Sonntag, 08. April 2018

Getöteter Journalist setzt Drohne über Soldaten ein

Nach dem Tod eines palästinensischen Journalisten bei Massenprotesten an der Gaza-Grenze hat Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman Forderungen nach einer Untersuchung des Vorfalls zurückgewiesen. „Das ist die übliche Torheit, die wir kennen“, sagte Lieberman am Sonntag dem israelischen Armeesender.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman findet die angestellten Untersuchungen heuchlerisch.
Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman findet die angestellten Untersuchungen heuchlerisch. - Foto: © APA/AFP

Es gebe keine vergleichbare Aufmerksamkeit für das viel schlimmere Blutvergießen in Syrien oder anderen arabischen Staaten, sagte der Minister Liebermann. „Deshalb handelt es sich um reine Heuchelei.“

Der 30-jährige palästinensische Fotojournalist Jasser Murtadscha war am Freitag bei der Berichterstattung über Proteste an Israels Grenze zum Gazastreifen tödlich verletzt worden. Insgesamt wurden am Freitag neun Palästinenser getötet und mehr als 1300 verletzt, die meisten davon durch Tränengas.

Der Auslandspresseverband in Israel äußerte sich bestürzt über Murtadschas Tod. „Wir drängen die Armee dazu, in Gebieten, in denen Journalisten im Einsatz sind, Zurückhaltung zu zeigen“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbands. Man fordere außerdem eine „rasche und offene Untersuchung dieses Vorfalls“.

„Wir haben Dutzende von Fällen gesehen, in denen sich Aktivisten der (radikalislamischen) Hamas als Sanitäter verkleidet haben, Krankenwagen benutzten“, sagte Lieberman dazu. „Und ein Journalist, der sich der Grenze nähert und eine Drohne über israelischen Soldaten einsetzt – wir werden kein Risiko eingehen.“ Man habe die Menschen vor den Protesten ausreichend gewarnt, sich dem Grenzzaun nicht zu nähern, um sich selbst nicht zu gefährden.

dpa

stol