekt und unzureichend, obwohl sie objektiv eigentlich gesund sind. Bei manchen geht dieses ungute Gefühl so weit, dass sie sogar auf Schwimmbadbesuche, Strandtage oder Urlaubsreisen verzichten, um sich dem vermeintlichen Urteil anderer nicht auszusetzen. <BR /><BR />Bei „Beachtimidation“ handelt es sich keineswegs ausschließlich um ein oberflächliches Schönheitsproblem, sondern um eine gesellschaftliche und gesundheitliche Herausforderung.<h3> Vom Streben nach dem perfekten Körper</h3>Noch nie zuvor wurden Menschen so intensiv mit den Bildern anderer Menschen konfrontiert wie heute. Wir wischen, wir scrollen, wir liken und teilen: Soziale Medien begleiten uns heute auf Schritt und Tritt, praktisch rund um die Uhr, und führen uns perfekt inszenierte Urlaubsfotos, trainierte Körper, makellose Haut und scheinbar mühelose Schönheit vor Augen. <BR /><BR />Dabei wird allerdings leicht vergessen, dass viele dieser Bilder nicht echt sind, sondern bearbeitet, gefiltert oder sorgfältig in Szene gesetzt. Unser Gehirn vergleicht sich jedoch nicht mit der Realität, sondern mit dem, was es ständig sieht. Die Folge ist oft eine wachsende Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper.<BR /><BR />Das betrifft Jüngere, aber nicht nur: Auch Erwachsene und ältere Menschen bleiben von dem selbst auferlegten Druck von außen nicht verschont: Mit den ersten warmen Tagen beginnt deshalb für viele die Jagd nach der sogenannten „Bikini-Figur“. Diäten werden gestartet, Mahlzeiten ausgelassen und Fitnessprogramme über Nacht begonnen. Der eigene Körper wird plötzlich zum Problem, das möglichst schnell gelöst werden soll.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75065227_quote" /><BR /><BR />Als Ärztin beobachte ich dabei immer wieder denselben Denkfehler. Die meisten Menschen fragen sich vor dem Sommer: „Wie kann ich möglichst schnell abnehmen?“ Dabei wäre die viel wichtigere Frage: „Wie kann ich gesünder werden?“<BR /><BR />Denn Gesundheit und Ästhetik sind nicht dasselbe. Jemand kann schlank sein und gleichzeitig unter Schlafmangel, chronischen Entzündungen oder Stoffwechselproblemen leiden. Umgekehrt können Menschen einige Kilos mehr auf die Waage bringen und dennoch ausgezeichnete Gesundheitswerte haben.<BR /><BR />Der entscheidende Maßstab sollte deshalb nicht die Zahl auf der Waage sein oder wie wir am Strand aussehen, sondern die Frage, wie gut unser Körper funktioniert und wie wir uns fühlen. Haben wir Energie? Schlafen wir gut? Können wir uns bewegen? Fühlen wir uns leistungsfähig? Freuen wir uns auf das Leben? Wenn die Antwort auf diese Fragen „Ja“ lautet, dann sind wir auf dem richtigen Weg.<h3> Schluss mit der „Bikini-Figur“</h3>Wenn wir Entzündungen reduzieren, ausreichend schlafen, unsere Muskelmasse erhalten und auf unseren biologischen Rhythmus achten, verbessert sich häufig nicht nur die Gesundheit, sondern auch das äußere Erscheinungsbild. Der Körper findet wieder zu seinem Gleichgewicht. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, einen Begriff aus unserem Wortschatz zu streichen: die „Bikini-Figur“. Denn jeder Körper, der einen Bikini oder Badeanzug trägt, ist bereits ein Bikini-Körper.<BR /><BR />Der Sommer sollte keine Prüfung sein, die wir bestehen müssen. Er sollte eine Jahreszeit zum Genießen sein. Weniger Selbstkritik, weniger Perfektionsdruck und mehr Vertrauen in den eigenen Körper wären dafür ein guter Anfang.<h3> Die fünf wichtigsten Gesundheitshelfer</h3><b>1. Muskeln: Die beste Investition in die Zukunft</b><BR />Anstatt sich auf die Fettverbrennung zu konzentrieren, sollte der Aufbau und Erhalt der Muskelmasse im Vordergrund stehen. Das Muskelgewebe beeinflusst den Energieverbrauch, verbessert die Insulinempfindlichkeit, hilft dabei, bis ins hohe Alter mobil und selbstständig zu bleiben und schützt uns vor altersbedingten Erkrankungen. <BR /><BR /><b>2. Eiweiß: Mehr als nur ein Fitnesstrend</b><BR />Proteine unterstützen den Muskelaufbau, sorgen für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl und helfen dabei, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. <BR /><BR /><b>3. Schlaf: Die Regeneration der Nacht</b><BR />Während wir schlafen, laufen im Körper zahlreiche Reparatur- und Regenerationsprozesse ab. Hormone, die Hunger, Sättigung, Fettverbrennung und Stoffwechsel steuern, werden in dieser Zeit neu reguliert.<BR /><BR /><b>4. Licht: Der natürliche Taktgeber</b><BR /> Vor allem das Licht am Morgen hilft dabei, die innere Uhr richtig einzustellen. Dadurch verbessern sich Schlafqualität, Energielevel, Hormonregulation und Stoffwechselprozesse. Oft reichen bereits wenige Minuten im Freien am Morgen, um dem Körper wichtige Signale für den Tagesrhythmus zu geben.<BR /><BR /><b>5. Haut: Die Schönheit von innen</b><BR />Eine gesunde Haut ist das Ergebnis eines gesunden Organismus<BR />Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen sowie ein niedriger Entzündungsgrad beeinflussen das Hautbild oft stärker als viele Pflegeprodukte.