Eine Ansteckung mit Dengue-, Chikunguya-, Gelbfieber oder Infektionen mit dem Zika-Virus kennt man im Normalfall eigentlich nur aus Afrika oder den Tropen. Zwar hat es einzelne Fälle auch in Südtirol gegeben. „Bislang hatten wir hier aber nur Fälle, die von Reisen ins Ausland sozusagen importiert worden sind“, sagt Elke Maria Erne, Primaria der Infektionsabteilung in Bozen.<BR /><BR />An die 5 Infektionen mit einer der genannten Tropenkrankheiten pro Jahr seien in Vergangenheit im Schnitt in Südtirol festgestellt worden, so die Primaria der Infektionsabteilung. <BR /><BR />Dies könnte sich in Zukunft grundlegend ändern. Der Grund dafür: Die Mückenarten, die für die Übertragung dieser schweren Erkrankungen verantwortlich sind, waren hierzulande nicht heimisch. So wurde die Dengue- oder Gelbfiebermücke letztmals in den 1950er-Jahren in Europa nachgewiesen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="982297_image" /></div> <BR /><BR />Wie eine Studie der Trentiner Stiftung Bruno Kessler und der Universität von Trient nun ergeben hat, dürfte neben der inzwischen bereits in immer weiteren Teilen Südtirols heimischen Asiatischen Tigermücke auch die Dengue-Mücke wieder heimisch werden. Dadurch steigt gleichzeitig auch das Risiko einer solchen Infektion hierzulande an. <BR /><BR />Die Ursache der Rückkehr der genannten Mückenarten liegt laut Studie im Klimawandel. Die auch in Südtirol steigende Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit begünstigen Rückkehr und Wiederansiedelung der Mücken.<BR /><BR />Das Problem seien immer häufiger auftretendes feuchtwarmes Klima und Winter ohne längere Frostperioden, so Dr. Erne. Welche Folgen dies hat, belegen die Fälle von Epidemien von Chikungunya-Fieber 2017 im Latium und in Kalabrien sowie Infektionsherde von Dengue-Fieber im Veneto (2020) sowie in der Lombardei und im Latium im Vorjahr.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="982300_image" /></div> <BR /><BR />Dass solche gehäufte Fälle oder gar Epidemien auch in Südtirol auftreten werden sei laut Dr. Erne eher unwahrscheinlich. „Aber auf Einzelfälle, bei denen die Ansteckung nicht auf einer Reise sondern in Südtirol erfolgt ist, werden wir uns sicher vorbereiten müssen“, so die Primaria der Infektionsabteilung. Am Bozner Krankenhaus ist man jedenfalls auf solche Fälle vorbereitet. „Wir verfügen über die entsprechende Diagnostik“, so Dr. Erne. <BR /><BR />Spezifische Therapien bei einer der genannten Erkrankungen oder gar Impfstoffe gegen eine Infektion gibt es bislang keine. „In solchen Fällen wird einfach symptomatisch behandelt“, erklärt die Ärztin. „Bei uns bislang immer ambulant, da wir keinen so schweren Fall hatten, der stationär aufgenommen hätte werden müssen.“ <BR /><BR />Die einzige Möglichkeit, einer Infektion mit einer der genannten Tropenkrankheit vorzubeugen ist, sich gegen Mückenstiche zu wappnen. „Mit den bekannten Mitteln wie Mückenspray usw.“ so Dr. Erne. Denn Fakt ist, dass die gefährlichen Plagegeister auch den Weg nach Südtirol finden werden.<BR /><BR /><BR />DIE KRANKHEITEN<BR /><BR /><b>Dengue-Fieber</b><BR /><BR />Fieber, Ausschlag, starke Kopf-, Muskel-, Glieder-, Knochen- oder Gelenkschmerzen sind die typischen Symptome bei einer Infektion. Im Normalfall heilt die Krankheit nach 5 bis 7 Tagen ab. In bis zu 5 Prozent der Fälle nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf mit inneren Blutungen und kann tödlich enden. Besonders gefährlich ist eine solche Infektion für Kinder und Säuglinge, aber auch für Menschen mit Vorerkrankungen bzw. einem schwachen Immunsystem.<BR /><BR /><BR /><b>West-Nil-Fieber</b><BR /><BR />Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus verläuft meist leicht – mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Schwellung der Lymphknoten und heilt in der Regel ohne größere Komplikationen in 3 bis 6 Tagen ab. Einer auf 100 Infizierte erkrankt aber schwer. Bei einem Teil dieser Patienten tritt eine Meningitis auf, in seltenen Fällen sogar eine Enzephalitis. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung oder einer Immunschwäche.<BR /><BR /><b>Chikungunya-Fieber</b><BR /><BR />Ein bis 2 Wochen dauert es im Fall einer Infektion mit dem Chikungunya-Virus, bis die Erkrankung wieder abgeklungen ist – in den allermeisten Fällen ohne bleibende Schäden. Neugeborene, ältere Menschen und chronisch Kranke können aber auch schwere Verläufe entwickeln. In 5 bis 10 Prozent der Fälle sind andauernde Gelenkschmerzen bekannt. Gelegentliche Folgen sind auch eine fulminante Leber-, Herzentzündung, starke neurologische Störungen, Hirnhautentzündung oder Hirnschäden.<BR /><BR /><b>Zika-Virus</b><BR /><BR />Das Zika-Virus wird hauptsächlich durch den Stich einer infizierten Mücke übertragen – in erster Linie durch die Denguemücke, aber auch durch die asiatische Tigermücke. Die meisten Infektionen verlaufen symptomfrei. Wenn Symptome auftreten, dann meist mild. Mögliche Symptome sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Gefährlich ist eine Infektion, besonders für Schwangere, da sie Missbildungen beim Ungeborenen zur Folge haben kann.<BR />