Schmerz ist ein subjektives Gefühl. Dennoch gibt es verschiedene Techniken, um Schmerz messen zu können. Im Klinikalltag kommen dafür Schmerzskalen zur Anwendung, anhand derer Patienten versuchen, mittels Zahlencodes, einer visuellen oder beschreibenden Abbildung ihre Schmerzintensität einzustufen. Damit kann die Wirksamkeit von Therapien sicht- und vergleichbar gemacht werden, erklären Dr. Helmuth Ruatti, Dr. Bernhard Rainer und Dr. Meinhard Kritzinger, die als Anästhesisten in der Bozner CityClinic arbeiten.<BR /><BR />Akute Schmerzen haben eine Schutzfunktion, weil sie dem Körper signalisieren, dass irgendwo eine Dysfunktion besteht. Wenn Schmerzen nicht behandelt werden, können sie chronisch werden und auch noch fortbestehen, wenn die Schmerzursache behoben ist und es keiner Schutzfunktion mehr bedarf. Chronische Schmerzen sind viel schwieriger zu behandeln als akute Schmerzen.<h3> Aufgabe der Anästhesisten</h3>Bei akuten und chronischen Schmerzen unterschiedlichster Ursachen tragen Anästhesisten gemeinsam mit behandelnden Ärzten anderer Fachbereiche zur Schmerzlinderung bei. Neben der Narkose und anderen Betäubungsmethoden bei der Operation gehört nämlich auch die Schmerzbehandlung zum Aufgabengebiet von Anästhesisten.<BR /><BR /> Niemand sollte akute Schmerzen aushalten müssen, betonen die Anästhesisten der CityClinic. Neben der Gefahr der Chronifizierung des Schmerzes komme es nach Operationen auch zu einer Gefäßverengung im Wundgebiet und so zu einer verzögerten Heilung. Schmerzen bringen oft auch eine Schonhaltung mit sich, wodurch Muskeln abgebaut und Fehlhaltungen fixiert werden. Das wiederum verlängert die Genesungszeit beträchtlich. Außerdem kann es durch eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung des Körpers zu vermehrter Blutgerinnselbildung kommen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="820805_image" /></div> <BR /><BR />Jede Operation verursacht unterschiedlich starke Schmerzen. Zur Vorbeugung und Schmerzbehandlung erhalten Patienten eine Schmerztherapie, die an die Schwere ihrer Operation, an etwaige Begleiterkrankungen und andere Medikamenteneinnahmen angepasst wird. Grundsätzlich entscheidet der Patient beim Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten, welches Narkoseverfahren und welche Strategie zur Schmerztherapie für seine Operation infrage kommt. <BR /><BR />Nach bestem medizinischen Standard kommen medikamentöse Therapien in Kombination mit Regionalanästhesie und Nervenblockaden mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Wirkstärken zum Einsatz.<BR /><BR />„Bei jedem Medikament und jeder invasiven Methode, die bei einer Schmerztherapie zur Anwendung kommen, gibt es spezifische Risiken und Nebenwirkungen, über die der Patient aufgeklärt werden muss“, erklärt Dr. Bernhard Rainer. Häufig treten leichte und vorübergehende Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, Juckreiz, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auf. <BR /><BR />Gefährliche Nebenwirkungen wie schwere allergische Reaktionen, Einschränkungen der Organfunktionen oder Schädigungen der blutbildenden Zellen im Knochenmark seien bei sorgfältiger Anästhesievorbereitung zum Glück sehr selten, erklärt der Anästhesist der CityClinic.<h3> Den Schmerz ausschalten</h3>Schmerzen werden im Körper über freie Nervenendungen wahrgenommen. Durch die Infiltration von lokal wirkenden Betäubungsmitteln (Lokalanästhesie) kann der Schmerz direkt am Entstehungsort blockiert werden, erklärt Dr. Bernhard Rainer. Reicht eine lokale Betäubung nicht aus, kann der Anästhesist mit der Injektion von Lokalanästhetika an bestimmten Punkten entlang der Nervenleitung die Schmerzausschaltung an ausgedehnteren Regionen gewährleisten. Die Injektion in den Wirbelkanal (Spinalanästhesie) oder in ein Nervengeflecht (Plexusanästhesie) sind dabei Verfahren, die am häufigsten zur Anwendung kommen.<BR /><BR />Auch durch die Stimulation von oberflächlichen Hautnerven oder von gewissen Knotenpunkten wie es bei der Akupunktur oder Neuraltherapie gemacht wird, könne die Schmerzfortleitung blockiert und moduliert werden, erklärt Dr. Meinhard Kritzinger. „Die meisten von uns erinnern sich, wie die Mutter auf die Wunde geblasen hat, wenn wir uns verletzt haben.“ Durch diese oberflächliche Reizung der Haut werde der Schmerzreiz vermindert. Ähnliches wird durch Schmerzpflaster oder Elektrotherapie erzielt. <BR /><BR /><BR /><BR />Schließlich kann der Schmerz auch im Gehirn beeinflusst werden. Das ist der Ort, wo der Schmerz verarbeitet und bewusst gemacht wird. Vermutlich jeder hat davon gehört, dass sich Soldaten mit amputierten Gliedmaßen in Sicherheit gebracht haben, ohne dabei Schmerzen zu spüren. „Das Gehirn blockiert dabei die Schmerz-Wahrnehmung“, sagt der Anästhesist der CityClinic. Verhaltenstherapien wie autogenes Training oder Yoga funktionieren ähnlich, ergänzt Dr. Ruatti. <BR /><BR />Auch einfache Ablenkungs- und Entspannungsstrategien wie Lesen oder Musikhören können bei Schmerzen helfen. Die Psychotherapie greife ebenfalls auf dieser Ebene ein und könne bei chronischen Schmerzen oft erstaunliche Erfolge liefern, erklärt Dr. Rainer: „Natürlich kann man auf dieser Ebene auch mit Medikamenten eingreifen.“ So haben sich Antidepressiva in geringer Dosis vor allem bei chronischem Schmerz bewährt.<BR />