<BR /><BR />Diabetes mellitus bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel über längere Zeit erhöht ist. „Glukose ist zwar der wichtigste Energielieferant für den Körper, doch dauerhaft erhöhte Werte schädigen die Blutgefäße und damit auch die Versorgung der Organe“, erklärt Dr. Manfred Gartner, Facharzt für Augenheilkunde an der Martinsbrunn ParkClinic in Meran und der Marienklinik in Bozen. Besonders betroffen sind die feinsten Gefäße, die sogenannten Kapillaren, die unter anderem die Netzhaut versorgen, jenen Teil des Auges, der für das Sehen entscheidend ist.<BR /><BR /><embed id="dtext86-74590014_quote" /><BR /><BR />Genau hier beginnt das Problem. Durch den erhöhten Zuckerspiegel verändern sich die Gefäßwände: Sie werden durchlässiger, instabiler und verengen sich. Die Folge sind Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel. „Diese Schäden entwickeln sich schleichend über Jahre“, so Dr. Gartner. „Und genau das macht sie so gefährlich.“<BR /><BR />Die Erkrankung, die daraus entstehen kann, wird als diabetische Retinopathie bezeichnet. Anfangs bilden sich kleine Aussackungen an den Gefäßen, sogenannte Mikroaneurysmen, aus denen Flüssigkeit oder Blut austreten kann. Es kommt zu winzigen Blutungen und Flüssigkeitseinlagerungen in der Netzhaut, vor allem im Bereich der Makula, die für das scharfe Sehen zuständig ist.<BR /><BR />Im weiteren Verlauf verschließen sich immer mehr Gefäße. Die Netzhaut wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Der Körper reagiert darauf mit einem Notprogramm: Er bildet neue Blutgefäße. Doch diese sind fragil, wachsen unkontrolliert und neigen zu Blutungen. „Diese Gefäßneubildungen können zu schweren Komplikationen führen bis hin zur Netzhautablösung oder massiven Sehverlusten“, erklärt der Facharzt.<BR /><BR />Auch die Augenlinse kann betroffen sein: Steigt der Blutzuckerspiegel über längere Zeit an, gelangt vermehrt Glukose in die Linse. Im Inneren der Linse wird die Glukose in Sorbit umgewandelt, welches Wasser bindet – die Linse quillt auf. Dadurch verändert sich ihre Brechkraft, das Sehen wird unscharf. Wird der Blutzucker stabilisiert, kann sich dieser Effekt wieder zurückbilden. „Bei instabilem, schwankendem Blutzuckerspiegel sollten daher keine Brillen verordnet werden“, sagt Dr. Gartner. <h3> Veränderungen im Auge bleiben lange unbemerkt</h3>Bleibt die Linsenschwellung jedoch bestehen, verändern sich die Eiweißstrukturen in der Linse dauerhaft, sie verklumpen – die Linse trübt sich ein. Es entsteht der Graue Star (Katarakt). Betroffene sehen verschwommen, reagieren empfindlicher auf Licht, Farben wirken blasser.<BR /><BR />Das Heimtückische daran: All diese Veränderungen bleiben lange unbemerkt. „Viele Betroffene haben über Jahre keinerlei Beschwerden, obwohl sich Netzhaut und Augenlinse bereits verändern.“ Erst wenn das Sehvermögen deutlich nachlässt, wird die Erkrankung oft erkannt – und dann sind Schäden häufig bereits fortgeschritten. Entscheidend ist deshalb die frühe Diagnose. Denn einmal entstandene Schäden sind oft nicht mehr rückgängig zu machen, sagt der Facharzt. Umso wichtiger ist es, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.